Das Geheimnis des Zawisch-Kreuzes: Weitere Reliquie verborgen

Das Zawisch-Kreuz aus dem 13. Jahrhundert

Das Zawisch-Kreuz aus dem 13. Jahrhundert ist gemeinsam mit den böhmischen Krönungsinsignien und dem Reliquienschrein des Heiligen Maurus das bedeutendste Werk der Goldschmiedekunst, das in der Tschechischen Republik vorhanden ist. Wissenschaftler haben am Donnerstag einige neue Erkenntnisse über das mittelalterliche Kunstwerk veröffentlicht.

Foto: Petr Kubát,  Tschechischer Rundfunk

Den Forschern zufolge hat das mit Edelsteinen geschmückte Doppelkreuz seine Geheimnisse über Jahrzehnte hinweg bewahrt. Das Zawisch-Kreuz aus dem Zisterzienserstift Vyšší Brod (Hohenfurth) birgt mutmaßlich ein Fragment jenes Kreuzes, an dem Jesus Christus starb. Den neuesten Forschungen nach enthält das Kreuz aber auch noch eine weitere Reliquie, die sogenannte Kontaktreliquie – also ein Holzstück, das die Hauptreliquie berührt. Der Geoinformatiker Matěj Šindelář von der Organisation Naše historie (Unsere Geschichte) beschrieb seine neuesten Erkenntnisse in den Inlandsendungen des Tschechischen Rundfunks:

Jiří Šindelář | Foto: Judita Šímová,  Tschechischer Rundfunk

„Was die zweite Reliquie betrifft, haben wir festgestellt, dass das Holz etwas härter erscheint. Vermutlich ist es Walnussholz. Wie gehen darum davon aus, dass es sich um den Holzkern des Kreuzes selbst handelt. Im Jahre 1775 wurde er jedoch durch einen Silberkern ersetzt. Das Holzstück blieb aber im Inneren des Kreuzes und diente dazu, die Hauptreliquie – das Fragment vom Kreuz Christi – zu sichern.“

Die neuen Erkenntnisse über das Zawisch-Kreuz wurden bei einem internationalen Symposium in Vyšší Brod präsentiert. Die Experten forschten an dem einzigartigen Kunstwerk mit Unterbrechungen seit 2016. Sie erstellten unter anderem ein digitales 3D-Bild des Kreuzes. Es wird betont, dass bei den Forschungen nicht invasiv vorgegangen worden sei – das heißt auf eine Weise, die das Werk nicht beschädigt. Wie gelang es nun zu bestimmen, welche der Reliquien die Hauptreliquie ist? Matěj Šindelář dazu:

Das Zawisch-Kreuz aus dem 13. Jahrhundert | Foto: Petr Kubát,  Tschechischer Rundfunk

„Es ist ganz einfach. Wir sind davon ausgegangen, dass es sich bei der Primärreliquie um das kleine Kreuz handelt, das noch Stoffreste aufweist und aus Zedernholz gefertigt ist. Unsere Hypothese lautet, dass das andere Holzstück – die Kontaktreliquie – völlig anderer Art ist. Wir nehmen an, dass es eigens zugeschnitten und geformt wurde, um das darunter liegende Holz, die Primärreliquie zu fixieren. Im Mittelalter hätte es niemand gewagt, die Hauptreliquie zu entzweien.“

Laut Matěj Šindelář gibt es zwar in der Literatur Informationen über das Alter des Zedernholzes, das aus dem Kreuz Christi stammen soll. Die Angaben seien jedoch durch keine Analysen bestätigt worden, so der Experte. Sein Forscherteam neige ebensowenig dazu, dies zu tun, betonte Šindelář und fuhr fort:

„Die Durchführung einer solchen Analyse wäre zerstörerisch. Sie würde die Entnahme einer Probe erfordern, die bei der Radiokarbonmethode verbrannt und vernichtet würde. Das ist bei einer Reliquie nicht wünschenswert. Zudem sind solche Analysen niemals vollkommen präzise.“

Das Zawisch-Kreuz aus dem 13. Jahrhundert | Foto: Václav Pancer,  ČTK

Einige Hypothesen gibt es zudem über die Herkunft des Zawisch-Kreuzes. 2013 wurde das einzigartige Kunstwerk im Rahmen der Landesausstellung Oberösterreich-Südböhmen gezeigt. Jiří Franc, der Kurator des Teils der Schau, die in Vyšší Brod zu sehen war, sagte damals gegenüber Radio Prag International, die Herkunft des Kreuzes sei nach wie vor von Geheimnissen umhüllt. Er fügte hinzu:

„Die Kollegen Kunsthistoriker haben in den vergangenen Jahrzehnten fleißig gearbeitet und Reliquiare verglichen, die eine Ähnlichkeit aufweisen. In Esztergom (Gran) beispielweise ist das sogenannte Schwurkreuz der ungarischen Könige erhalten geblieben, das viel kleiner ist und auch einfach- und nicht doppelarmig wie das Zawisch-Kreuz. Außerdem ist es ein lateinisches Kreuz. Die Filigranarbeiten sind allerdings sehr ähnlich und wurden wahrscheinlich von der gleichen Hand geschaffen. Die inzwischen verstorbene Professorin Kovacs ist zu der Ansicht gekommen, dass das Zawisch-Kreuz als das Krönungskreuz der ungarischen Könige in Auftrag gegeben wurde. Deshalb sei es so aufwendig konstruiert worden, dass es wirklich ein Unikat ist.“

Autoren: Martina Schneibergová , Věra Štechrová | Quelle: Český rozhlas
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