Zawisch-Kreuz: Höhepunkt der Landesausstellung in Vyšší Brod / Hohenfurth

Foto: ČT24

Unter dem Titel „Alte Spuren, neue Wege“ läuft derzeit die Landesausstellung von Oberösterreich und Südböhmen. Sie wird in vier Gemeinden auf beiden Seiten der Grenze präsentiert. In Südböhmen sind Ausstellungen in Český Krumlov / Krumau und in Vyšší Brod / Hohenfurth zu sehen. Höhepunkt der Führung durch die Zisterzienserabtei in Vyšší Brod ist ein einzigartiger mittelalterlicher Reliquienschrein – das so genannte „Zawisch-Kreuz“. Dazu ein Gespräch mit dem Kurator der Ausstellung, Jiří Franc.

Zawisch-Kreuz (Foto: ČT24)
Herr Kurator, stimmt es, dass das Zawisch-Kreuz mit den Krönungsjuwelen vergleichbar ist?

„Es ist schwierig das zu vergleichen, weil diese außerordentlich wertvollen Kunstgegenstände der Goldschmiedekunst immer sehr individuell sind. Das Zawisch-Kreuz ist aber im Vergleich zu der Wenzelskrone beispielweise mindestens um ein Jahrhundert älter. Man hat hier Bestandteile verwendet, die aus dem 10. oder 9. Jahrhundert stammen, sodass der ideelle, materielle und kunsthistorische Wert beim Zawisch-Kreuz imminent ist. Es wird jetzt nach vielen Jahrzehnten wieder zu Hause, in der Abtei Hohenfurth, ausgestellt nachdem es ein bewegtes Schicksal durchgemacht hat. Im 20. Jahrhundert während der beiden Auflösungen des Klosters unter dem nationalsozialistischen Regime 1941 und dem kommunistischen Regime 1950 hat das Reliquienkreuz oftmals die Abtei verlassen, ist aber immer wieder zurückgekommen. So auch zuletzt im Jahr 1994, nach der Samtenen Wende und anlässlich der Landesausstellung Oberösterreich-Südböhmen.“

Zawisch-Kreuz (Foto: ČT24)
Wann wurde es das letzte Mal ausgestellt?

„Das letzte Mal in den 1970er Jahren auf der Prager Burg. Es war damals ein Bestandteil des Domschatzes Sankt Veit und war 1970 eine Leihgabe für die große Ausstellung ´Tschechoslowakei´, die in Moskau stattgefunden hat. Das Kreuz ist Gott sei Dank zurückgekommen. Es war zwar feucht und verschmutzt und musste dann sofort konserviert werden, hat sich aber in der ursprünglichen Form erhalten. Das ist das Besondere am Zawisch-Kreuz, denn der spätromanische Charakter dieser Crux gemmata ist immer noch gegeben und das ist eigentlich die große Ausnahme in Europa. Es gibt in ganz Europa kein zweites Kreuz, das mit so vielen Edelsteinen – es sind weit über 60 - in dieser Qualität geschmückt ist wie das Zawisch-Kreuz. In Bezug auf die Emaille- und Filigranarbeiten ist das Zawisch-Kreuz die bedeutendste Sehenswürdigkeit in der Tschechischen Republik und außerdem ist es das einzige Kreuzreliquiar, das aus Gold ist.“

Zawisch-Kreuz (Foto: ČT24)
Weiß man, woher das Kreuz stammt?

„Man weiß es nicht. Die Herkunft des Kreuzes wird nach wie vor von Geheimnissen umhüllt. Kollegen Kunsthistoriker haben in den vergangenen Jahrzehnten fleißig gearbeitet und die Reliquiare verglichen, die eine Ähnlichkeit aufweisen. In Esztergom / Gran beispielweise ist das sogenannte Schwurkreuz der ungarischen Könige erhalten geblieben, das viel kleiner ist und auch einfach- und nicht doppelarmig wie das Zawisch-Kreuz. Außerdem ist es ein lateinisches Kreuz. Die Filigranarbeiten sind allerdings sehr ähnlich und wurden wahrscheinlich von der gleichen Hand geschaffen. Die verstorbene Professorin Kovacs ist vor ihrem Tod zu der Ansicht gekommen, dass das Zawisch-Kreuz als das Krönungskreuz der ungarischen Könige in Auftrag gegeben wurde. Deshalb sei es so aufwendig konstruiert worden, dass es wirklich ein Unikat ist.

Zawisch von Falkensteins Hinrichtung
Die Frage ist, wie es dann nach Böhmen gelangt ist. Wahrscheinlich zusammen mit dem ungarischen Kronschatz im Jahr 1270. Die Lieblingstochter des ungarischen Königs Anna von Macva war auf der Flucht aus Ungarn vor ihrem Bruder Stephan nach Prag zum Böhmenkönig Přemysl Ottokar, der ihr Schwiegersohn war. Königin Kunigunde, die Tochter von Anna von Macva war damals böhmische Königin. Weiter geht die Geschichte mit der Schlacht auf dem Marchfeld. Die Witigonen lassen den Böhmenkönig im Stich, doch das reicht ihnen noch lange nicht. Zawisch von Falkenstein heiratet die verwitwete Königin und kommt wahrscheinlich dadurch an die königlichen Kleinodien heran. Er stiftet aus dem Kronschatz das wertvollste Stück und Abzeichen der imperialen Macht, das Zawisch-Kreuz, nach Hohenfurt. Es liegt auf der Hand, warum: Es war das Erbkloster der Witigonen und das Familienkloster der Rosenberger. Ihre witigonischen Verwandten, neben Wok von Rosenberg auch seine Vetter, gründeten die Abtei. Unter ihnen auch Budiwoj von Krumau, der Erbauer des Schlosses Krumau, der der Vater von Zawisch von Falkenstein gewesen ist.

Kloster Hohenfurth (Foto: Martina Schneibergová)
Heute wird der materielle Wert mehr beachtet, aber unsere Vorfahren haben vor allem auf die Reliquien geschaut, die dort drinnen sind, denn diese haben die politischen Machtansprüche legitimiert und wer sie im Besitz hatte, konnte auch herrschen. Deshalb haben die Witigonen ganz bewusst das kostbar verzierte Kreuz des Holzes Christi, welches im Inneren des Zawisch-Kreuzes verwahrt wird, nach Hohenfurt gestiftet, um die Bedeutung des eigenen Geschlechtes und des eigenen Hausklosters zu stärken.“

Wo genau befinden wir uns hier bei der Führung? Soll man hier in der Ausstellung anfangen?

Zawisch-Kreuz (Foto: ČT24)
„Auf jeden Fall sollte man hier beginnen. Wir befinden uns im gotischen Keller. Hier haben wir Informationen über das Zawisch-Kreuz zusammenfassend aufbereitet. Es ist ein Wunder, dass sich das Zawisch-Kreuz bis heute erhalten hat. Es wird unter den strengsten Sicherheitsmaßnahmen ausgestellt, aber ich glaube, dass sich der Besuch lohnt. Im Oratorium, wo das Kreuz steht, wird auch nichts mehr erklärt. Jeder begegnet dem Kreuz sozusagen von Angesicht zu Angesicht und sucht den eigenen Weg zu dieser Darstellung. Das Kreuz symbolisiert den Baum des Lebens aus dem Paradies.“

Warum hat das Kreuz denn zwei Balken?

Jiří Franc (Foto: ČT24)
„Das hängt mit der Legende über die Kreuzauffindung zusammen. Die heilige Helena hat in Jerusalem, nachdem ihr im Traum das Kreuz erschienen ist, die Juden gefragt, wo das wahre Kreuz Christi sei und niemand wollte es ihr verraten. Sie hat einen von ihnen, Judas, sechs Tage lang hungern lassen und am siebten Tag hat er ihr verraten, wo ihre Dienerschaft zu graben hat. Dort sind gleich drei Kreuze gefunden worden und das Kreuz Christi hat man entweder am Titulus erkannt, also der Inschrift ´Jesus, König der Juden´ oder an den zwei Balken. Diese sind Hinweis auf die Vollständigkeit des wahren Kreuzes. Man hat dann das heilige Holz in geteilt, aber die einzelnen Partikeln haben die gesamte magische Kraft in der Vorstellung unserer Vorfahren im Mittelalter behalten. Das Zeichen für das Komplette, für das Vollständige sind die zwei Balken, die gleichzeitig auch die Imperialmachtansprüche legitimiert haben.“

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