Testament zu gutem Zweck: Kampagne in Tschechien ruft zu Wohltätigkeit beim letzten Willen auf

Jedes Jahr hinterlassen in Tschechien Menschen nach ihrem Tod zehntausende Millionen Kronen für Hilfsorganisationen. An diese Spender wird nun mit dem „Monat des wohltätigen Testamentes“ erinnert, und es wird für solche Hinterlassenschaften geworben.

Robert Pleskot | Foto: Klára Škodová,  Tschechischer Rundfunk

„Ich drücke dadurch meine Dankbarkeit aus. Dauernd bekommen wir im Leben etwas. Das kann man nur sehr unzureichend zurückzahlen.“

So sieht es Robert Pleskot. Auf die Idee, durch das eigene Testament Geld zu spenden, habe ihn sein Großvater gebracht, sagt der 61-jährige Rettungsarzt. Darum verfüge er mit seinem letzten Willen, dass ein Zehntel seines Besitzes an die Hilfsorganisation Cesta domů (Der Weg nach Hause) gehen wird. Diese bietet Palliativpflege an, die auch Pleskot für seine Eltern in Anspruch genommen hat.

Foto: Za snadné dárcovství

Die Kampagne „Měsíc dobročinné závěti“ (Monat des wohltätigen Testamentes) will in Tschechien über die Möglichkeit der Hinterlassenschaft für NGOs aufklären und an solche Spender erinnern. Sie startete am Montag, also am 14. September, dem Internationalen Tag des Testaments. Jan Staněk ist der Kampagnensprecher und Spenderbetreuer bei der Pflegeeinrichtung Domov svatého Josefa in Dvůr Králové nad Labem:

„Dank der Spenden können wir Palliativpflege leisten und auch Rehabilitationsmaßnahmen für Menschen mit Multipler Sklerose durchführen. Wir sollten das Vertrauen aufbauen, dass die NGOs bei der Nutzung der Nachlässe die größte Aufmerksamkeit auf den letzten Wunsch jener Menschen legen, die die Spende tätigen.“

Geld, Immobilien oder Grundstücke

In dem Verband Za snadné dárcovství (Für eine einfache Spende) sind rund 50 gemeinnützige Organisationen zusammengefasst, denen Testamentsspenden zugutekommen. Im Juni hat der Verband vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos eine Umfrage in Tschechien durchführen lassen, an der mehr als 1000 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren teilgenommen haben. Das Ergebnis zeigt, dass vor allem jene Menschen in ihrem Testament eine NGO begünstigen, die schon zu Lebenszeiten regelmäßig spenden. Im letzten Willen spiegelten sich meist die ehrenamtlichen Aktivitäten der Leute wider, erläutert Kateřina Ptáčková von der Olga-Havlová-Stiftung:

Kateřina Ptáčková | Foto: Olga-Havlová-Stiftung

„Da besteht wirklich ein riesiger Unterschied. Bei Menschen, die sich nicht gesellschaftlich engagieren, liegen die Spenden durch das Testament etwa bei 40 Prozent. Solche Menschen hingegen, die zu Lebzeiten regelmäßig oder auch einmalig spenden, die Petitionen unterschreiben oder auch bei Kundgebungen auf der Straße ihre Meinung äußern, unterstützen NGOs durch ihren letzten Willen zu fast 80 Prozent.“

Zu der zweiten Gruppe gehört Dušan Kejman. Er unterstütze seit langem die Caritas in Tschechien, sagt der Mann, der auch sein Testament entsprechend formuliert hat:

„Ich helfe als Amateur bei den sozialen Dienstleistungen aus. Weil ich die Geschichten der betroffenen Menschen erlebe, werden die regelmäßigen Spenden, die ich seit fast 20 Jahren leiste, dann in den letzten Willen einmünden.“

Dieser müsse nicht immer nur Geld zum Gegenstand haben, räumt Zuzana Čentíšová ein. Sie ist die Sprecherin der Jaroslav-Foglar-Stiftung der tschechischen Pfadfinder:

„Die Menschen können uns etwa ihre Wochenendhäuschen hinterlassen, über deren Erbe sich die Familie vielleicht streiten würde. Manchmal sind es auch Wiesengrundstücke oder Flächen für Feriencamps, die die Pfadfinder dann weiterhin nutzen können.“

Hat jemand eigenen Nachkommen, dann müsse deren vorgeschriebener Pflichtanteil am Erbe im Testament jedoch berücksichtigt werden, so der rechtliche Hinweis von Anwalt Ondřej Vokál. Wichtig sei, den eigenen Wunsch der Spende klar und deutlich zu formulieren:

Ondřej Vokál  (left) | Foto: Anna Šolcová,  Za snadné dárcovství

„Es ist super, wenn schon eine konkrete Organisation genannt wird, der der Besitz überlassen werden soll – sei es als direkter Erbe oder als Spendenempfänger. Wenn ein Mensch aber keine NGO auswählt, kann er den Zweck der Spende spezifizieren. Dann kommt ein Prozess in Gang, den zum Beispiel ein Testamentsvollstrecker ausführt.“

Das Testament kann in Tschechien auch handgeschrieben sein. Die Konsultation eines Notars kostet hierzulande etwa 3000 Kronen (125 Euro).

Autoren: Daniela Honigmann , Sára Adamcová | Quelle: Český rozhlas
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