Hopfen 2.0 gegen den Klimawandel: Wie Forscher in Žatec die Zukunft des Bieres sichern

Saaz Semifrührot (Žatecký poloraný červeňák)

Bis zu rund 600 verschiedene Hopfen-Genotypen befinden sich im Zuchtgarten des Hopfeninstituts in Žatec / Saaz. Neben Geschmack und Aroma konzentrieren sich die Experten bei der Züchtung immer mehr auf Eigenschaften, die den Anbauern dabei helfen, auf den Klimawandel zu reagieren: Die neuen Sorten müssen widerstandsfähiger gegen Trockenheit und hohe Temperaturen werden.

Vladimír Nesvadba | Foto: YouTube

„Wenn ich eine Hopfendolde nehme, muss sie sich schön aufreiben lassen. Dann entfaltet sich ein wirklich angenehmes, ausgeprägtes Aroma mit einer feinen Zitrusnote. Im Bier sorgt das für Leichtigkeit – ideal für ein leichtes Ale oder ein schlankes Lagerbier.“

Soweit Vladimír Nesvadba, Leiter der Abteilung für Hopfenzüchtung am Institut.

Ihm zufolge sind die traditionellen Sorten nicht auf extreme Dürre- und Hitzeperioden wie in diesem Jahr vorbereitet. Als Reaktion darauf wurde unter anderem die Sorte ART entwickelt. Sie entstand durch die Kreuzung von Saazer Semifrührot (Žatecký poloraný červeňák) und Kazbek. ART ist seit letztem Jahr registriert, und in diesem Jahr erwartet das Institut eine Ernte von rund 100 Kilogramm. Der Weg von der ersten Kreuzung bis zur offiziellen Registrierung einer neuen Sorte dauert im Schnitt etwa 15 Jahre. Vladimír Nesvadba:

Hopfenfeld | Foto: Anna Kubišta,  Radio Prague International

„Zuerst sammeln wir die Pollen der männlichen Pflanze. Bevor sich die Hopfennarben bilden, isolieren wir die weibliche Hopfenpflanze mit einer Papiertüte. Auf die Narben tragen wir dann mindestens zweimal den Pollen auf und lassen anschließend die Hopfendolden heranreifen. Bei physiologischer Reife ernten wir die Pflanze und entnehmen die Samen aus den Dolden.“

Die gewonnenen Samen werden zunächst eingefroren, im Frühjahr zum Keimen gebracht und in der zweiten Maihälfte im Hopfengarten ausgesetzt. Auf diese Weise entstehen jedes Jahr rund 4000 neue Pflanzen. In die engere Auswahl schaffen es laut dem Experten jedoch nur etwa 40 von ihnen. Diese Spitzenkandidaten werden im Anschluss mindestens fünf Jahre lang intensiv weitergetestet.

Die Hopfenanbauer fordern vom Institut vor allem Sorten, die der zunehmenden Dürre und Hitze trotzen. Hopfenbauer Aleš Mašanský verdeutlicht das Problem:

„Es herrscht eine riesige Nachfrage nach dem traditionellen Saazer Semifrührot. Deshalb führen wir Erzeuger intensive Gespräche mit dem Hopfeninstitut, um diese Sorte gezielt zu revitalisieren oder neu zu züchten. Wir brauchen im Grunde eine ‚Version 2.0‘, die widerstandsfähiger gegen Trockenheit und extreme Temperaturen ist.“

Aleš Mašanský | Foto: Ondřej Vaňura,  Tschechischer Rundfunk

Das Institut reagiert bereits und beobachtet seit mehreren Jahren die ursprünglichen Klone des Saazer Semifrühhopfens aus seiner Genbank. Bei jedem Klon vergleichen die Forscher Wachstum, Ertrag und den Gehalt an Alpha-Bittersäuren. Das Ziel: Diejenigen Linien zu identifizieren, die auch unter veränderten klimatischen Bedingungen stabile Erträge liefern. Belastbare Ergebnisse werden laut Nesvadba jedoch erst in einigen Jahren vorliegen.

Um den Forderungen der Hopfenbauer zu entsprechen, wurde am Institut das Projekt „Odolchmel“ (Resistenter Hopfen) ins Leben gerufen. Daraus gingen die trockenheitsresistenten Sorten Saaz Shine, Saaz Comfort und ART hervor. Ein nachfolgender Antrag auf staatliche Förderung für die Entwicklung hitzebeständiger Hopfensorten wurde zunächst abgewiesen, mittlerweile hat das Landwirtschaftsministerium aber eingelenkt. Minister Martin Šebestyán (parteilos) betont, dass die Forschung zu widerstandsfähigeren Sorten künftig deutlich stärker unterstützt werden soll:

„Wir diskutieren derzeit mit den einzelnen Forschungsinstituten, Berufsverbänden sowie der Akademie der Wissenschaften. Unser Ziel ist es, ab dem kommenden Jahr 40 bis 60 Millionen Kronen (1,64 bis 2,46 Millionen Euro) gezielt in diese Art der Forschung fließen zu lassen.“

Neben der Forschung will Šebestyán auch den akuten Wassermangel in den Hopfengärten angehen.

„Die tschechische Regierung verfolgt hierzu ein langfristiges Infrastrukturprojekt. Es geht um den Bau neuer Stauseen, die gezielt die Hopfenregionen rund um Žatec und Rakovník absichern sollen – konkret um die Wasserreservoirs Kryry, Senomaty und Šanov.“

Die Stauseen Senomaty und Šanov in der Region Rakovník sollen laut aktueller Planung im Jahr 2032 fertiggestellt sein. Der Bau des größeren Reservoirs Kryry in der Region Louny wird voraussichtlich aber bis ins Jahr 2041 dauern. Bevor diese Großprojekte greifen, können Hopfenanbauer staatliche Subventionen nutzen, um eigene Bewässerungsanlagen wie Retentionsbecken oder Pumpstationen zu errichten.

Hopfen von Žatec | Foto: David Hertl,  Tschechischer Rundfunk
Autoren: Markéta Kachlíková , Kateřina Kučerová
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