Zum Staatsfeiertag: Tschechiens Präsident fordert Mut von der Politik und ehrt 51 Persönlichkeiten

Petr Pavel

Gute Dinge entstehen nicht von selbst – sie erwachsen aus Mut, Opfern und der Bereitschaft, Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Dies erklärte Präsident Petr Pavel am Mittwochabend in seiner Rede anlässlich des tschechischen Staatsfeiertages. Bei dem Festakt im Wladislaw-Saal der Prager Burg zeichnete er rund fünfzig Persönlichkeiten aus. In seiner Ansprache richtete er sich jedoch auch direkt an die Politiker und sparte nicht mit Kritik.

Präsident Petr Pavel vermisst in der Politik klare Aussagen über die aktuellen Risiken für Tschechien sowie den nötigen Mut:

„Wahrer Mut zeigt sich nicht im Kampf gegen den politischen Gegner. Er liegt in der Kraft, das Unpopuläre zu verteidigen, wenn es für das Land wichtig und richtig ist.“

Laut Pavel werden Politiker ihrer Verantwortung in der Sicherheits- und Finanzpolitik, im Umweltschutz und im gesellschaftlichen Diskurs nicht gerecht. Er mahnte, Regierung, Parlament und Kommunen dürften die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen, in der ihnen die Zukunft des Landes anvertraut sei. Sie müssten den Bürgern die Notwendigkeit vermitteln, sich auf kommende Risiken vorzubereiten. Zudem warnte Pavel vor einem Informationschaos, welches die Entscheidungsfähigkeit und Wehrhaftigkeit der demokratischen Gesellschaft untergrabe:

„Im Informationschaos müssen wir das Vertrauen in etablierte Marken und Autoritäten stärken, statt sie zu bekämpfen oder den Medienraum durch unbedachte Reformen gar zu zerschlagen.“

Foto: Jakub Jirásek,  iROZHLAS.cz

Kritik an der Politik und Mahnung zur Verantwortung

Petr Pavel | Foto: Jakub Jirásek,  iROZHLAS.cz

Tschechien darf nach Ansicht von Petr Pavel auch die Sicherheit und die eigene Verteidigung nicht unterschätzen. Zudem rief er dazu auf, die Bündnisverpflichtungen zu erfüllen. Das Staatsoberhaupt warnte, dass Tschechien Stärke und Verteidigungsbereitschaft demonstrieren müsse, um potenzielle Angreifer abzuschrecken.

„Bereitschaft und Courage erhöhen stets die Chance, den Frieden zu wahren – denn einen starken Gegner wagt ein Aggressor nicht anzugreifen. Wir dürfen nicht bloß wegen unserer eigenen Schwäche oder Resignation zu Opfern werden.“

Auch im Bereich der öffentlichen Finanzen forderte er von den Politikern mehr Verantwortung, also eine geringere Schuldenrate.

Zudem erinnerte Pavel in seiner Rede an den ersten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, Tomáš Garrigue Masaryk:

„Er sprach von der Demokratie nicht als einer fertigen Ordnung. Er verstand sie als alltägliche, unaufdringliche Arbeit, die die Verantwortung auf die Schultern jedes Einzelnen legt. Das ist eines der wichtigsten Vermächtnisse des 28. Oktober.“

Von links: Martina Formanová und Iva Janžurová | Foto: Jakub Jirásek,  iROZHLAS.cz

Ehrungen für herausragende Persönlichkeiten

Anlässlich des Nationalfeiertags am 28. Oktober zeichnete Präsident Pavel insgesamt 51 Persönlichkeiten aus. Den höchsten Orden des Weißen Löwen erhielten posthum die Turnerin Věra Čáslavská, die in ihrer Karriere sieben olympische Goldmedaillen erkämpfte, und der Filmregisseur und zweifache Oscar-Preisträger Miloš Forman für ihr internationales Wirken. Zudem ging die Auszeichnung an die Biochemikerin und einstige Vorsitzende der Akademie der Wissenschaften Helena Illnerová sowie die Schauspielerin Iva Janžurová.

Milena Grenfell-Baines | Foto: Jakub Jirásek,  iROZHLAS.cz

Mit dem Masaryk-Orden ausgezeichnet wurde unter anderem der Diplomat Vladimír Vochoč, der während des Zweiten Weltkriegs mindestens 2000 Juden das Leben rettete. Unter ihnen waren zum Beispiel Franz Werfel, Lion Feuchtwanger und Heinrich Mann. Weiter geehrt wurden das „Winton-Kind“ Milena Grenfell-Baines und posthum der Senatschef Jaroslav Kubera, Ex-Verfassungsrichterin Eliška Wagnerová sowie die ehemaligen Außenminister Jiří Dienstbier und Jaroslav Šedivý.

Foto: Jakub Jirásek,  iROZHLAS.cz

Die Medaille für Heldenmut ging posthum an Libor Cicvárek, der im Januar bei einem Amoklauf im Rathaus von Chřibská Menschenleben rettete. Zudem wurden drei in Afghanistan gefallene tschechische Soldaten geehrt.

Das Staatsoberhaupt verlieh weiter insgesamt 35 Verdienstmedaillen an Persönlichkeiten unter anderem aus Kultur, Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft sowie an Akteure aus dem Sozial-, Wohltätigkeits- und Ehrenamtsbereich.

Foto: Michal Růžička,  MFDNES,  LN/Profimedia