O-Bus-Verkehr ging in Prag vor 40 Jahren zu Ende

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Jahrzehnte lang waren sie aus Prag nicht wegzudenken: Die rot-gelben O-Busse, die auch durch das Stadtzentrum fuhren. Mit einem O-Bus konnte man aus dem Stadtteil Vinohrady über die Moldau bis auf den Strahov-Hügel hinauffahren. Die jüngere Generation von Pragern kennt die Oberleitungsbusse nur noch aus anderen Städten oder aus dem Museum. Vor 40 Jahren ging die Geschichte des Prager O-Busverkehrs zu Ende.

Symbolische O-Bushaltestelle „Orionka“
Der aufmerksame Passant findet in den Prager Straßen noch einige Spuren, die an den O-Bus-Verkehr in der tschechischen Hauptstadt erinnern. Es sind noch einige Masten erhalten geblieben, auf denen die Oberleitung befestigt war. An den einst beliebten O-Busverkehr erinnert seit dem letzten Jahr die symbolische O-Bushaltestelle „Orionka“ auf einer Kreuzung im zehnten Prager Stadtbezirk. Von dort aus fuhren die O-Busse zum letzten Mal.

Zum ersten Mal tauchten die O-Busse in Prag am 29. August 1936 auf. Das neue Verkehrsmittel sei in den 1930er Jahren sehr gelobt worden, sagt Historiker Pavel Fojtík. Er leitet das Archiv der Prager Verkehrsbetriebe.

„Die älteste O-Buslinie fuhr aus dem Stadtteil Střešovice über die Villenviertel Ořechovka und Hanspaulka in den Stadtteil Dejvice bis zum Villenviertel Baba. Die zweite O-Buslinie führte in das hügelige Jinonice. Später fuhren O-Busse in weiteren Prager Stadtteilen: Vinohrady, Vršovice, Pankrác, und Vysočany. Sie fuhren aber auch in die damals eigenständigen und vom Stadtzentrum weit entfernten Gemeinden Čakovice und Velká Chuchle.“

Bis heute wird darüber spekuliert, warum die O-Busse aus den Prager Straßen verschwanden. Die Tageszeitungen schrieben im Zusammenhang mit der Abschaffung des O-Busverkehrs nur von einem neuen Konzept des Stadtverkehrs, der die Beseitigung der über der Fahrbahn gespannten Oberleitung erforderte. An der Oberleitung kam es angeblich oft zu Störungen. Als weiterer Grund für die Abschaffung der O-Busse in den 1970er Jahren wird das damals billige Diesel genannt.

„Damals war das gesamte Energiekonzept der Tschechoslowakei auf Erdöl aus der Sowjetunion ausgerichtet. Diesel war zu dieser Zeit wirklich billig. In den 1970er Jahren wurden mehrere zuvor eigenständige Dörfer, die am Rande Prags lagen, eingemeindet. Am Stadtrand von Prag wurden viele Plattenbausiedlungen erbaut. Es war eindeutig günstiger, mit Kraftstoff fahrende Busse einzusetzen, um die Verbindung zu den neuen Prager Stadtteilen und Neubausiedlungen herzustellen. Es gab aber noch weitere Gründe für die Abschaffung des O-Busverkehrs. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir über die Zeit des Kalten Kriegs sprechen. Es wurde damals beispielsweise betont, dass die O-Busse für den Fall einer Mobilisierung oder Evakuierung nicht geeignet seien.“

Pavel Fojtík
Fojtík zufolge befand sich auch das damalige Stromnetz in keinem guten Zustand. Schon Mitte der 1950er Jahre wurde der zuvor beschleunigte Ausbau des O-Bus-Liniennetzes von einem Tag auf den anderen gestoppt, sagt der Historiker:

„Um das Liniennetz von Straßenbahnen und O-Bussen weiter auszubauen, wäre es damals notwendig gewesen, 30 neue Umspannwerke zu errichten. Dies kam für die Verkehrsbetriebe aber aus finanziellen Gründen nicht in Frage.“

Seit Mitte der 1980er Jahre gab es jedoch Pläne für die Wiedereinführung des O-Bus-Verkehrs in Prag. „Die O-Busse werden das Grundsystem des Nahverkehrs insbesondere in den großen Siedlungen ergänzen“, hieß es in einer Nachricht der Presseagentur ČTK vom September 1989. In den Plänen wurde mit O-Bus-Linien im Norden, im Süden und im Südwesten Prags gerechnet. 1990 berichtete das Prager Abendblatt noch von der Einführung der O-Busse ab 1991. Aus diesen Plänen ist in Prag jedoch nichts geworden, auch wenn in den letzten Jahren die O-Busse als ökologische Verkehrsmittel hoch geschätzt werden. Pavel Fojtík:

O-Bus in Chomutov (Foto: Jan Buresch, Creative Commons 3.0)
„Die Prager Verkehrsbetriebe rechnen in absehbarer Zeit nicht mit der Wiedereinführung der O-Busse.“

O-Busse fahren zurzeit jedoch in 13 anderen tschechischen Städten. Nach der Wende von 1989 wurden sie beispielsweise in České Budějovice / Budweis wieder eingeführt. Ebenfalls neu eingeführt wurden sieben O-Bus-Linien im nordböhmischen Chomutov / Komotau, die in der hügeligen Region die Busse ersetzten.