Österreichisches Gymnasium Prag: Neues Schuljahr im alten Gebäude

Österreichisches Gymnasium in Prag (Foto: Gerald Schubert)

Die Sommerferien sind vorbei, am Montag hat in Tschechien ein neues Schuljahr begonnen. Auch für die knapp 200 Schülerinnen und Schüler des Österreichischen Gymnasiums in Prag. Voriges Jahr hat die Schule ihren zwanzigsten Geburtstag gefeiert. Und weil sie bereits buchstäblich aus allen Nähten platzt, soll sie bald in ein komplett neues Gebäude umziehen.

Österreichisches Gymnasium in Prag (Foto: Gerald Schubert)
Noch befindet sich das Österreichische Gymnasium in einem unscheinbaren Gebäude im siebten Prager Stadtbezirk, nicht weit entfernt vom Bahnhof Holešovice. Der Form nach ist es eine normale tschechische Schule und untersteht der tschechischen Schulbehörde. Österreich entsendet lediglich Unterrichtsmaterialien und zwölf Lehrer, die die Schule nicht selbst bezahlen muss. Die Schüler der sechs Jahrgänge sind mehrheitlich Einheimische, in den ersten beiden Jahren ist die Unterrichtssprache daher Tschechisch. Gleichzeitig gibt es aber intensiven Deutschunterricht, erklärt Direktorin Isabella Benischek:

„In der Oberstufe, also in den letzten vier Jahren, sind Tschechisch und Deutsch praktisch gleichwertig, die Unterrichtssprache ist dann Deutsch. Außerdem haben wir als erste Fremdsprache Englisch. Und zusätzlich können die Schüler mit Französisch oder Spanisch noch eine vierte Sprache wählen.“

Isabella Benischek (Foto: Gerald Schubert)
Das Österreichische Gymnasium richtet sich also nicht vorrangig an Kinder von Diplomaten oder ausländischen Unternehmern und Managern, sondern möchte umgekehrt tschechischen Schülern das Tor zur deutschen Sprache öffnen – und damit vielleicht auch irgendwann das Tor zu einer Zusammenarbeit mit Österreich. So benötigen etwa viele österreichische Firmen, die in Prag vertreten sind, zweisprachiges, oder noch besser dreisprachiges Personal:

„Englisch, Deutsch und Tschechisch sind dort einfach ein Muss. Die Wirtschafskammer verlangt nach diesem Personal, denn es gibt viel zu wenige Leute, die Deutsch sprechen. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt.“

Foto: Gerald Schubert
Über Mangel an Interessenten kann sich das Österreichische Gymnasium aber nicht beklagen, sagt Benischek. Im Gegenteil: Die Schule hat ein massives Platzproblem:

„Ich habe ungefähr dreimal so viele Anmeldungen, als ich Schüler annehmen kann. Wir sind bis auf den letzten Platz besetzt. Ich muss immer wieder Schüler abweisen, weil ich in gewissen Klassen einfach keinen einzigen Stuhl mehr frei habe. Wir leben in wirklich sehr beengten Verhältnissen. Es ist zwar sehr gemütlich, das sagt jeder, der zu uns kommt. Aber im Alltag ist es doch sehr eng hier.“

Visualisierung des zukünftigen Schulgebäudes in Modřany (Foto: Archiv der Österreichischen Botschaft in Prag)
Mit tatkräftiger Unterstützung durch die österreichische Botschaft wurde nach Lösungen gesucht. Nun gibt es aus Wien grünes Licht für einen Neubau in Prag 12, im Stadtteil Modřany. Das Konzept ist sogar darauf ausgerichtet, dass die Schule künftig nicht nur sechs, sondern acht Jahrgänge anbieten will, sagt Isabella Benischek:

„Die Schule ist relativ groß dimensioniert. Sie wird einen großen Garten, Freianlagen, einen großen Mehrzwecksaal und eine Bibliothek haben. Und wir denken daran, die Schule in Modřany auch für die Öffentlichkeit zu öffnen, und wollen mit Konzerten, Ausstellungen etc. am Leben dort teilhaben.“

2013 soll mit dem Bau begonnen werden.