Österreichisches Gymnasium Prag: Spatenstich für den Neubau

Entwurf des Neubaus

Seit 1991 gibt es in Prag ein österreichisches Gymnasium. Die Schule ist beliebt, jedes Jahr gibt es viel mehr Anmeldungen als freie Plätze. An ihrem jetzigen Standort im Stadtbezirk Holešovice platzt sie mit ihren fast 200 Schülern aus allen Nähten. Lange wurde daher nach einem Grundstück für einen Neubau gesucht. Im Bezirk Modřany, ganz im Süden Prags, wurde man schließlich fündig. Am Dienstag war Spatenstich.

Erster Spatenstich
Die doppelte Zeremonie hatte Symbolcharakter. Zuerst bearbeiteten der tschechische Schulminister Petr Fiala und seine österreichische Amtskollegin Claudia Schmied mit Hämmern den Grundstein – ganz nach tschechischer Tradition. Anschließend vollzogen sie auf österreichische Art den ersten Spatenstich. Wie schon an ihrem bisherigen Standort, soll auch das neue österreichische Gymnasium in Prag eine Brückenfunktion zwischen beiden Ländern wahrnehmen, sagt Minister Fiala:

„Das ist nicht nur für die Sprachkenntnisse unserer Schüler sehr wichtig. Diese Schule ist auch wichtig für die österreichisch-tschechischen Beziehungen. Das ist ein ganz konkreter Schritt, und ich kann es nur begrüßen, dass es hier in Prag solch ein Gymnasium gibt.“

Grundstein des Gymnasiums
Die Schule ist zweisprachig, richtet sich also nicht an eine rein deutschsprachige Klientel. Für die österreichische Unterrichtsministerin Claudia Schmied spielt es eine wesentliche Rolle, dass die Auslandsschulen auch Schülerinnen und Schülern des Gastlandes offen stehen:

„Sie lernen hier die deutsche Sprache und freunden sich auf eine bestimmte Weise mit Österreich und seiner Kultur an. Jedes Mal, wenn ich Auslandsschulen besuche, habe ich den Eindruck, dass wir hier wirklich etwas Positives machen.“

Die Kosten für den Neubau belaufen sich auf rund 13 Millionen Euro und werden von der Republik Österreich getragen. Eine Investition, die sich lohnt, meint Claudia Schmied:

„Hier geht es nicht nur um den Neubau an sich, sondern auch um die Aufstockung der Kapazitäten. Ich bin sehr beeindruckt von der Lage und der Größe des Grundstücks. Ich glaube, das wird hier ein richtig schöner Campus, wo sich die Schüler und Schülerinnen wohl fühlen, wo sie viel lernen werden, aber auch die Freizeit gut gestalten können.“

Claudia Schmied (mitte) und Ferdinand Trauttmansdorff (rechts)
Die österreichischen Auslandsschulen bezeichnet die Ministerin als Erfolgsmodell. Der kulturelle Austausch zeige positive Rückwirkungen auf die österreichische Bildungslandschaft. Zudem würden viele Absolventen später in ihrer Heimat und in Österreich erfolgreich im Berufsleben stehen und damit der Reputation und den Wirtschaftsinteressen Österreichs dienen. Ferdinand Trauttmansdorff, der österreichische Botschafter in Prag, der die Pläne für einen Neubau der Schule immer tatkräftig unterstützt hat, schlägt in dieselbe Kerbe:

„Die Schule bildet jene Experten aus, die viele Firmen und Institutionen beider Länder dringend brauchen“, so Trauttmansdorff.

Isabella Benischek
Im Herbst 2014 soll das neue Schulgebäude fertig sein, bereits im Februar 2015 könnte der Unterricht aufgenommen werden. Direktorin Isabella Benischek steht auf dem leeren Baugrund und gerät ins Schwärmen:

„Für diesen Standort spricht, dass wir hier ein riesiges Areal haben werden, mit vielen Grünflächen, Sportanlagen und Plätzen, an denen man sich zusammensetzen kann. Es wird einen Garten geben, Bäume, Wiesen, Blumen, ein Biotop. Wir haben hier einfach Möglichkeiten.“

Entwurf des Neubaus
Nach außen hin will sich die Schule aber keinesfalls abschotten, sagt Isabella Benischek:

„Wir werden einen großen Mehrzwecksaal haben, den wir auch für die Menschen hier in dieser Gegend öffnen wollen. Dort können wir Ausstellungen unserer eigenen Arbeiten oder Ausstellungen von Künstlern aus der Region veranstalten, oder wir können Konzerte abhalten. All das haben wir jetzt nicht. Wir freuen uns also sehr auf die Möglichkeit, hier in diesen Stadtteil ein bisschen Leben zu bringen – mit unseren Schülern, mit unseren Lehrern und mit unserer österreichischen Kultur.“

Fotos: Gerald Schubert