Olympiaporträt: Kraus will als Hecht im Karpfenteich Medaille fischen

Tomáš Kraus (Foto: ČTK)

Bis zur Abschlussfeier der Olympischen Winterspiele in Sotschi stehen nach dem Mittwoch nur noch wenige Wettkämpfe aus. Und in diesen hat die Tschechische Republik lediglich Außenseiterchancen. Das populäre Eishockeyteam ist nicht in Bestform, und die Ex-Weltmeisterin im alpinen Skislalom, Šárka Strachová, ist nach längerer Krankengeschichte noch nicht zurück in der absoluten Weltspitze. Einen heimlichen Trumpf allerdings hält Tschechien noch in der Hinterhand: den Skicrossfahrer Tomáš Kraus.

Tomáš Kraus  (Foto: ČTK)
Bei den Winterspielen 2010 in Vancouver feierte Skicross seine olympische Premiere. Vor vier Jahren gehörte der Tscheche Tomáš Kraus zu den großen Favoriten, nach einem Sturz im Viertelfinale musste er allerdings frühzeitig seine Titelhoffnung begraben. Kraus wurde am Ende Elfter. Bei der WM 2013 in Oslo stürzte Kraus schwer und zog sich einen dreifachen Beckenbruch zu. Vieles sprach für ein Ende seiner erfolgreichen Karriere, doch der Athlet aus Děčín / Tetschen kehrte mit großem Willen zurück zu seinem Sport. Im vergangenen Sommer trainierte er sogar noch intensiver. Deshalb glaubt der inzwischen 39-Jährige auch an seine Chance in Sotschi:

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„Ich kann durchaus der Hecht im Karpfenteich sein, und das ist eine angenehme Rolle. Ich hatte diesmal wesentlich mehr Ruhe in der Vorbereitung und habe mich dabei gezielt auf die Spiele in Sotschi konzentriert.“

Der zweifache Weltmeister und vierfache Gewinner des Gesamt-Weltcups zählt sich also noch längst nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil, im olympischen Wettkampf in Sotschi will er es allen noch einmal zeigen:

„Zu den Winterspielen zu fahren, ohne die Ambition auf eine Top-Platzierung zu haben, hat keinen Sinn. Von daher fahre ich natürlich mit dem Ziel nach Sotschi, dort eine Medaille zu gewinnen.“

Tomáš Kraus  (Foto: ČTK)
Die eher dürftigen Platzierungen im diesjährigen Weltcup haben ihn indes nicht verunsichert. Daran lässt Kraus jedenfalls keinen Zweifel:

„In unserem Sport geht es vor allem darum, dass viele kleine Dinge zusammenpassen müssen. Öfter als gewohnt ist mir das im Weltcup zwar nicht gelungen, doch in Sotschi gibt es einen neuen Wettkampf. Und in den gehe ich mit dem Vorsatz, zu gewinnen.“

Die Qualifikation und die Entscheidung im Skicross der Männer werden am Donnerstag ausgetragen. Für Kraus also genug Zeit, um sich mit der olympische Strecke anzufreunden. Einen ersten Eindruck von ihr aber hat der erfahrene Skicrosser durch die Übertragungen der Wettkämpfe in den anderen Sportarten gewonnen:

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„Ich habe einen Teil der Wettbewerbe im Slopestyle gesehen und glaube daher, dass es eine sehr schnelle Strecke ist. Doch darauf freue ich mich, denn sie wird ein ganz anderes Profil haben als im Weltcup, und auch das Event ist größer.“

Die Bedeutung von Olympischen Spielen ist hinlänglich bekannt: Sie werden nur alle vier Jahre ausgetragen, ein Olympiasieger darf sich daher auch als großer Triumphator für eine halbe Dekade ansehen. Diese Chance will sich Kraus nicht entgehen lassen, auch wenn er als erster Weltcup-Sieger überhaupt bereits Geschichte in seiner Sportart geschrieben hat:

„Wer bei olympischen Spielen gewinnt, der kann zu Recht behaupten, dass er am besten Ort gegen die besten Gegner und in der besten Form gewonnen hat.“

Autor: Lothar Martin
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