Orkan Kyrill hinterließ viel Arbeit für Forstarbeiter, Dachdecker und Klempner

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Die Schäden, die Orkan Kyrill in der vergangenen Woche in halb Europa verursacht hat, haben in Tschechien wirtschaftliche Spuren hinterlassen, die zum Teil sehr tief und weit reichend sind. Einige davon beleuchten wir in der Wirtschaftsreportage "Hinter die Fassade geschaut".

Ups and downs in der tschechischen Wirtschaft

Die Tschechische Nationalbank veröffentlicht in dieser Woche einen aktuellen Lagebericht zur Wirtschafts- und Währungsentwicklung im Lande, der auch eine neue Prognose zur Inflation in Tschechien beinhalten wird. Es wird erwartet, dass die Inflationsrate zum Ende des Jahres niedriger ausfallen wird als die im Oktober vorigen Jahres prognostizierten vier Prozent. Ales Michl von der Raiffeisenbank rechnet damit, dass es mindestens ein halbes Prozent sein wird.

"Zum Ende dieses Jahres sollte die Inflation zirka dreieinhalb Prozent betragen. Und zwar aus drei Gründen: Erstens werden die Preise für Gas und Benzin fallen, und das vor allem im ersten Halbjahr. Der zweite Grund ist der Aufschub der Mieterhöhungen, denn im Rahmen der Deregulierung steigen die Mietpreise nicht so schnell wie ursprünglich erwartet wurde. Und der dritte Grund ist ein neues Verbraucherpaket, das vom Statistikamt eingeführt wurde. Dieses Paket dürfte die Inflation ebenfalls leicht senken."

Die tschechische Fluggesellschaft CSA hat im Jahr 2006 rund 5,5 Millionen Fluggäste befördert und damit einen internen Rekordwert aufgestellt. Näheres dazu erläutert CSA-Sprecherin Daniela Hupakova:

"Gegenüber dem Jahr 2005 erhöhte sich die Anzahl der beförderten Passagiere um 4,7 Prozent. Für CSA ist es das beste Ergebnis, das bisher in einem Kalenderjahr erzielt wurde. Den größten Anteil daran haben die Linienflüge, einen kleineren Teil dazu beigetragen haben Charterflüge für Reisebüros und andere Firmen. Mit Charterflügen sind von CSA im vergangenen Jahr nahezu 800.000 Flugreisende befördert worden."

Hinter die Fassade geschaut

In den zurückliegenden zehn Jahren wurde die Tschechische Republik wiederholt von Unwetterkatastrophen heimgesucht. In den Jahren 1997 und 2002 waren es jeweils verheerende Hochwasser, die zunächst den mährischen und fünf Jahre später dann den böhmischen Teil des Landes in Wassernähe arg zerzausten. Im vorigen Jahr drückten die großen Schneemengen so manches Dach ein und machten auch den Forstarbeitern stark zu schaffen. Denn unter der Last der weißen Pracht brachen nicht wenige Bäume zusammen, die daher vorzeitig gerodet wurden. Und nun, in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche, war es der Orkan Kyrill, der sich über dem Land austobte. Erneut waren es in erster Linie die Wälder, die die Macht der Naturgewalten kräftig zu spüren bekamen. Tausende Bäume wurden geknickt oder entwurzelt, so dass sie jetzt wieder sehr früh zersägt und verarbeitet werden müssen. Landwirtschaftsminister Petr Gandalovic musste hierbei konstatieren:

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"Unserer Einschätzung zufolge haben die Schäden ein Ausmaß von 70, ja möglicherweise sogar 80 Prozent der Menge Holz, die jährlich vom staatlichen Forstunternehmen Lesy CR verarbeitet wird. Das ist eine außerordentliche Situation, die es erfordert, die Differenzen mit Firmen der Holz verarbeitenden Industrie erst einmal beiseite zu legen. Denn es ist unsere Pflicht, den Windbruch so schnell als möglich zu beseitigen, um damit den Schäden vorzubeugen, die der Borkenkäfer verursachen würde."

Die von Gandalovic erwähnten Streitigkeiten zwischen dem Forstunternehmen und den privaten Firmen der Holz verarbeitenden Industrie waren aufgekommen, als Lesy CR Ende letzten Jahres die Verträge auflöste, die den Firmen feste Auftragsmengen zusicherten. Deshalb stand zu Jahresbeginn so manches Sägewerk still, was den Direktor des Unternehmens Pila Javorice, Jan Vareka, zu dieser Aussage veranlasste:

"Das ist eine Sache, gegen die wir uns natürlich wehren werden. Die Senkung der Holzmengen, die zu verarbeiten sind, führt auch zu einer Verringerung der Schichten, in denen gearbeitet wird. Möglicherweise sogar bis zur Stilllegung einiger unserer Sägewerke, und das würde Entlassungen zur Folge haben."

Landwirtschaftsminister Petr Gandalovic (Foto: CTK)
Für die kleinen privaten Sägewerke brachte die Katastrophe - so skurril es auch klingt - also auch etwas Gutes: viel Arbeit. Denn nun wird in der Tat jede Hand benötigt, um den Windbruch zu beseitigen und das beschädigte Holz zu verarbeiten. Das bestätigte der Sprecher der Verwaltung des Nationalparks Riesengebirge (KRNAP), Radek Drahny, gegenüber dem Rundfunk:

"Wir unterliegen dem gleichen Gesetz, und das besagt, dass wir primär die beschädigten Bäume beseitigen und verarbeiten müssen. Daher muss die gesamte Menge des Holzes, dessen Verarbeitung für Winter, Frühjahr und Sommer geplant war, aufgrund des zahlreichen Windbruchs bereits jetzt verarbeitet werden."

Diese Arbeit ist nicht nur kein Zuckerschlecken, sondern sie bringt den Firmen auch nicht annähernd denselben Erlös ein, wie bei der Verarbeitung von ausgesuchten Baumbeständen. Dazu erklärte der Direktor von Lesy CR, Frantisek Konicek:

"Die Einbußen sind unbestritten, denn die Verarbeitung des Windbruchholzes verursacht Mehrkosten in Höhe von 50 bis 60 Prozent gegenüber der normalen Holzverarbeitung. Zudem ist das gebrochene Holz von einer geringeren Qualität, so dass die Firmen Preisnachlässe gewähren müssen. Die Verluste lassen sich auf mehrere Hundert Millionen Kronen beziffern."

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Während die Holzfäller und Sägewerksarbeiter nun also kräftig schuften müssen ohne Aussicht auf einen kräftigen Gewinn, können sich Dachdecker und Klempner derzeit vor lukrativen Aufträgen kaum retten. Dass Orkan Kyrill nämlich nicht nur Bäume knickte und Stromleitungen zerstörte, sondern auch etliche Dächer abdeckte, ist außer auf die Kraft des Sturmes vor allem auf viele Nachlässigkeiten bei den Dachkonstruktionen zurückzuführen. Welche Dächer davon besonders betroffen sind, dazu sagte der Chef der Architekturkammer Prag, Jiri Bloss:

"Das trifft vor allem auf die Plattenbauten zu, bei deren Bau man zu Zeiten der sozialistischen Planwirtschaft viele unsinnige Einsparungen vorgenommen hat. Diese Einsparungen können, ja werden bestimmte Probleme hervorrufen. Denn eine ganze Reihe von Konstruktionsteilen ist bereits stark abgenutzt. Und solche Teile können der Witterung natürlich wesentlich schlechter trotzen."

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Es bedurfte jedoch nicht erst der frisch gemachten Erfahrungen mit Orkan Kyrill, dass zumindest einige tschechische Architekten nun wieder auf eine stabile Bauweise mit handwerklich gut verarbeiteten Materialien setzen. Zu ihnen gehören Martin Reinisch und Patrik Hoffmann, die gerade dieser Tage am höchsten Gipfel des Landes, der 1602 Meter hohen Schneekoppe (Snezka), ein neues Postgebäude errichten. Es ist eine aus Holz, Glas und Verbindungsteilen gefertigte Konstruktion, die allen Stürmen und Witterungseinflüssen standhalten wird, ist sich Martin Reinisch sicher:

"Dort wird in der Tat ein Gebäude entstehen, das so konstruiert ist, dass es Windgeschwindigkeiten von 180 Stundenkilometern trotzen kann. Nur zur Vorstellung: Das entspricht einem Druck von 80 kg, der auf einen Quadratmeter einwirkt. Bei solch einem Wind verliert man schon die Bodenhaftung und beginnt abzuheben."

Alle Achtung, aber: Die höchste Geschwindigkeit, mit der Orkan Kyrill am vergangenen Donnerstag über die Schneekoppe blies, wurde mit 216 Stundenkilometern gemessen! Das heißt, auch bei dieser Konstruktion sind die Überlegungen von gestern schon heute überholt. Doch der Mensch hat es bisher noch stets geschafft, den Naturgewalten mit geeigneten Gegenkräften zu trotzen.