Pläne für Oder-Kanal rufen scharfe Kritik hervor

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Quer durch Tschechien soll ein Kanal führen, der die Flüsse Donau, Oder und Elbe verbinden wird. Am Montag hat die tschechische Regierung beschlossen, mit den Vorbereitungen zum Bau des ersten Teilstücks zu beginnen. Das Mega-Projekt ruft viele Kritiker auf den Plan.

Kanal Donau-Oder-Elbe i Polen (Foto: Jaroslav Kubec, Wikimedia Commons, CC BY 3.0)

Schon Karl IV. träumte einst von einer Verbindung zwischen Donau und Elbe. Vom italienischen Venedig aus wollte er per Schiff kostbare Waren bis ins ferne Brügge transportieren lassen. Seitdem hat die Mitteleuropäer die Idee von einem solchen Kanal nicht losgelassen. In der wirtschaftspolitischen Strategie der EU gilt eine Wasserstraße quer durch die Tschechische Republik immer noch als eines der drei wichtigsten Kanalprojekte.

Am Montag hat die tschechische Regierung nun beschlossen, mit den Vorbereitungen zu einem ersten Teilstück zu beginnen. Es soll von der Oder im Ostrauer Stadtteil Svinov bis zur polnischen Grenze führen. Der Baubeginn ist auf 2030 angesetzt. 15 Milliarden Kronen (560 Millionen Euro) soll das Kanalstück kosten, das fünf Meter tief und 40 Meter breit sein wird. Verkehrsminister Karel Havlíček (parteilos) beschreibt die erhofften positiven Auswirkungen:

Karel Havlíček (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)

„Das Projekt fördert in bedeutendem Maße die Bereiche Wirtschaft, Energie und Naherholung, außerdem natürlich den Verkehr und Tourismus. Allgemein ist es ein wichtiges Signal für die weitere Unterstützung für den gesamten Mährisch-Schlesischen Kreis.“

Außer auf entsprechende EU-Verträge kann sich Havlíček auch auf die Unterstützung von Präsident Miloš Zeman berufen. Dieser wirbt schon seit langem für das Kanalprojekt. Es gibt allerdings auch scharfe Kritik. Der Regierungsbeschluss war für die Oppositionsparteien sofort ein gefundenes Fressen. Der Donau-Oder-Elbe-Kanal hätte ebenso viel wirtschaftlichen Sinn wie etwa die Kolonisation des Mars durch die Tschechen, twitterte Markéta Adamová Pekarová, die Vorsitzende von Top 09. Auch der ehemalige Verkehrsminister Zbyněk Stanjura (Bürgerdemokraten) schrieb von einem megalomanischen Projekt, bei dem nur noch die Hinzuziehung chinesischer Experten fehle.

Ivo Vondrák (Foto: ČTK / Jaroslav Ožana)

Zweifel bestehen aber auch bei Mitgliedern der Partei Ano von Premier Andrej Babiš. So äußerte sich am Dienstag – wenn auch nicht ganz so polemisch – der Hauptmann des Mährisch-Schlesischen Kreises, Ivo Vondrák:

„Wir leben im 21. Jahrhundert, und da ist ein Kanalbau zu Verkehrszwecken unpassend. Mir ist unklar, was dort transportiert werden soll. Es wäre besser, die Gelder in andere, notwendigere Verkehrsformen zu investieren. Dazu gehört zum Beispiel eine Schienenstrecke für Hochgeschwindigkeitszüge.“

Seit Jahren sprechen sich zudem Ökologen gegen die Baupläne aus. Die Naturschützer fürchten große Schäden für geschützte Ökosysteme und die Grundwasservorräte. Zudem könnte es an dem nötigen Wasser für den Kanal mangeln. Martin Rulík ist Hydrobiologe an der Palacký-Universität von Olomouc / Olmütz:

Fluss Oder in Ostrava (Foto: Lukáš Mižoch, Wikimedia Commons CC BY-SA 2.5)

„Flüsse wie die Oder haben seit langer Zeit einen niedrigen Wasserstand. Das ist die Folge von Temperaturanstieg und zunehmenden Anschwemmungen. Der Kanal wird große Probleme haben, nicht auszutrocknen.“

Diesen Punkt nutzt Jan Skalický wiederum als Gegenargument. Der Vorsitzende des Verbandes Donau-Oder-Elbe sagte am Dienstagabend im Tschechischen Fernsehen:

„Dort, wo das Wasser in Trockenzeiten fehlen wird, muss der Staat sowieso entsprechende Maßnahmen ergreifen. Warum also nicht durch einen Wasserkorridor, der eine natürliche Lösungsvariante ist. Das gilt vor allem für die Nord-Süd-Verbindung von Oder und Donau.“

Petr Orel (Foto: Martin Vlček, Archiv des Senatsbüros des Parlaments der Tschechischen Republik, Wikimedia Commons, CC BY 3.0)

Petr Orel entgegnete in derselben Sendung, dass der Kanal das Letzte wäre, was die tschechische Wirtschaft und auch die Natur bräuchten. Der Senator von den Grünen hält die Entscheidung des Kabinetts für rein politisch:

„Die Herren gehen hierbei technokratisch vor und vernachlässigen die betroffene Tier- und Pflanzenwelt. Sie wollen die Umwelt zunächst zerstören, um dann neue Biotope anzulegen. Es ist aber nötig, die bestehenden Ökosysteme zu schützen.“