Pleitenserie: Fußballer scheitern dreifach in der Europa League-Quali

Viktoria Pilsen - Antwerpen (Foto: ČTK/Miroslav Chaloupka)

Champions League, Europa League – die großen Fußballabende mit Begegnungen dieser beiden Wettbewerbe stehen in dieser Saison noch an. Doch mittlerweile steht fest: Die tschechischen Fans müssen dabei sehr tief in die Röhre gucken, denn einzig Meister Slavia Prag wird diesmal die Landesfarben hochhalten. Am Donnerstagabend verabschiedeten sich gleich drei Mannschaften in der Qualifikation zur Europa League.

Viktoria Pilsen - Antwerpen (Foto: ČTK/Miroslav Chaloupka)
Es scheint, dass sich der Fußballgott von den tschechischen Kickern abgewandt hat. Dreimal hatten sie das Weiterkommen auf dem Fuß, doch dreimal scheiterten sie – und das vor allem an sich selbst.

Beispiel 1: Viktoria Pilsen. Die Westböhmen trafen in der dritten Runde der Qualifikation auf den belgischen Vertreter Royal Antwerpen. Das Hinspiel in der Diamantenstadt verloren sie nach schwacher Leistung mit 0:1, umso energischer traten sie im Rückspiel auf. Durch zwei Treffer von Nationalstürmer Michael Krmenčík lagen sie auch auf einem guten Kurs, doch eine Unachtsamkeit in der Abwehr genügte den Gästen sieben Minuten vor Ende der Verlängerung, um das alles entscheidende Auswärtstor zu erzielen. Neben dem Ausscheiden bedauerte der Doppeltorschütze, dass es zu diesem Misserfolg ausgerechnet im letzten Spiel von Mittelfeldmann Patrik Hrošovský im Dress der Pilsener kam:

„Es grämt mich, wenn ich nur daran denke, was wir alles erlebt haben. Wir haben etwa 15 Jahre lang zusammengespielt, haben gemeinsam im Internat gewohnt. Ich bin gerade innerlich etwas berührt.“

Der 27-jährige Hrošovský verlässt die Bierstädter ins Land des Gegners – er wird fortan für dessen Ligakontrahenten Genk spielen. Viktoria Pilsen mischt aber erstmals nach fünf Jahren nicht mehr auf der europäischen Bühne mit. Trainer Pavel Vrba erklärte dazu:

„Pilsen ist daran gewöhnt, regelmäßig international zu spielen. Aus dieser Sicht ist das Ausscheiden schlecht für den Verein. Denn die Erfahrungen aus diesen Wettbewerben sind unbezahlbar. Andererseits denke ich, dass dem Club daraus keine Probleme erwachsen. Es ist nur die sportliche Seite, die auf der Strecke geblieben ist. Aber auch das ärgert uns.“

Beispiel 2: Sparta Prag. Der tschechische Rekordmeister war noch in den 1990er Jahren ein häufiger Teilnehmer in der Champions League. Seit der Jahrtausendwende aber ging es für den Traditionsverein stetig bergab. In der europäischen Königsklasse war er letztmalig in der Saison 2005/06 am Start, und in der Qualifikation zur Europa League sind die Prager nun schon das dritte Mal in Folge gescheitert. Sicher, die türkische Mannschaft von Trabzonspor war diesmal kein leichter Gegner. Doch vor allem hat Sparta aus Nachlässigkeit einen verdienten 2:0-Vorsprung im Hinspiel viel zu leicht aus der Hand gegeben. Im Rückspiel am Schwarzen Meer kämpften die Gäste zwar aufopferungsvoll, aber nach dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich durch Supertalent Adam Hložek wurde die Partie mit 1:2 verloren. Trainer Václav Jílek:

„Aus meiner Sicht haben wir ein sehr gutes Gruppenspiel der Europa League gesehen. Wir sind auf einen starken Gegner getroffen. Umso mehr ärgert es mich, dass wir nicht weitergekommen sind, denn wir hatten alle Möglichkeiten dazu. Auf der anderen Seite will ich die unbestreitbare Qualität von Trabzonspor nicht schmälern.“

FK Mladá Boleslav - FCSB (Foto: ČTK/Petrášek Radek)
Beispiel 3: FK Mladá Boleslav. Die Mittelböhmen sind leider ein typisches Spiegelbild für die schwache tschechische Liga hinter den großen Drei – Slavia Prag, Plzeň / Pilsen und Sparta Prag. Die Autostädter hatten sich das siebte Mal für die Vorrunde zur Europa League qualifiziert, und sie sind das siebte Mal sehr früh gescheitert. Ihr Gegner, das rumänische Team FCSB – der legitime Nachfolger des großen Vereins Steaua Bukarest –, war sicher keine Laufkundschaft. Nach dem torlosen Remis in Bukarest aber standen die Chancen gut, es diesmal zu packen. Dazu hätte Mladá Boleslav jedoch seine Tormöglichkeiten nutzen und bis zum Schlusspfiff konzentriert bleiben müssen. Denn das alles entscheidende Tor der Gäste zum 1:0-Auswärtssieg fiel durch Pantiru in der ersten Minute der Nachspielzeit. Dieser Umstand stieß auch Trainer Jozef Weber sauer auf:

„Wenn wir einen solchen Kontrahenten bezwingen wollen, müssen wir unsere Chancen nutzen. Zudem müssen wir über 90 Minuten eine überdurchschnittliche Leistung zeigen, und nicht nur phasenweise. Hinzu kommt unsere Naivität, wie der Platzverweis von Antonín Křapka zeigt. Bukarest war besser und ist weitergekommen. Doch wir waren nahe dran, und das wird mich noch lange ärgern.“

Nach den Pleiten vom Donnerstag hat der tschechische Fußball nur noch ein Eisen im Feuer: Slavia Prag. Im Duell mit dem rumänischen Verein CFR Cluj werden die Prager in den nächsten zwei Wochen nun versuchen, in die Champions League zu gelangen. Sollte dies nicht klappen, dann ist dem tschechischen Meister immerhin die Teilnahme an der Europa League sicher.

Autor: Lothar Martin
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