Fußball-Tschechien jubelt: Zwei Vereine überwintern in Europa

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Allgemein wird hierzulande vom Niedergang des tschechischen Vereinsfußballs gesprochen. Und jetzt das: Erstmals seit neun Jahren sind wieder zwei Klubs des Landes für das europäische Pokalgeschehen im Frühjahr qualifiziert.

Radim Řezník (Pilsen) und John Ogu (Coimbra). Foto: ČTK
Das Feld war eigentlich schon bereitet, als am Donnerstagabend Sparta Prag und Viktoria Pilsen zu ihren Spielen in der Europa League antraten. Ein Punkt würde reichen, wussten beide Teams. Für Pilsen sah die Aufgabe auf den ersten Blick leichter aus als für Sparta, die Westböhmen mussten beim portugiesischen Neuling im Wettbewerb punkten: Academica Coimbra. Da ja ein Unentschieden reichte, sei man zurückhaltend zu Werk gegangen, bekannte Trainer Pavel Vrba im Nachhinein:

„Ich denke, wir können bessere Leistungen abliefern. Manche Spieler waren nicht ganz so aktiv, wie wir das aus der tschechischen Liga gewöhnt sind oder aus den vorherigen Begegnungen in der Europa League. Die Außenverteidiger zum Beispiel haben sich nicht so in den Angriff eingeschaltet. Sie hatten die Aufgabe, sich zurückzuhalten und möglichst keine Fehler zu begehen, um das nötige Ergebnis zu erreichen.“

Pavel Horváth (links). Foto: ČTK
Letztlich ging Pilsen in der 57. Minute sogar in Führung. Mittelfeldspieler David Štípek erhielt plötzlich Platz, um in den Strafraum einzudringen - und wurde gefoult:

„Ich hatte den Ball am linken, also dem schwächeren Fuß. Deswegen war es glücklich, dass ich gefoult wurde. Hätte ich mit links geschossen: Wer weiß, ob ich getroffen hätte.“

Den Foulelfmeter verwandelte danach Mannschaftskapitän Pavel Horváth mit gewohnter Sicherheit. Dass Coimbra drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit noch ausgleichen konnte, war nur noch ein Schönheitsfehler. Pilsen wird nun so oder so im zweiten Jahr hintereinander in Europa überwintern.

Tomáš Přikryl (links). Foto: ČTK
Sparta Prag hatte die vergleichsweise schwere Aufgabe, den benötigten Punkt gegen das favorisierte Team von Olympique Lyon zu holen. Das Spiel eher unansehnlich, und kurz nach der Halbzeitpause auch noch der Schock: Lyons Stürmer Yassine Benzia verlädt Sparta-Verteidiger Jiří Jarošík und markiert an Torhüter Tomáš Vaclík vorbei die Führung der Gäste. Nur sieben Minuten später aber gleichen die Prager durch einen schnell vorgetragenen Angriff über die rechte Seite aus. Der kurz zuvor eingewechselte Tomáš Přikryl passt dabei den Ball in den Rücken der Gäste-Abwehr, und Mittelfeldspieler Josef Hušbauer vollendet ins Tor zum 1:1-Ausgleich. Für den Schützen eine große Sache und für seinen Klub ein Erfolg, den im Sommer so niemand erwartet hatte:

Sparta Prag (Foto: ČTK)
„Das ist sicher das Tor meines Lebens. Es bedeutet ja schließlich das Weiterkommen in der Europa League. In unserer Gruppe mit Bilbao, dem Finalisten der vergangenen Saison, und Lyon, das sonst immer Champions League spielt, hat niemand mit uns gerechnet. Jetzt sind wir froh, dass wir weitergekommen sind.“

Für beide tschechischen Teams ist der Einzug in die Zwischenrunde der Europa League ein großer Erfolg. Die Pilsner können sogar noch mehr erreichen. Am kommenden Spieltag am 6. Dezember spielen sie gegen Titelverteidiger Atletico Madrid. Trainer Vrba hat dann Geburtstag - und ganz klar, was er sich wünscht: einen Sieg und damit den ersten Platz in der Gruppe.

Autor: Till Janzer
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