Polizei fand eine Million Liter Alkohol in unterirdischen Lagern

Foto: Zsuzsanna Kilian, Stock.xchng

Die tschechische Polizei hat rund eine Million Liter nichtversteuerten Alkohol beschlagnahmt. Der Alkohol befand sich in unterirdischen Lagern im mährisch-schlesischen Ostrava / Ostrau, in der Nähe von Zlín und bei Teplice / Teplitz in Nordböhmen. Den Polizisten nach besteht ein Zusammenhang dieses Falles mit dem Skandal um tödlichen Alkohol vom Herbst vergangenen Jahres.

Robert Šlachta (Foto: Archiv der Polizei der Tschechischen Republik)
Der Alkohol lagerte in großen Behältern unter Lagerhallen stillgelegter Fabriken, die Tanks waren unter einer dicken Betonschicht versteckt. Bereits in der Vergangenheit hatte die Polizei nach den Tanks gefahndet, allerdings erfolglos. Robert Šlachta ist Leiter der Einheit zur Bekämpfung organisierter Kriminalität:

„Unsere Detektive haben die Industrieobjekte bereits einmal untersucht. Erst nach weiteren Ermittlungen haben wir festgestellt, dass einige Tanks bis zu zwei Meter unter der Erde verborgen sind. Das Versteck war so angelegt, dass man es eigentlich nicht finden konnte. Wir haben uns selbst gewundert, wie ausgeklügelt die Lager waren.“

Die Polizei beauftragte jedoch Geologen der Bergbauhochschule in Ostrau, die Feuerwehr und Privatfirmen für die Fahndung, mit speziellen Geräten entdeckten diese dann die Lager. Danach wurden diese mit schwerer Technik freigelegt, Bagger und Presslufthammer mussten eingesetzt werden. Der Alkohol muss in den unterirdischen Behältern bereits längere Zeit gelagert haben, sagt Šlachta.

Industrieanlage der Chemiefirma Morávia-Chem (Foto: ČTK)
„Es ist zu sehen, dass die Lager seit längerer Zeit nicht genutzt wurden. Letzte Bauarbeiten wurden dort vor acht oder neun Jahren durchgeführt.“

Die Lager waren mit 96-prozentigem Alkohol gefüllt. Bei einem Verkauf der Ware wäre dem Staat ein Schaden von 285 Millionen Kronen (11,4 Millionen Euro) entstanden, so Šlachta. Den Tätern, die den Alkohol versteckt haben, droht eine Strafverfolgung wegen Steuerhinterziehung. Alle Industrieanlagen waren früher von der Chemiefirma Morávia-Chem genutzt worden. Ihre Vertreter behaupten allerdings, von den Lagern nichts gewusst zu haben.

Unterirdischer Behälter (Foto: Archiv der Polizei der Tschechischen Republik)
Für besonders an der Sache hält die Polizei, wie durchdacht die Verstecke waren. Bei zwei der drei Orte ist bisher nicht klar, auf welche Weise die Tanks gefüllt und geleert wurden. Auch lässt sich nicht ausschließen, dass es noch weitere Lager mit illegalem Spiritus in Tschechien gibt. Robert Šlachta:

„Ich glaube, dass wir das Meiste entdeckt haben. Wir werden die Fahndung dennoch weiter fortsetzen.“

Radek Březina (Foto: ČT24)
Der Alkohol ist nicht mit giftigem Methanol gepanscht worden, teilte die Polizei mit. Trotzdem knüpft der Fall an die Ermittlungen in der Affäre mit gepanschten Spirituosen an. Am Konsum von Gift-Alkohol sind in Tschechien seit September vergangenen Jahres bereits 45 Menschen gestorben. Die Besitzer der Grundstücke, auf denen jetzt die illegalen Lager entdeckt wurden, sitzen bereits seit vergangenem Herbst in Untersuchungshaft – und zwar im Zusammenhang mit der Methanolaffäre. Es sind die Brüder Radek und Tomáš Březina, die als Spitze der Methanol-Mafia gelten. Václav Kučera leitet das Ermittlungsteam in dem Fall:

„Die Methanolaffäre ist vor dem Hintergrund illegaler Alkoholproduktion und des illegalen Handels mit Spirituosen entstanden. Die jetzige Entdeckung ist eine Fortsetzung des Falls.“