Porträt Petra Kvitová: Ich vertrete mein Land gern und kann mich durchbeißen

Petra Kvitová (Foto: ČTK)

Tennis gehört zu den populärsten Sportarten in der Tschechischen Republik. Deshalb sind die Blicke der hiesigen Sportfans in diesen Tagen auch ganz besonders auf das olympische Turnier in Wimbledon gerichtet. Die Ernüchterung war allerdings groß, als nach der ersten Runde in den Einzel-Wettbewerben fünf der sechs Starter aus Tschechien bereits ihre Sachen packen mussten. Einzig die Weltranglisten-Sechste Petra Kvitová ist noch im Rennen. Auf ihr ruhen jetzt alle Medaillenhoffnungen.

Petra Kvitová (Foto: ČTK)
Bei den Spielen 2008 in Peking feierte Petra Kvitová ihr olympisches Debüt. Sie war 18 und schied im Damen-Doppel schon in der ersten Runde aus. Jetzt, vier Jahre später, gehört die 22-jährige Linkshänderin bereits zur Weltelite. Seit Peking hat sie sich Schritt für Schritt nach oben gearbeitet, der Durchbruch aber gelang ihr im vergangenen Jahr: Sie gewann das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon und die WTA Tour Championships in Istanbul sowie den Fed Cup mit dem tschechischen Frauen-Team. Mit ihrer angriffsorientierten Spielweise hat sie zudem viele neue Fans gewonnen. Im olympischen Turnier zählt sie daher zu den Mitfavoritinnen:

Petra Kvitová (Foto: ČTK)
„Mein Umfeld, die Fans, alle erwarten, dass es jetzt läuft und mich nichts mehr stoppen kann. Aber es kann auch Niederlagen geben, nach denen ich mich wieder aufrappeln muss. Ich wäre natürlich froh, wenn ich wenigstens etwas aus dem vergangenen Jahr wiederholen könnte.“

Petra Kvitová weiß, wovon sie spricht. In diesem Jahr läuft es nämlich noch nicht so rund bei ihr, trotz eines guten Saisonstarts mit dem Sieg beim Hopman Cup und dem Erreichen des Halbfinales bei den Australian Open. In Wimbledon aber scheiterte sie als Titelverteidigerin schon im Viertelfinale, in der Weltrangliste ist sie mittlerweile von Rang zwei auf den sechsten Platz zurückgefallen. Auch zu Beginn des Olympiaturniers schien sie nicht in Form. Gegen die Ukrainerin Katerina Bondarenko kam sie nur mit Mühe zu einem Drei-Satz-Sieg:

Katerina Bondarenko (Foto: ČTK)
„Wie vielleicht schon alle wissen und es größtenteils auch der Fall ist, bin ich am Anfang immer sehr nervös. Auf der anderen Seite muss ich sagen, solche Spiele sind auch wichtig. Am Ende zählt nämlich, dass ich mich trotz des schwachen Spiels durchgebissen habe.“

Gerade diese Eigenschaften, Kampfkraft und Siegeswille, sind die Stärken von Petra Kvitová. Und davor hat auch ihre Konkurrenz großen Respekt. Nach schlechten Turnier-Auftaktspielen, die sie trotzdem gewinnen konnte, hat sie sich meist gesteigert. So wie in diesem Jahr in Melbourne und bei den French Open in Paris. Bei Olympia spielt sie zudem nicht um Prämien und Weltranglisten-Punkte, sondern im tschechischen Nationaltrikot. Ein Umstand, dem sie große Bedeutung beimisst:

Peng Shuai (Foto: pfctdayelise, Creative Commons 2.5)
„Schon von klein auf mag ich besonders die Spiele, zu denen die Tschechische Republik als Nation antritt. Ich vertrete mein Land sehr gern.“

Das hat Petra Kvitová schon mehrfach im Fed Cup gezeigt, in dem sie der Garant des tschechischen Erfolges war und ist. Auch in London kämpft sie, trotz einer Bauchmuskelzerrung, wie eine Löwin. Und bei ihrem Zweitrundensieg über die Chinesin Peng Shuai räumte sie zudem mit den Vorbehalten vieler anderer Tennisspieler auf: dass der feuchte Rasen in Wimbledon die Begegnungen beeinflusst.

„Es ist unangenehm, auf den Court zu gehen, nachdem sich zwei Spielerinnen den Knöchel verstaucht haben und der Rasen wirklich rutschig ist. Ich war deshalb ein wenig beklommen, doch dann habe ich mir gesagt: Ich pfeif drauf, entweder mir passiert etwas oder es geht gut.“

Es ging mehr als gut, denn seit dem dritten Satz gegen die Chinesin, den Kvitová 6:1 gewann, spielt die 22-Jährige plötzlich wie aufgedreht. Am Donnerstag steht sie im Viertelfinale gegen die Russin Maria Kirilenko. Das bedeutet: Bei einem Weiterkommen fehlt Kvitová nur noch einen Sieg, um sich ihren Traum von einer Olympiamedaille zu erfüllen.

Autor: Lothar Martin
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