Profisportler enttäuscht über zweiwöchige Zwangspause

Foto: Nigel Msipa, Unsplash / CC0

Der schlechten epidemiologischen Lage und den daraus resultierenden Maßnahmen der Regierung ist nun in Tschechien auch der Sport zum Opfer gefallen. Laut einem Kabinettsbeschluss muss der Betrieb auch der Profi-Ligen bis auf wenige Ausnahmen vorerst für zwei Wochen ausgesetzt werden.

Roman Prymula (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)

Seit Montag gilt in Tschechien: Für 14 Tage sind alle Indoor-Sportanlagen geschlossen, im Freien dürfen sich nur bis zu 20 Personen gemeinsam bewegen. Diese und weitere restriktive Maßnahmen verhängte Gesundheitsminister Roman Prymula als Antwort auf die zuletzt stetig gestiegenen Infektionszahlen. Auf diese Entscheidung reagierten die beiden größten Sportverbände des Landes zunächst mit Einsicht und der Hoffnung, dass die Maßnahmen den gewünschten Effekt haben werden. Michal Jurman ist der Sprecher des Fußballverbandes:

„Die Entscheidung der Regierung gilt es, in vollem Umfang zu respektieren. Gleichzeitig aber hoffen wir, dass sie nur für den genannten Zeitraum gelten wird. Zudem glauben wir, dass der Freiluftsport unter Einhaltung der hygienischen Auflagen die bestmögliche Prävention für eine gute Gesundheit von uns allen ist.“

Tomáš Král (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Tomáš Král ist der Chef des Eishockeyverbandes:

„Natürlich werden wir das respektieren, und wir hoffen, dass sich die mit dieser Maßnahme verknüpften Erwartungen erfüllen. Das hieße, dass wir nach 14 Tagen in die Eisstadien zurückkehren würden. Wir sind aber ebenso darauf vorbereitet, uns an die Bedingungen anzupassen und je nachdem zu reagieren, wie sich die Lage entwickelt.“

Bei genauerer Betrachtung der Anordnung wird indes klar, dass bei Indoor-Sportarten nun auch für zwei Wochen kein Training möglich sein dürfte. Das rief Miroslav Jansta auf den Plan. Er ist der Vorsitzende der Tschechischen Sport-Union (ČUS):

„Die Einstellung des Trainings ist für den Profisport eine Tragödie. Denn ohne Wettkampfvorbereitung sind die Athleten nicht konkurrenzfähig. Das hilft weder den Nationalmannschaften noch den Vereinen in internationalen Wettbewerben. Das hilft niemandem.“

Miroslav Jansta: „Die Einstellung des Trainings ist für den Profisport eine Tragödie. Denn ohne Wettkampfvorbereitung sind die Athleten nicht konkurrenzfähig. Das hilft weder den Nationalmannschaften noch den Vereinen in internationalen Wettbewerben. Das hilft niemandem.“

Eine Mannschaft, die die Einschränkung deutlich zu spüren bekommt, ist beispielsweise das Frauen-Basketballteam des USK Prag. Die Spielerinnen aus der Hauptstadt nehmen jedes Jahr an der Europaliga teil. Nun aber sei der gezielte Formaufbau in Frage gestellt, sagt Trainerin Natália Hejková:

„Wir bereiten uns bereits abgeschottet in einer Blase auf die Europaliga vor. Jetzt aber kommt der nächste Nackenschlag. Denn wir wissen nicht, wo wir jetzt trainieren sollen. In der Phase der Vorbereitung, in der wir uns gerade befinden, ist das kontraproduktiv.“

Ein kleiner Trost für Hejková und ihre Schützlinge ist, dass die Europaliga in dieser Saison erst im Dezember beginnt. Einen solchen Zeitpuffer haben die Fußballer nicht. Im Gegenteil, die drei tschechischen Clubs, die sich für die Europa League qualifiziert haben, bestreiten schon in zehn Tagen ihre Auftaktspiele in der Gruppenphase. Die einzige Erlaubnis, die Gesundheitsminister Prymula bei seiner Anordnung erteilt hat, ist die Durchführung von internationalen Wettkämpfen. Doch wie bereitet man sich entsprechend darauf vor? Als Freiluftsport hat der Fußball da einen kleinen Vorteil. Und im Frühjahr, als nach dem Lockdown in Tschechien die Einschränkungen sukzessive gelockert wurden, sammelten die Kicker dazu auch erste Erfahrungen. Das bestätigt der Pressesprecher von Sparta Prag, Ondřej Kasík:

Foto: Diego Sideburns, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0

„Im Frühjahr haben wir bereits in Gruppen von sechs bis acht Spielern trainiert. Jetzt können bis zu 20 Akteure am Training teilnehmen. Natürlich sind das keine idealen Bedingungen, auf der anderen Seite ist dies kein unüberwindbares Hindernis. Wir können das Training entsprechend anpassen.“

Foto: El Loko Foto, Flickr, CC BY-NC 2.0

Dennoch sind auch die Fußballer enttäuscht über die zweiwöchige Zwangspause. Vor allem deshalb, weil sie einen hohen Aufwand betrieben haben, um mittels eines ausgeklügelten Hygienekonzepts ihren Sport auch unter Corona-Bedingungen ausüben zu können. Dazu noch einmal Ondřej Kasík:

„Der tschechische Profifußball wendet auf Clubebene enorme finanzielle Mittel auf, um die Spieler fortlaufend zu testen. Der prozentuale Anteil der positiven Befunde war bisher minimal. Angesichts dieser Aufwendungen sind wir der Meinung, dass zumindest die beiden Profiligen ohne Unterbrechung fortgesetzt werden sollten.“

Dušan Svoboda: „Ich möchte vor allem erfahren, was wir noch tun müssen, um den sportlichen Lockdown in Zukunft zu verhindern.“

Dieser Meinung ist auch der Chef des Fußball-Ligaverbandes (LFA), Dušan Svoboda. Seiner Aussage nach belegen die nahezu ausschließlich negativen Covid-19-Tests, dass der Fußball zu dem am besten gegen das Coronavirus geschützten Umfeld in Tschechien gehört. Deswegen initiiert Svoboda bereits eine Task Force, die in Gesprächen mit der Regierung für eine größere Akzeptanz des Fußballs sorgen soll:

Dušan Svoboda (Foto: Tschechisches Fernsehen)

„Ich möchte vor allem erfahren, was wir noch tun müssen, um den sportlichen Lockdown in Zukunft zu verhindern.“

Während die Profifußballer vor jedem Spieltag auf Corona getestet werden, muss man sich im Eishockey – insbesondere aus finanziellen Gründen – auf das Wesentliche begnügen. Das heißt, die Spieler, Trainer und Betreuer der Mannschaften in den beiden obersten Ligen werden immer erst dann komplett getestet, wenn sich bei einzelnen Anzeichen einer Erkrankung bemerkbar machen. Dann wird das anstehende Training ausgesetzt und zumeist auch das nächste Punktspiel präventiv abgesagt. Einschließlich der Saisonvorbereitung im August war nunmehr schon jedes der 14 Teams aus der Extraliga wegen mehrerer positiver Corona-Befunde in Quarantäne. Den einschlägigen Aussagen von Virologen zufolge sind die betroffenen Akteure daher jetzt für rund 90 Tage immunisiert, und die Wahrscheinlichkeit einer Viren-Übertragung ist minimal. Deshalb zeigt auch der Präsident der Spielergewerkschaft, Libor Zbořil, kaum Verständnis für das aktuelle Spiel- und Trainingsverbot:

Libor Zbořil (Foto: Archiv CAIHP)

„Rund 80 bis 90 Prozent der Spieler sind schon mit dem Virus infiziert gewesen. Nun wird die Quarantäne nach und nach für alle Mannschaften aufgehoben. Wir haben also damit gerechnet, jetzt wieder in vollem Umfang spielen zu können. Aus meiner Sicht kommt die Regierungsentscheidung einer Hinrichtung des tschechischen Eishockeys gleich.“

Auch wenn Zbořil und andere Funktionäre zum Teil sehr deftige Worte fanden, ist der allgemeine Tenor unter den Sportlern, die Maßnahmen der Regierung in ihren Grundzügen zu respektieren. Den Verbänden und Vereinen stößt indes sauer auf, dass ihre Anstrengungen zur Prävention gegen eine Virenübertragung anscheinend nicht wertgeschätzt werden. Sie fühlen sich in einen Topf geworfen mit undisziplinierten Landsleuten, die die Anordnungen der Regierung immer noch nicht einhalten.


Tennis: Kvitová überzeugt in Paris und will das Positive mitnehmen

Petra Kvitová (Foto: ČTK / AP Photo / Michel Euler)

Etwas fernab vom Geschehen in Tschechien fanden und finden weiter große internationale Sportveranstaltungen statt. Doch auch sie unterliegen längst den strengen Hygieneauflagen der Corona-Zeit. Das war auch beim einzigen Grand-Slam-Tennisturnier auf Sand der Fall, das jedes Jahr in Paris stattfindet. In diesem Jahr wurde es wegen Corona von Anfang Juni auf Anfang Oktober verschoben. Bei den kühlen Temperaturen, die jetzt in der französischen Metropole herrschen, traten die Spielerinnen und Spieler nicht selten in Leggins oder mit Trainingsjacke an. Und sie bewegten sich – wie schon einen Monat zuvor bei den US Open in New York – in einer sogenannten Blase. Das heißt, sie pendelten, abgeschirmt von Fremden, regelmäßig nur zwischen ihrem Hotel und der Tennisanlage. Mit diesen Bedingungen ist auch eine tschechische Spielerin gut zurechtgekommen: die zweimalige Wimbledonsiegerin Petra Kvitová. Die 30-Jährige spielte das gesamte Turnier auf konstant hohem Niveau und gab bis zum Halbfinale keinen einzigen Satz ab. Dort aber fand sie in der neun Jahre jüngeren US-Amerikanerin Sofia Kenin ihre Meisterin. Kvitová verlor die Partie mit 4:6 und 5:7. Trotz der Enttäuschung über die Niederlage zog die Tschechin ein insgesamt positives Fazit:

Sofia Kenin (Foto: ČTK / AP Photo / Michel Euler)

„Natürlich lag es heute vor allem daran, dass Kenin sehr gut gespielt hat. Auf der anderen Seite habe ich nicht erwartet, bis ins Halbfinale vorzudringen. Ich bin daher froh, wie ich das Turnier gemeistert, wie gut ich mich bewegt, aufgeschlagen und letztlich gespielt habe. Ich fühlte mich körperlich fit und auch mental recht stark. Ich nehme also viele positive Dinge mit aus Paris und hoffe, dass ich in Zukunft darauf aufbauen kann.“

Spätestens in der Vorschlussrunde musste Kvitová jedoch feststellen, dass die Garde der rund zehn Jahre jüngeren Spielerinnen weiter auf dem Vormarsch ist. Das Finale gewann die Entdeckung des Turniers, die erst 19-jährige Polin Iga Swiatek. Und Kvitovás zweiter Grand-Slam-Erfolg in Wimbledon liegt nun auch schon sechs Jahre zurück. Trotzdem bleibt die Linkshänderin optimistisch:

„Bisher ist es mir nicht vergönnt, ein weiteres Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Doch ich werde weiter hart trainieren und versuchen, zumindest noch einen großen Sieg in meiner Karriere zu feiern. Ich bin nicht mehr die Jüngste, wenn ich mich aber wieder gut vorbereite und ein solch tolles Turnier spiele wie jetzt in Paris, dann dürfte das für mich ein Bonus sein für die nächsten Jahre.“