Tschechien feiert seine neuen Eishockey-Helden

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Seit fünf Tagen hat die Tschechische Republik wieder einen neuen Meister im Eishockey. Der Titelträger ist die Mannschaft von PSG Zlín. Die Ostmähren setzten sich in der Play-off-Finalserie mit 4:1 Siegen gegen den mährischen Rivalen HC Kometa Brünn durch.

Petr Čajánek (Foto: ČTK)
Einer, der sich über den Titelgewinn der Zlíner besonders freute, ist der Kapitän der Schuhstädter, Petr Čajánek:

„Dieser Erfolg ist so berauschend, den will ich jetzt mit der Mannschaft genießen. Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, und deshalb bin ich überaus zufrieden.“

Wenn jemand symbolisch dafür steht, dass man sich Erfolg hart erarbeiten muss, dann ist es Petr Čajánek. In seiner langen Karriere hat der 38-Jährige nicht nur in den beiden bedeutendsten Ligen gespielt, der NHL und der KHL, sondern auch 13 Saisons als Profi für den Club seiner Geburtsstadt Zlín. In dieser Zeit zog er mit den Blau-Gelben gleich fünfmal in das Finale der nationalen Extraliga ein, doch erst jetzt – nach vier vergeblichen Anläufen – durfte er den Pott in die Höhe strecken. Der Kapitän ist daher stolz auf seine Mannschaft:

Libor Kašík (Foto: ČTK)
„Ich denke, jeder kann sehen, dass in unserer Mannschaft viele Eigengewächse aus der Region stehen. Das ist eine große Freude und Genugtuung für alle, die sich für den Verein ins Zeug legen. Und das honorieren auch die Fans, deren Unterstützung wir immer spüren.“

Einer aus dem großen Talente-Schuppen der Zlíner ist Torhüter Libor Kašík. Auch für den 22-Jährigen ging jetzt eine Prophezeiung in Erfüllung, die er aus nächster Nähe erhalten hatte. Alles begann vor zehn Jahren, als der mährische Eishockeyclub den ersten seiner beiden Meistertitel gewann:

„Damals war ich zwölf Jahre alt, und ich erinnere mich, wie meine Mama mir bei der Meisterehrung sagte, dass auch ich den Titel eines Tages gewinnen würde. Ich habe darüber gelächelt, doch jetzt ist es Realität. Das ist einfach herrlich und ich bin glücklich, dass ich in diesem tollen Team im Tor stehen darf.“


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Ein starkes Team wie lange nicht, das hat auch der Eishockeynachwuchs aus Tschechien bei der diesjährigen U18-WM in Finnland gestellt. Bei den bis dahin ausgetragenen 15 Titelkämpfen in dieser Altersklasse hatten die Junioren aus Böhmen und Mähren lediglich drei Bronzemedaillen gewonnen. Bei der 16. WM, die am Sonntag zu Ende ging, aber standen sie erstmals im Finale. Die Schützlinge von Trainer Jakub Petr verloren es mit 2:5 gegen das favorisierte Team der USA. Nach der anfänglichen Enttäuschung kam jedoch recht schnell Stolz und Zufriedenheit auf über das Erreichte, auch bei Stürmer Jakub Vrána:

Jakub Vrána (Foto: ČTK)
„Wenn man verliert, muss man zuerst mit ansehen, wie der Gegner die Goldmedaille feiert. Danach aber wird einem bewusst, dass auch der zweite Platz kein schlechtes Ergebnis ist. Unser Ziel war eine Medaille, und ich bin froh, dass wir sie erkämpft haben.“

Jakub Vrána war mit acht Treffern zugleich der beste Torschütze des WM-Turniers. Zum Gewinn des silbernen Edelmetalls aber hätten auch Vránas Teamkollegen kräftig beigetragen, lobt Trainer Petr:

„Es war wichtig, dass die gesamte Truppe an einem Strang gezogen hat. Dieses Vorhaben stand nicht nur auf dem Papier, deshalb ist alles auch so gut gelaufen.“


HC Lev Prag (Foto: ČTK)
Erster oder Zweiter, das ist auch die Frage in der noch ausstehenden Entscheidung um den Gagarin Cup, der wohl begehrtesten Trophäe im europäischen Eishockey. Es ist der Pokal für den Sieger der Kontinental Hockey League (KHL), an der neben 21 russischen Mannschaften auch sieben Clubs aus Europa und Asien teilnehmen. Der beste nichtrussische Verein der Saison ist der tschechische Vertreter HC Lev Prag, der in beeindruckender Manier bis ins Finale der Liga vorgedrungen ist. Gegner der Löwen in der finalen Best-of-seven-Serie ist das Team von Metallurg Magnitogorsk. Nach fünf Begegnungen lagen die Prager mit 2:3 Siegen zurück und mussten daher im sechsten Match vor heimischer Kulisse unbedingt gewinnen, um die Titelchance zu wahren. In der packenden Partie stand es aber nach der regulären Spielzeit 4:4, also wurde in der Overtime über Erfolg oder Misserfolg entschieden. Nach etwas mehr als dreieinhalb Minuten der Verlängerung traf dann der Kanadier Nathan Oystrick zum umjubelten 5:4-Endstand für die Prager.

Martin Ševc (Foto: ČTK)
Bis kurz vor Ende der offiziellen Spielzeit sah es indes so aus, als wenn die Gäste aus Magnitogorsk den Meisterpokal schon in der Tasche hätten. Bis 142 Sekunden vor der Schlusssirene lagen sie 4:3 in Führung, ehe der Finne Mikko Mäenpää noch den Ausgleich und Oystrick das bereits erwähnte Siegtor schossen. Dennoch ließ der Tscheche Martin Ševc später wissen, dass er nie am Erfolg von Lev Prag gezweifelt habe:

„Wir haben es genossen, vor 17.000 Fans zu spielen. Wir haben daher auch keine Sekunde daran gedacht, das Spiel verlieren zu können. Das geht auch gar nicht vor solch einem Publikum, da kann man nicht verlieren.“

Václav Sýkora (rechts). Foto: ČTK)
Václav Sýkora, der Co-Trainer von Lev Prag, bekannte nachher, dass die Zuschauer die Mannschaft immer wieder nach vorn gepeitscht hätten. Dies sei auch einer der Gründe dafür gewesen, dass in dieser Klassepartie neun Tore gefallen seien, so Sýkora:

„Möglicherweise ist es eine Überraschung, dass so viele Tore gefallen sind, aber Eishockey ist auch ein Spiel, das Fehler produziert, und beide Mannschaften haben Spieler in ihren Reihen, die diese Fehler nutzen können. Es ist daher schwer zu tippen, wie das siebte Spiel ausgehen wird.“

Die ultimative siebte Begegnung, nach der der Sieger den Gagarin Cup bekommt, wird am Mittwoch in Magnitogorsk ausgetragen.


Fußball: Für Sparta Prag ist der 32. Titel zum Greifen nah

Sparta Prag - Slovan Liberec (Foto: ČTK)
In der ersten tschechischen Fußball-Liga fehlte auch nicht viel, und der neue Titelträger wäre schon vier Spieltage vor Saisonende ermittelt gewesen. Aussichtsreichster Anwärter auf den Ligathron ist Sparta Prag. Zum vorzeitigen Titelgewinn aber hätte neben dem 4:1-Heimsieg der Hauptstädter über Liberec auch der ärgste Verfolger, das Team von Viktoria Pilsen mitspielen müssen. Der Titelverteidiger aber tat dem Rekordmeister nicht den Gefallen, im eigenen Stadion Punkte zu lassen. Die Westböhmen bezwangen Teplice mit 3:0 und haben so weiterhin zehn Zähler Rückstand auf den Tabellenführer. Doch schon am kommenden Samstag kann die Sparta-Elf mit einem Sieg in Teplice den 32. Meistertitel der Vereinsgeschichte unter Dach und Fach bringen. In Tschechien wäre damit das Dutzend voll, die restlichen 20 Titel hat Sparta in der Tschechoslowakei geholt.



Bohemians 1905 - Slavia Prag (Foto: ČTK)
Ähnlich wie in der deutschen Bundesliga, ist auch in Tschechien der Kampf um den Klassenerhalt in dieser Saison weit spannender als das Duell um die Meisterschaft. Und in diesen Abstiegskampf sind auch zwei andere Traditionsvereine aus der Hauptstadt verwickelt, die noch dazu im gleichen Stadtteil beheimatet sind: Slavia Prag und Bohemians 1905 Prag. Am vergangenen Spieltag trafen beide Clubs im Stadion der Bohemians zum Derby aufeinander, durch ein Tor von Tomáš Necid gingen die Gäste als glücklicher 1:0-Sieger vom Platz. Allerdings nach einer Leistung, die selbst den Torschützen nicht sonderlich begeisterte:

„Statt uns spielten die Bohemians auf, wir haben uns aber nur in die eigene Hälfte verkrochen. In der zweiten Halbzeit haben wir so gut wie keinen gescheiten Pass mehr gespielt. Wenn wir in Form gewesen wären, dann wären wir sicher anders aufgetreten.“

Bohemians 1905 - Slavia Prag (Foto: ČTK)
Trotz der Niederlage schöpfte indes Bohemians-Kapitän Erich Brabec aus der Vorstellung seines Teams sehr viel Zuversicht für das Saisonfinale:

„Wenn wir so spielen wie heute, dann werden wir noch einige Punkte holen. Es gibt noch zwölf Punkte zu vergeben, und ich glaube fest daran, dass unser Team in der Lage ist, die Klasse zu halten.“

Das glaubt auch Necid für sein Slavia-Team:

Tomáš Necid (Foto: ČTK)
„Wir werden es schaffen und bis zum Ende bis aufs Blut kämpfen.“

Nach dem Sieg beim Lokalrivalen hat sich Slavia zunächst auch ein wenig Luft im Tabellenkeller verschafft. Die Hausherren aber rutschten auf den letzten Platz der Tabelle ab. Doch es bleibt spannend, denn vier Spieltage vor Ultimo sind die letzten sechs Mannschaften nur fünf Punkte voneinander getrennt. Für Slavia aber brachte das 1:0 vor allem die Gewissheit, das Siegen noch nicht verlernt zu haben. Und so herrschte nach der Partie auch freudige Stimmung in der Kabine der Rot-Weißen.

Autor: Lothar Martin
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