Prague Open bestehen in der Blase – Fußball und Eishockey kämpfen gegen Corona an

Illustrationsfoto: tenisenelatlantico, Pixabay / CC0

Sport ohne direkte Zuschauer – das ist die traurige „Normalität“ dieser Tage. Als Abwehrstrategie gegen das Coronavirus wurde jetzt auch in Prag das jüngste WTA-Turnier in einer von der Außenwelt abgeschotteten Tennisanlage ausgetragen. Die Spielerinnen aber waren froh, nach langer Pause wieder einmal gegeneinander antreten zu können. Das wollen die Nationalsportarten Tschechiens, Fußball und Eishockey, jedoch nicht länger akzeptieren. Sie haben eine Allianz geschmiedet vor den harten Verhandlungen mit der Regierung über die Zulassung von Zuschauern und weiteren Punkten.

Wegen der Corona-Pandemie mussten in diesem Jahr fast alle Sportarten ihre internationalen Höhepunkte verschieben oder absagen. Im Tennis waren die beiden europäischen Grand-Slam-Turniere davon betroffen – die French Open und Wimbledon. Nach einer fast fünfmonatigen Pause nahm der Tenniszirkus erst vor zwei Wochen seinen internationalen Spielbetrieb wieder auf. Die Tennisdamen begannen ihn mit einem Turnier in Palermo, dem in der vergangenen Woche die Prague Open folgten. Das Turnier auf den Sandplätzen im Prager Baumgarten (Stromovka) hat mittlerweile einen guten Ruf. Doch die Art und Weise, wie es diesmal ablief, hat es noch nie gegeben. Erstmals wurden keine Zuschauer zugelassen. Und diejenigen, die in irgendeiner Form aktiv teilnahmen, mussten strenge Regeln einhalten. Am Eingang zu den Plätzen wurde ihre Körpertemperatur gemessen, im Tennisareal mussten sie stets einen Mund- und Nasenschutz tragen, außer beim Essen und Trinken sowie beim Tennisspiel selbst. Um aber überhaupt hineinzukommen, mussten alle Spielerinnen, Schiedsrichter, Balljungen und-mädchen, Organisatoren und Journalisten einen negativen Coronatest vorweisen. Deswegen verstand nicht jede Spielerin, weshalb man im Tennisareal nur mit Maske miteinander reden konnte. Eine davon ist Kristýna Plíšková, die Zwillingsschwester der Weltranglisten-Dritten Karolína Plíšková:

Kristýna Plíšková (Foto: si.robi, CC BY-SA 2.0)

„Ich verstehe nicht, dass wir in dieser sogenannten Blase einen Mund- und Nasenschutz tragen müssen, obwohl alle hier einen Test gemacht haben, der negativ ausgefallen ist. Wir müssen die Maske an jeder Ecke aufhaben, auch bei dieser Hitze. Bei 40 Grad in der Sonne ist das aber nicht gerade angenehm.“

Das strenge Hygienekonzept, zu dem auch der Transport der Spielerinnen vom und zum Hotel in speziell hergerichteten und ständig desinfizierten Autos gehörte, aber hat den Prager Veranstaltern zusätzliche Pluspunkte gebracht. Und diese stehen ihnen gut zu Gesicht, sind sie doch in knapp zwei Wochen schon wieder Ausrichter eines tollen Events. Denn ab 31. August, wenn in New York das Grand-Slam-Turnier beginnt, werden Pörtschach am Wörthersee und Prag jeweils ein Ersatzturnier austragen anstelle der gestrichenen Qualifikation zu den US Open. Und das hat viele Vorteile, bemerkt der Direktor der Prague Open, David Trunda:

„Das Preisgeld beträgt 1,5 Millionen US-Dollar. Das ist die höchste Summe, die bei einem Turnier in Tschechien bisher ausgeschüttet wurde. Hintergrund ist eine Vereinbarung mit den Veranstaltern der US Open und des Frauen-Weltverbandes WTA.“

David Trunda: „Das Preisgeld beträgt 1,5 Millionen US-Dollar. Das ist die höchste Summe, die bei einem Turnier in Tschechien bisher ausgeschüttet wurde. Hintergrund ist eine Vereinbarung mit den Veranstaltern der US Open und des Frauen-Weltverbandes WTA.“

Doch nicht nur das: Auch die Kosten für das Turnier werden vom amerikanischen Tennisverband USTA beglichen. Denn es wird für Spielerinnen ausgerichtet, die auf den Weltranglisten-Plätzen 105 bis 300 liegen, quasi als Ersatz für die abgesagte Qualifikation zu den US Open. Und so dürfte auf der Prager Tennisanlage wie auch auf Plakaten und im Veranstaltungsprogramm das Logo des New Yorker Grand-Slam-Turniers auftauchen.

„Die Bedingung war immer, dass die US Open durchgeführt werden. Sicher werden einige enttäuscht sein, dass auch dieses Turnier ohne Zuschauer stattfindet. Auf der anderen Seite aber ist es gute Werbung für Tschechien, Prag und das zweite Grand-Slam-Turnier in diesem Jahr.“

Lucie Šafářová (Foto: Alexej Maximov, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Dass die Verantwortlichen des Frauen-Weltverbandes und des US-Tennisverbandes mit Prag eine gute Wahl getroffen haben, davon ist die ehemalige tschechische Top-Spielerin Lucie Šafářová überzeugt:

„Das hat Sinn genauso wie es keinen Sinn hat, das Turnier in den Vereinigten Staaten auszutragen, wo die Coronavirus-Pandemie deutlich härter zugeschlagen hat. Zudem kommen die meisten Spielerinnen aus Europa. Es ist also nur gut, dass es in Prag stattfindet.“

Stan Wawrinka (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)

So ähnlich denkt auch einer der besten Schweizer Tennisspieler, der 35-jährige Stan Wawrinka. Denn der dreifache Gewinner eines Grand-Slam-Turniers hält sich gegenwärtig auch in der Moldaumetropole auf, und das nicht ohne Grund:

„Ich bin glücklich, dass ich wieder Spiele und Turniere bestreiten kann. Wie Sie wissen, habe ich mich entschieden, auf die US Open zu verzichten und stattdessen in Europa zu bleiben, wo ich mich momentan sicherer fühle. Ich weiß, dass man hier in Tschechien während der Coronavirus-Pandemie schon viele Aktionen veranstaltet hat. Daher will ich die Sandplatz-Saison gerade hier mit zwei Challenger-Turnieren starten.“

Zudem sind die beiden Prager Turniere für den Schweizer mit schlesischen Wurzeln eine gute Vorbereitung auf seinen persönlichen Saisonhöhepunkt. Das sollen die French Open werden, die diesmal wegen Corona erst ab dem 27. September ausgetragen werden.


Profivereine im Fußball und Eishockey kämpfen für Zugeständnisse in Corona-Zeit

Prokop Beneš (Foto: Archiv des Liga-Verbands im Eishockey)

An diesem Wochenende startet die erste tschechische Fußball-Liga in ihre neue Saison, in genau einem Monat folgt ihr die Eishockey-Extraliga. Trotz dieses zeitlichen Unterschieds haben beide Ligen dasselbe Problem: die ihren Sport einschränkenden Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Corona-Krise. Deswegen haben die beiden Liga-Verbände nun auch den Schulterschluss vollzogen. Prokop Beneš ist Vizepräsident des Liga-Verbands im Eishockey (APK):

„Wir sind uns einig darin, dass die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit der Profiligen im Fußball und im Eishockey besteht. Wir müssen gemeinsam auftreten zu den Fragen der Methodik in Quarantäne-Fällen und zu einem möglichen Schadensersatz, der durch das Coronavirus entsteht.“

Und Beneš wird auch konkreter:

„Wir haben drei Hauptprobleme erörtert, die es zu lösen gilt. Dies sind die drastischen Einschränkungen bei der Auslastung der Zuschauerränge, die Quarantäne-Maßnahmen und ihre Auswirkung auf den Verlauf des Wettbewerbs sowie die Kompensation für den Ausfall der Zuschauereinnahmen.“

Prokop Beneš: „Wir haben drei Hauptprobleme erörtert, die es zu lösen gilt. Dies sind die drastischen Einschränkungen bei der Auslastung der Zuschauerränge, die Quarantäne-Maßnahmen und ihre Auswirkung auf den Verlauf des Wettbewerbs sowie die Kompensation für den Ausfall der Zuschauereinnahmen.“

Wie wichtig für die Profivereine gerade der Erlös aus den verkauften Eintrittskarten ist, erläutert Beneš an einem Beispiel:

„Die Besucherzahl für die komplette Eishockey-Saison 2019/20 lag bei etwas über zwei Millionen Zuschauern hierzulande. Das multiplizieren wir mit dem durchschnittlichen Eintrittspreis. Von dem Ergebnis subtrahieren wir den Betrag, der wegen der Sperrung von 90 Prozent der Besucherplätze nun verloren geht. Dann kommen wir auf eine Fehlsumme im hohen zweistelligen Millionenbereich. Und das ist vielleicht sogar noch zu wenig.“

Schließlich versucht Beneš deutlich zu machen, dass Eishockey nicht nur Sport und Unterhaltung sei, sondern auch einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert habe.

„Anhand einer Studie, die zur Eishockey-Weltmeisterschaft 2015 in unserem Land gemacht wurde, ist Folgendes ersichtlich: Allein bei dieser kurzzeitigen Veranstaltung von etwas über zwei Wochen, zu der insgesamt 750.000 Zuschauer kamen, wurde für den öffentlichen Haushalt ein Ertrag von rund einer Milliarde Kronen erwirtschaftet. Wenn wir dazu jetzt zum Vergleich die Extraliga heranziehen, dann wissen wir, dass diese Liga schon seit mehr als 20 Jahren gespielt wird und zwar jeweils rund acht Monate lang im Jahr. Deswegen denke ich, dass diese Liga schon mehrere Milliarden Kronen an zusätzlichen Einnahmen generiert hat. Unser Sport verdient folglich in meinen Augen die gleiche Unterstützung wie jeder andere Wirtschaftszweig.“

Milan Hnilička (Foto: Pavel Petr, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Die Anspielung auf die Rentabilität der beiden populären Sportarten Fußball und Eishockey macht Beneš nicht umsonst, denn ist es doch gerade der aus der Wirtschaft kommende Regierungschef Andrej Babiš (Ano), der dem großen Wert beimisst. Unterstützung erhoffen sich die Vereine dabei auch von der neu geschaffenen Nationalen Sportagentur. Deren Vorsitzender ist der Ano-Abgeordnete Milan Hnilička. Der ehemalige Eishockeytorwart, der mit der tschechischen Nationalmannschaft unter anderem 1998 Olympiasieger wurde, erklärte indes, dass die Agentur in erster Linie zur Unterstützung des Amateursports sowie speziell auch des Kinder- und Jugendsports gegründet wurde. Nichtsdestotrotz machte er auch dem Profisport etwas Hoffnung. Hnilička sprach davon, wie dieser in der schwierigen Corona-Zeit in anderen Ländern von der Politik gestützt werde, zum Beispiel in Deutschland:

Foto: Rudy und Peter Skitterians, Pixabay / CC0

„In Schweden funktioniert das auch. Das könnte uns als eine Art Blaupause dienen, wir verhandeln allerdings im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wichtig aber ist, dass jetzt auch für den Profibereich ein Paket geschnürt wird, mit dem die Vereine aus dem Gröbsten herauskommen können.“

Dies will man auch bezüglich der Quarantäne. Und in diesem Punkt sehe man auch schon einen Silberstreif am Horizont, bemerkt Prokop Beneš:

„Die Meinungen der Epidemiologen, die wir aus den Medien vernommen haben, sprechen unter anderem davon, dass sich die kollektive wie auch die individuelle Quarantäne bis auf fünf Tage verkürzen ließen. Diese Information stimmt uns optimistisch.“

Foto: 3844328, Pixabay / CC0

Und wie als Beleg dafür gab es am Montag auch noch eine gute Nachricht zur Quarantäne-Regelung. Demnach hatten sich die Vertreter der Fußballligen zunächst mit Premier Andrej Babiš (Partei Ano) darauf verständigt, dass nicht die ganze Mannschaft in Quarantäne geschickt wird, wenn sich ein Spieler mit dem Coronavirus infiziert. Voraussetzung dafür ist jedoch die Einhaltung der Hygienevorschriften. Bisher haben die zuständigen Gesundheitsämter jeden Corona-Fall separat geprüft, beim positiven Befund eines Einzelnen nicht selten aber die gesamte Mannschaft in Quarantäne geschickt. Der Prager Club Slavia musste etwa in der vergangenen Woche wegen eines infizierten Spielers sein Trainingslager in Österreich abbrechen. Die neue Regelung, wonach auch die Dauer der Quarantäne von 14 auf zehn Tage verkürzt wurde, wurde noch am Montagabend vom Gesundheitsrat der Regierung gebilligt. Und sie gilt auch für die Ligen im Eishockey und in anderen Mannschaftssportarten. Deshalb seien die Eishockey-Proficlubs auch weiter optimistisch, was den Punktspielstart am 18. September anbelange, so Beneš:

„Ganz konkret muss ich anfügen, dass in unseren Reihen kein Termin für eine eventuelle Verschiebung des Liga-Saisonstarts gefallen ist. Wir tun vielmehr alles dafür, dass der Termin eingehalten wird. Doch dafür brauchen wir eine Unterstützung zu all den Themen, die ich angeführt habe.“

Autor: Lothar Martin
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