Prager Adventstradition: Lampenwächter ist wieder auf der Karlsbrücke unterwegs
Nicht nur die Weihnachtsmärkte sind eine Attraktion zur Adventszeit in Prag. Auf der Karlsbrücke wird außerdem jedes Jahr im Dezember eine Tradition wiederbelebt, die an jene alten Zeiten erinnert, in denen die Straßenlaternen noch mit Gas betrieben wurden.
Gemeinsame Fotos mit ihm sind sehr begehrt. Wer dieser Tage in der Dämmerung die Karlsbrücke in Prag entlanggeht, trifft mit ziemlicher Sicherheit auf den Lampenwärter. Man erkennt ihn an seinem edlen Mantel, der historisch anmutet – schwarz, mit glänzenden Messingknöpfen und einem roten Überwurf. Und in der Hand hält er einen langen Bambusstock, mit dem er die Gaslampen entzündet.
Jan Žákovec kennt die Geschichte seiner Zunft gut:
„Ich habe mir einen Anzug schneidern lassen nach dem Vorbild, wie die Lampenwärter in der Ersten Tschechoslowakischen Republik aussahen. Diesen Beruf gibt es in Prag schon seit über 150 Jahren, konkret seit 1847. Damals wurden die ersten 200 Gaslaternen eingerichtet, und zu der Zeit waren fünf Lampenwärter unterwegs.“
Žákovec ist der Leiter des Museums der Gasbetriebe. Jedes Jahr zur Adventszeit lässt er die Tradition seiner Vorgänger aufleben. Immer nachmittags ist er auf der Karlsbrücke unterwegs und lässt die historischen Gaslampen von Hand aufleuchten. Den Bambusstock, ein Originalstück, leiht er sich dafür aus der Sammlung seines Museums aus. Denn mit diesem über zwei Meter langen Utensil geht das Anschalten ganz schnell...
„Interessant ist, dass die Flamme dabei ein Puffen von sich gibt. Und wenn es kalt ist, also unter null Grad, dann zischt die Lampe. Es ist eben Gas und Feuer, also etwas Lebendiges, im Gegensatz zu elektrischem Strom.“
Auf das Schauspiel, das Žákovec seit Ende November immer am frühen Abend bietet, reagieren die Vorbeigehenden manchmal sogar mit Applaus. Und in der sonnenarmen Winterzeit sorgen die Gaslaternen für eine heimelige Atmosphäre. Wie oft hebt der Lampenwärter denn während einer Schicht den Stock an den Gashebel?
„Direkt auf der Karlsbrücke stehen 37 Gaslampen, und auf dem Kreuzherrenplatz sind es neun. Insgesamt macht das also 46. Der Rundgang wäre normalerweise in zehn Minuten erledigt. Aber da sich die Touristen mit mir fotografieren lassen, dauert es meistens eine bis anderthalb Stunden.“
Wer interessiert ist, kann sich von Žákovec noch einen kurzen Überblick über die historische und aktuelle Gasbeleuchtung in Prag geben lassen. Und auch sonst hat der Lampenwärter einige Anekdoten bereit:
„Ein Mann hat mir einmal erzählt, dass er als Kind auf der Kleinseite gewohnt hat und dort die Lampenwärter ihre Route hatten. Nach der Schicht gingen sie immer in die Kneipe U Kocoura, um Bier zu trinken. Die Lampenstöcke ließen sie aber draußen stehen. Die kleinen Jungs haben sie sich dann geschnappt und sind damit auf dem Kleinseitner Platz herumgelaufen.“
Noch zu Beginn der 1940er Jahre wurden die Prager Straßen und Plätze von mehr als 9000 Gaslaternen beleuchtet. In den folgenden Jahrzehnten wurde jedoch alles nach und nach auf Glühbirnen umgestellt. Weil sie dem historischen Zentrum aber ein romantisches Licht verleihen, gibt es heute wieder zahlreiche Straßenlampen, die mit Erdgas betrieben werden. Sie säumen den Königsweg durch die Altstadt bis hinauf zum Burggelände. Und zur Popularisierung dieser Art der öffentlichen Beleuchtung haben Žákovec und seine Kollegen sogar die Lampenwärter-Zeche gegründet.
Normalerweise werden auch die Gaslaternen in Prag inzwischen computergesteuert angeschaltet. In der Vorweihnachtszeit kann man aber eben an einer nostalgischen Zeitreise teilhaben. Der Lampenwärter ist noch bis Dienstag kommender Woche unterwegs. Er beginnt seinen Rundgang immer um 16 Uhr an der Kirche des Heiligen Franziskus von Assisi.
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