Wärmeres Licht in den Straßen Prags: Nach Kritik soll Beleuchtung umgestellt werden
Weniger blaues Licht: Die neu installierten Straßenlaternen in Prag werden künftig in einem wärmeren Ton leuchten. Die Stadtführung hat bei der laufenden Umrüstung auf weiß strahlende LED-Lampen nun nach dem Widerstand von Bürgern und Forschern eine Kehrtwende angekündigt.
Prag hat, wie auch andere Städte Europas, in den letzten Jahren die Modernisierung der öffentlichen Beleuchtung vorangetrieben. Alte Natriumdampflampen, die ein charakteristisches orange-gelbes Licht erzeugen, dürfen ab nächstem Jahr innnerhalb der Europäischen Union nicht mehr verkauft werden. Denn sie enthalten giftiges Quecksilber. Die tschechische Hauptstadt hat bisher etwa 14 Prozent ihrer insgesamt rund 140.000 Lampen ausgetauscht und auf LED umgerüstet. Diese haben jedoch ein kühleres Licht, und dies stieß Anfang des Jahres bei den Einwohnern Prags auf Widerstand. Fast 11.000 Menschen unterzeichneten bisher die Petition „Chraňme pražskou noc!“ (auf Deutsch: Lasst uns die Prager Nacht schützen!), die vor gesundheitlichen Risiken und Lichtverschmutzung warnt.
Petr Palacký (Grüne) ist Stadtrat im sechsten Prager Bezirk. In einer Straße, die auf der einen Seite von alten orange-gelben Lampen und auf der anderen Seite von neuen LED-Lampen beleuchtet wird, sagt er gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks:
„Ich denke, man erkennt sofort den Unterschied. Das menschliche Auge nimmt die neu installierten Laternen als hellweiß wahr. Diese weiße Farbe wird hauptsächlich durch den Anteil des blauen Lichts bestimmt.“
Das zuständige städtische Unternehmen Technologie Hlavního města Prahy hat bisher bei der Umrüstung Glühbirnen mit einer Farbtemperatur von 3000 Kelvin installiert. Der Stadtbezirk Prag 6 forderte jedoch eine Reduzierung auf 2700 Kelvin. Die Stadträte reagierten damit auf Dutzende Beschwerden von Anwohnern. Wie etwa die von Lukáš Novák:
„Wenn es dunkel wird, sieht man, wie das Licht im Erdgeschoss und im ersten Stock direkt ins Haus scheint. Das Problem bestand schon vorher, aber nicht in diesem Ausmaß. Die alte Lampe leuchtete nicht so stark, vor allem war ihr Licht aber angenehmer. Das neue Licht ist weiß, was abends und zum Schlafen nicht gerade angenehm ist. Wenn ich die Jalousien öffne, muss ich in der Wohnung gar kein Licht mehr anmachen.“
Die negativen Auswirkungen von weißem Licht auf den Schlaf und die menschliche Gesundheit bestätigt Zdeňka Bendová von der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Karlsuniversität. Das menschliche Auge sei deutlich empfindlicher gegenüber blauem Licht als gegenüber wärmeren Farbtönen, sagt sie:
„Der Schlaf kann erheblich beeinträchtigt werden. Studien zeigen, dass die Struktur des Schlafs bereits durch sehr geringe Lichtintensitäten beeinflusst wird. “
Die Stadtführung von Prag beschloss in dieser Woche, dass für die neu installierten Lampen eine wärmere Farbe verwendet werden soll. Sie reagierte damit nicht nur auf die Kritik der Bürger und Wissenschaftler, sondern auch auf ein Förderprogramm des Umweltministeriums für 2700-Kelvin-Lampen. Vize-Oberbürgermeister Michal Hroza (Top 09) bezeichnet die Lösung als einen Kompromiss:
„Die Debatte über die öffentliche Beleuchtung wird nie enden. Selbstverständlich werden wir dort, wo es aus Sicherheitsgründen notwendig ist, weiterhin die Norm nutzen, die 3000 Kelvin zulässt.“
Dementsprechend wird weißes Licht weiterhin beispielsweise an Fußgängerüberwegen installiert. Doch obwohl weißes Licht heller erscheint, ist es laut der Lichtexpertin Lenka Maierová von der Technischen Hochschule (ČVUT) für die Nachtbeleuchtung wenig geeignet. Man sehe darunter sogar schlechter, warnt sie:
„Die Pupillen reagieren auf die Farbe Blau. Sie verengen sich, und man sieht schlechter. Bei warmem Licht hingegen bleiben sie erweitert, und man orientiert sich viel besser.“
Der Stadtrat schlägt nun vor, einen Beleuchtungsombudsmann zu ernennen. Der unabhängige Experte würde sich dann mit Beschwerden und Anregungen der Prager Einwohner befassen. Die aktuellen Kompromissvorschläge werden den Stadtverordneten am Donnerstag zur Verhandlung vorgelegt.
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