Prager Einkaufszentrum Máj: Eine Architekturikone, die seit 50 Jahren die Gemüter erhitzt
Vor 50 Jahren wurde das Kaufhaus Máj auf der Prager Národní třída (Nationalstraße) eröffnet – ein Bauwerk, das es nicht nur geschafft hat, ein Symbol für modernes Einkaufen und ein Schaufenster sozialistischer Architektur zu werden. Das Gebäude kann auch als Beweis dafür dienen, dass gutes Design niemals altert. Die derzeitige Nutzung des Baus wird hingegen kontrovers diskutiert.
Als am 22. April 1975 das Einkaufszentrum Máj erstmals seine Türen öffnete, war das ein Schock. Die elegante Glasfassade, die breiten Rolltreppen, die luftigen Räume – all das wirkte wie aus einer anderen Welt. Während sich die Menschen anderswo in den klassischen Selbstbedienungsläden drängten, bot das Máj ein ganz neues Erlebnis: übersichtliche Abteilungen mit einem umfangreichen Sortiment, in denen das Einkaufen Spaß machte.
Der Entwurf für das Gebäude stammte von John Eisler. Der Architekt arbeitete mit seinen Kollegen Miroslav Masák und Martin Rajniš zusammen. Der Bau galt schon bald als einer der wichtigsten Vertreter des tschechischen High-Tech-Stils.
Kontroverser Umbau
2022 begann man mit umfangreichen Umbauarbeiten des Gebäudes, die insgesamt 4,5 Milliarden Kronen (180 Millionen Euro) verschlangen. 2024 öffnete die Mall wieder ihre Türen. Für Kontroversen sorgten bei der Eröffnung zwei riesige, bewegliche Schmetterlinge des Bildhauers David Černý, die an der Fassade angebracht wurden. Ihr Rumpf ist britischen Spitfire-Kampfflugzeugen nachempfunden. Damit soll an die tschechoslowakischen Piloten erinnert werden, die einst in der Royal Air Force gekämpft haben. Die gigantischen, blinkenden Flügel stießen jedoch bei vielen auf Kritik und wurden als kitschig empfunden.
Auch das Innenleben des Einkaufszentrums wirft heute Fragen auf. Denn es gibt zwar eine Handvoll Restaurants und Geschäfte, und auf dem Dach hat man von einer Aussichtsplattform einen atemberaubenden Blick über Prag. Der Großteil des Gebäudes dient heute aber einer Spiel- und Erlebniswelt mit Automaten und blinkenden Attraktionen für Kinder. Kritiker bezeichnen den Bereich als „Kindercasino“ und bemängeln, dass er im Widerspruch zum historischen Wert des Einkaufszentrums stehe.














