Prager Metro um neues Teilstück mit vier Stationen im Westen erweitert

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Die Prager Metro transportiert täglich rund 1,6 Millionen Menschen. Seit Ostermontag ist ihr Netz um weitere 6,1 Kilometer gewachsen, denn für die Linie A wurden vier neue Stationen in Betrieb genommen. Dadurch können nun auch die Einwohner zweier kleinerer Siedlungen im Prager Westen sowie die Besucher eines großen städtischen Krankenhauses das schnelle Transportmittel nutzen. Doch es gibt auch Kritik, denn die neuen Stationen erfüllen längst nicht alle erwünschten Erfordernisse an einen modernen Verkehrsbau.

Neue Endstation (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Krankenhaus Motol, Endstation.“

Diese Ansage hören die Fahrgäste der Metro ab sofort, wenn sie vom bisherigen Ende der Linie A im Prager Westen, der Station Dejvická, bis an den neuen Endpunkt weiterfahren. Dann überwinden sie auch das neue 6,134 Kilometer lange Teilstück der grünen Trasse und seine drei weiteren Haltepunkte – die Stationen Bořislavka, Nádraží Veleslavín und Petřiny. Mit dem Bau der Streckenverlängerung wurde im Jahr 2009 begonnen, die Kosten belaufen sich auf rund 20 Milliarden Kronen (ca. 730 Millionen Euro). Die Strecke erschließt jedoch keine so dicht bebauten Wohnsiedlungen wie die Linien B und C in den Stadtrandgebieten. Jan Spousta vom Zentrum für Verkehrsforschung:

Jan Spousta (Foto: Archiv von Jan Spousta)
„Auf dem neuen Teilstück kann man mit dem Transport von täglich bis zu 60.000 Menschen rechnen, die in diesem Gebiet wohnen, sowie mit Pendlern, die täglich aus den Einzugsbieten um Kladno und Slaný in die Hauptstadt und zurück fahren. Hinzu kommen die Reisenden, die zum Flughafen wollen oder von dort kommen.“

Gerade für die Letztgenannten hält die Verlängerung der Metro A aber keine echte Verbesserung parat. Der Bustransfer der Flugreisenden von der Metrostation zum Václav-Havel-Flughafen und umgekehrt ist zwar um drei, vier Kilometer und ein paar Minuten kürzer als bisher, doch der Umstieg ist nicht sehr bequem – vom Bahnsteig der Metro hinauf zur Bushaltestelle gibt es nämlich keine Rolltreppe bei dieser Station:

Bahnhof Veleslavín (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Bahnhof Veleslavín.“

Auf die Kritik wegen der fehlenden Rolltreppe reagierte der Generaldirektor der Prager Verkehrsbetriebe, Jaroslav Ďuriš, etwas dünnhäutig:

„Eine Rolltreppe bereits jetzt zu bauen, noch bevor der Staat sein Projekt für eine schnelle Verkehrsanbindung zum Flughafen vollendet hat, halte ich für Geldverschwendung.“

Dieses Projekt ist der Ausbau der noch eingleisigen Bahnstrecke vom Prager Stadtzentrum über den Bahnhof Veleslavín zu einer Schnellverbindung bis zum Flughafen. Weshalb der Staat diese Verkehrslösung favorisiert, dazu sagte Premier Bohuslav Sobotka:

Bohuslav Sobotka (2. von links). Foto: ČTK
„Ich bin überzeugt davon, dass die Modernisierung und der Ausbau der Bahnstrecke zum Václav-Havel-Flughafen billiger sind als der Weiterbau der Metro direkt zum Flughafen.“

Weniger der Geldmangel, sondern eine andere Verknappung hat letztlich auch dazu geführt, dass an keiner der neuen Stationen extra Parkplätze für „Park and Ride“ angeboten werden. Jan Spousta:

„Leider gab es keine Möglichkeit, diese Parkplätze zu errichten, denn die Verlängerung der Strecke wurde so konzipiert, dass die neuen Metrostationen inmitten von Wohngebieten liegen.“

Station Petřiny (Foto: ČTK)
Für die Einwohner der Wohngebiete ist die neue Metrostrecke sicher eine willkommene Erleichterung im täglichen Stadtverkehr. Die Verkehrsplaner indes haben eine Möglichkeit vergeben, für noch bessere Entlastung zu sorgen.