Prager Stadtbezirk initiierte Schülerwettbewerb im Anti-Raucher-Kampf

In Tschechien gilt ab dem 1. Januar dieses Jahres ein neues Anti-Raucher-Gesetz, das Glimmstengel-Konsumenten untersagt, an bestimmten öffentlichen Plätzen und Einrichtungen zu rauchen. Man weiß jedoch auch hierzulande, dass man den Kampf gegen das übermäßige Rauchen mit einem Verbot alleine nicht gewinnen kann. Über eine Initiative, die sich mit dem Rauchen von Minderjährigen auseinandersetzt, berichtet Lothar Martin.

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Der im Südwesten von Prag gelegene 13. Stadtbezirk besteht in erster Linie aus riesigen Plattensiedlungen, in denen vor allem Familien mit Kindern zu Hause sind. Und diese Kinder und Jugendlichen unterliegen in ihrer Schul- und Freizeit nicht selten den unterschiedlichsten Versuchungen. Dazu gehört leider auch das Rauchen im bereits vorpubertären Alter. Diese Erkenntnis war auch der Grund für eine Initiative von Stadtbezirks-Bürgermeister David Vodrazka. Er organisierte nämlich einen Schülerwettbewerb, dessen Sieger am Dienstag verkündet und prämiert wurden.

"Mich hat dazu ein Erlebnis an einer Grundschule geführt. Der Direktor dieser Grundschule hatte mich darüber informiert, dass vor dem Schulgebäude ständig Schüler, und zwar nicht die älteren, sondern relativ junge Schüler rauchen. Das habe ich mir angesehen und festgestellt, dass diese jungen Schüler sich in der Tat ziemlich regelmäßig schon vor dem Unterricht eine Zigarette anzünden. Als ich den Direktor daraufhin fragte, was er dagegen unternehme, antwortete er, die Eltern dieser Kinder bereits vorgeladen zu haben. Von einigen dieser Eltern aber habe er zu hören bekommen, dass man ihren Kindern doch das Rauchen lassen sollte, weil sie vor dem Unterricht schrecklich nervös seien. Für mich ist das Irrsinn und ich habe mir gesagt, man muss etwas tun, um die Schüler zum Nachdenken zu zwingen. Und so ist dieser Wettbewerb entstanden."

Auf Initiative von Bürgermeister Vodrazka wurde Anfang November an den Schulen des 13. Stadtbezirks ein Zeichenwettbewerb ausgerufen, bei dem die Schüler der mittleren Jahrgänge Anti-Raucher-Plakate gestalten sollten. Daraufhin wurden 54 Zeichnungen zum Wettbewerb eingereicht, von denen die besten nun einen Monat lang im Atrium des Stadtbezirks-Rathauses ausgestellt sind. Bei der Preisverleihung am Dienstag verriet mir die Siegerin des Wettbewerbs, Valeria Tolia aus der siebten Klasse der Grundschule in der Brdickova-Straße, dass sie und ihre Mitschüler nun durchaus ernsthafter mit dem Thema Rauchen umgehen:

"Bei uns in der Klasse wurde auch geraucht, aber jetzt haben wir damit aufgehört. Denn beim Zeichnen unserer Plakate haben wir gemerkt, was das Rauchen alles im Menschen bewirken kann, so dass wir jetzt NEIN zum Rauchen sagen."

Die Grundschullehrerin Ludmila Pecharova warnte jedoch davor, dass man bei der Bekämpfung des Rauchens von Minderjährigen auf Dauer keinen Erfolg haben wird, wenn sich Folgendes nicht grundlegend ändert.

"Wir können für die Schüler noch so viele Aufklärungskampagnen über die Sucht nach Drogen und Nikotin führen, es bringt nichts, wenn sie dann in das erstbeste Geschäft gehen, und man ihnen dort Zigaretten verkauft. Das ist traurig. Daher hoffe ich, dass das neue Gesetz, das mit Jahresbeginn in Kraft getreten ist, endlich seinen Zweck erfüllt und dazu führt, dass die Verkäufer von Zigaretten an Minderjährige härter bestraft werden. Unsere Schüler sagen uns nämlich immer frank und frei, in welchem Geschäft sie die Zigaretten gekauft haben."