Prague Writers Festival - berühmte Schriftsteller aus aller Welt in Prag

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Zum Anhören des folgenden Beitrags im Format Real audio klicken Sie bitte hier: In der tschechischen Metropole lässt man zur Zeit am Prague Writers Festival die internationale Schriftstellerelite, Revue passieren. Zeitungen titeln anlässlich der illustren Gäste sensationslüstern "er hat gar keine Starallüren" oder "kein Schritt ohne Bodyguard". Dass es sich bei Literaten doch nicht ganz um smarte Hollywoodgrössen handelt, erfahren Sie aus dem folgenden Beitrag unserer freien Mitarbeiterin Marcela Pozarek.

An seinem Kultbuch "Den satanischen Versen" würde er auch heute keinen einzigen Satz ändern, stellte Salman Rushdie knapp fest und damit war das Thema zumindest für ihn vom Tisch, auch wenn tschechische Journalisten bei direkter Tuchfühlung mit dem Kultautor nicht von dem spektakulären Thema lassen konnten.

Der diesjährige, bereits 11. Jahrgang der Schriftstellerfestivals steht unter Primo Levis Motto: "Wann, wenn nicht jetzt". Der Frage nach Vergangenheitsbewältigung und Geschichtsreflexion also, die von Salman Rushdie während einer Pressekonferenz aufgegriffen wurde. Zum Thema Meinungsfreiheit meinte er:

"Ich denke, dass Menschen heute immer sehr stark ihre Meinung verteidigen. Es scheint so, als herrsche diesbezüglich sogar ein gewisser Stolz in dem Augenblick, wo man felsenfest überzeugt, etwas verteidigt. Man muss aber bedenken, dass immer dann wenn Menschen frei ihre Meinung sagen, es immer solche geben wird, die ganz anderer Ansicht sind. So ist die Verteidigung der Meinungsfreiheit immer auch die Verteidigung des Rechts, etwas sagen zu können, was andere nicht hören wollen. Demokratie ist keine friedvolle Angelegenheit, sondern immer sehr konfliktreich. Es gibt viele verschiedene Stimmen und Meinungen, die können zu Konflikten führen und das ist letztlich eine Definition von Frieden. Wo es nur eine Stimme gibt und alle anderen sind still, ist keine Friede."

Eine Probe aufs Exempel im Bezug auf Meinungsvielfalt und Vielstimmigkeit konnte man am Writers Festival anlässlich des Besuchs eines amerikanischen Schriftstellerstars machen. Der tschechische Parlamentspräsident Vaclav Klaus legte sich mit Erfolgsautor Gore Vidal an, er bezichtigte den Schriftsteller den Kalten Krieg aus einer linksliberalen Ecke aus zu betrachten. So konstatierte Klaus zum Thema Meinungsfreiheit in postkommunistischen Staaten in einer Zeitungskolumne: " Es geht nicht darum, ob hier Meinungsfreiheit herrscht. Ob ein Mensch seine Meinung äussern oder nicht äussern kann, eine Meinung die einem anderen vielleicht nicht gefällt. Bei uns existiert natürlich Freiheit. Aber gewisse Meinungen kann man hier elf Jahre nach dem Fall des Kommunismus nicht einfach so dahinsagen, sie bedürfen einer Erklärung ..."

Gore Vidal lässt sich aber keinen Maulkorb umhängen und so meinte er zu seiner Ansicht, dass der Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wesentlich zur Destabilisierung Europas beitrug:

"Das hängt bestimmt nicht mit meiner inneren Aversion zusammen, etwa gar gegen die Entstehung der Tschechoslowakischen Republik. Der amerikanische Staatspräsident Thomas Woodrow Wilson hatte aber keine Ahnung von europäischen Angelegenheiten, er war ein stark religiös veranlagter Staatsmann und so ein Mensch entschied, dass Staaten wie Jugoslawien und die Tschechische Republik entstehen. Dadurch kam es in Europa zu einem gewissen Chaos..."

An spannenden Geistesgrössen und kontroversen Meinungen wird es in den nächsten Tagen am Prague Writers Festival sicher nicht fehlen, zumal beispielsweise Robert Menasse erwartet wird und Autoren wie Adolf Muschg auch schon in Prag weilen. Wir werden sie also auf dem Laufenden halten.

Autor: Marcela Pozarek
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