Preisschock am Zapfhahn: Wie viel kostet Benzin in Tschechien? Und was macht die Regierung?
Schnell mal über die Grenze zum Tanken fahren – das gehört für viele Menschen in Sachsen und Bayern heute zum Alltag dazu. Aber wie entwickeln sich die Spritpreise in Tschechien angesichts des aktuellen Iran-Kriegs?
Über zwei Euro pro Liter für Diesel und Super – so viel muss man derzeit in Deutschland an den Tankstellen berappen. Und auch in Tschechien sind die Spritpreise zuletzt gestiegen. Bei Diesel lag der Durchschnittspreis am Donnerstagvormittag bei 40,89 Kronen (1,67 Euro). Das sind rund 7,79 Kronen (0,32 Euro) mehr als vor dem Ausbruch des kriegerischen Konflikts im Nahen Osten. Bei Super 95 ist der Preisanstieg zwar nicht ganz so hoch, mit 37,18 Kronen (1,52 Euro) pro Liter mussten aber auch die Fahrer von Benzinern am Donnerstag tief in die Tasche greifen.
Eine Einschätzung für die weitere Entwicklung abzugeben, sei derzeit kaum möglich, sagte Ivan Indráček am Donnerstagmorgen in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Er ist der Vorsitzende der Union der unabhängigen Raffineriebetreiber in Tschechien (SČS):
„Vorgestern sah es kurz gut aus. Die Preise an den internationalen Märkten gingen zurück, denn Donald Trump hatte angekündigt, dass der Krieg sehr erfolgreich sei und er in einer Woche das erreicht habe, was für drei Wochen geplant war. Diese Aussage erwies sich jedoch als übertrieben. In der Nacht auf Donnerstag hat der Iran erneut mehrere Häfen bombardiert. An den Märkten läuteten aus diesem Grund die Alarmglocken, und am Donnerstagmorgen stiegen die Dieselpreise hierzulande erneut um anderthalb Kronen (0,06 Euro).“
An der Preisentwicklung sind laut den Tankstellenbetreibern aber nicht nur die Ölpreise an den Weltmärkten Schuld. Vielerorts käme es auch zu Hamsterkäufen. Betroffen sind davon vor allem die Zapfstellen an der Grenze zu Sachsen und Bayern. Josef Kindl, Tankwart in Babylon in der Nähe von Domažlice, berichtet:
„Täglich haben wir jetzt um die 2000 zahlende Kunden. So viele waren es früher nur am Wochenende, aber jetzt ist das auch unter der Woche der Fall. Und samstags und sonntags sind es dann noch mehr Leute. Es kommen fast nur Deutsche zu uns. Sie tanken ihr Auto voll und füllen mitunter auch noch 100 Liter in Kanister. Irgendeinen Behälter hat eigentlich jeder Deutsche dabei.“
Teilweise begeben sich die Kunden aus dem Nachbarland damit aber auf dünnes Eis. Denn in der EU dürfen nur 20 Liter Kraftstoff mit dem Auto in Kanistern über die Grenze gebracht werden. Der deutsche Zoll führt deshalb verstärkt Stichprobenkontrollen an den Grenzübergängen durch.
Wegen der großen Nachfrage müssen einige Tankstellen in Tschechien derzeit häufiger als sonst beliefert werden. Die Befürchtung, dass im Land die Kraftstoffvorräte knapp werden könnten, weist Pavel Švagr aber zurück. Er ist der Vorsitzende der staatlichen Materialverwaltung (SSHR):
„Neben den kommerziellen Vorräten hat auch der Staat noch Notreserven. Sie reichen derzeit für 89 Tage bei normalem Verbrauch aus. Es gibt also objektiv gesehen keinen Grund, weswegen die Autofahrer Treibstoff horten müssten.“
Um sicherzustellen, dass die Tankstellenbetreiber aus der aktuellen Lage keinen Profit schlagen und übermäßige Margen einstreichen, hat Tschechiens Finanzministerin Alena Schillerová (Partei Ano) ein Monitoring der Kraftstoffpreise angekündigt:
„Mein Ministerium hat am Freitag eine Anweisung ausgegeben. Und wir haben begonnen, die Preise zu überwachen. Alles hängt nun von der Entwicklung der Lage ab. Weitere Maßnahmen planen wir bisher nicht.“
Die Tankstellenbetreiber müssen ihre Preise an den Zapfhähnen erstmalig am Montag kommender Woche an das Finanzministerium melden. Übermittelt werden dann auch die Daten der letzten vier Wochen. Das Ministerium erhofft sich davon, die Preisgestaltung vor und nach dem Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran vergleichen zu können. Michal Žurovec ist der Sprecher des Ressorts und sagt:
„Das Ministerium wird die Daten nach dem Erhalt auswerten und die Margen beurteilen. Sollten sie sich als unangemessen herausstellen, sind wir auch zu einem extremen Schritt bereit, nämlich zur Regulierung der maximalen Gewinnmarge.“
Wie es am Donnerstag aber vom Finanzministerium hieß, sehe es derzeit nicht danach aus, als ob die Anbieter die Gewinnspannen künstlich ausweiten würden.
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