Presseeinblicke – und: die neue Nachrichtenagentur Mediafax

Im Medienspiegel präsentieren wir Ihnen diesmal Pressestimmen zur Durchleuchtung der Privatfinanzen von Vizepremier Jiří Čunek und den Auswirkungen der starken Krone. Dazu stellen wir die neue tschechische Nachrichtenagentur Mediafax vor.

Jiří Čunek (Foto: ČTK)
Die für die Sommermonate charakteristische so genannte „Saure-Gurken-Zeit“ während der es in den Medien oft an zugkräftigen Themen fehlt scheint in dieses Jahr - zumindest in Tschechien - auszufallen. Einer der Gründe dafür ist sicherlich die nicht enden wollende Debatte rund um den tschechischen Vizepremier Jiří Čunek und dessen möglichen Verstrickungen in eine Korruptionsaffäre. Die Čunek-Berichterstattung hat nicht zuletzt neuen Auftrieb bekommen, als die Ergebnisse eines Prüfberichts veröffentlicht wurden, die Čuneks finanzielle Situation, seine privaten Einkünfte und Ausgaben der letzten Jahre unter die Lupe genommen haben.

Die „Mladá fronta Dnes“, die auflagenstärkste unter den seriösen tschechischen Blättern, hat dem Thema Čunek ihre Mittwoch-Ausgabe gewidmet, die „Lidové noviny“ sogar ihre Mittwochs- und Donnerstagsausgabe.

Zu den unpolitischen Angelegenheiten, die in der vergangenen Woche behandelt wurde, gehörte vor allem das in diesen Tage wieder strapazierte Thema einer möglichen Ausweitung des Fahrverbots für schwere LKW auf Tschechiens Autobahnen, die gerade in den Sommermonaten maßgeblich an Staus und Unfällen auf den wichtigsten Transitstrecken beteiligt sind.

Die „Lidové noviny“ widmete sich in den letzten Tagen einem urtschechischen Thema: nämlich der Fusion der belgischen Brauerei InBev und des amerikanischen Giganten Anheuser-Busch zum größten Bierproduzenten der Welt. Auf ihrer Themenseite ging sie dabei der Frage nach, welche Auswirkungen das für die tschechischen Bierbrauer haben könnte.

Abschließend noch ein kurzer Blick in die Wirtschaftszeitung „Hospodářské noviny“. Dort fand sich unter anderem eine Titelgeschichte über die Auswirkungen der starken Krone auf die Höhe der EU-Fördermittel, die in naher Zukunft nach Tschechien fließen sollen. Laut der Zeitung sollen die Ausfälle auf Grund des gegenwärtigen Wechselkurses bis zu 150 Milliarden Kronen betragen.

Soweit unser kleiner Presseüberblick für diese Woche.


Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, ist die tschechische Medienlandschaft Mitte Juni um einen Akteur reicher geworden. Die Rede ist von der privaten Nachrichtenagentur Mediafax, die der früher staatlichen und heute öffentlich-rechtlichen Agentur ČTK konkurrieren will. Auf den ersten Blick ist das kein leichtes Unterfangen, denn schließlich hatte die „Tschetka“, wie ČTK von Journalisten genannt wird, über viele Jahre faktisch eine Monopolstellung. Auf ihr Nachrichtenangebot waren praktisch alle weiteren Medien im Land – von den großen überregionalen Zeitungen bis zum kleinsten Lokalradio – angewiesen. Doch dass soll sich nun ändern und die neue Agentur Mediafax will dazu maßgeblich beitragen, wie ihre Presseprecherin Pavlína Malá gegenüber Radio Prag erklärt.

Wann genau hat die Agentur Mediafax ihre Arbeit aufgenommen und worin sieht sie ihre Chance gegenüber dem dominanten Mitbewerber?

„Die Nachrichtenagentur Mediafax wurde am 11. Juni dieses Jahres gegründet. Seit diesem Zeitpunkt liefert sie ununterbrochen Nachrichten – Texte, Fotos und auch Infografiken. Zu unseren Kunden gehören Medien, aber auch öffentliche Einrichtungen, denen wir einen kompletten Service bieten. Frühere Versuche, eine Alternative zur ČTK zu etablieren, fanden in den frühen 90er Jahren statt, also in einer Zeit, wo die Entwicklung im Medienbereich noch nicht auf einem so hohen Niveau war. Mit der Verbreitung des Internet und der bedeutend schnelleren Erfassung und Übermittlung von Nachrichten hat eine große Veränderung in der Medienlandschaft stattgefunden. Es gibt heute Internet-Portale, Gratiszeitungen, digitale Fernsehstationen und Weiteres. In der Folge ist eine weitaus größere Nachfrage auf dem Markt entstanden, weil sich die Zahl der potentiellen Kunden erhöht hat. Darin liegt auch unsere Chance, da wir einen schnellen und qualitativ hochwertigen Service anbieten. Wir können auf die Unterstützung unserer rumänischen Schwester Mediafax bauen, die über 17 Jahre Erfahrung als Nachrichtenagentur verfügt. Die Kollegen haben uns zu Beginn stark geholfen und sie helfen uns auch jetzt noch.“

Die Erwähnung, dass die tschechische Mediafax auf das Know-How ihrer rumänischen Muttergesellschaft zurückgreifen kann, der es in ihrem Heimatland schon vor Jahren gelungen ist die Nummer 1 zu werden, ist aus einem bestimmten Grund nicht uninteressant: Der Chef von Mediafax, der Rumäne Adrian Sarbu, ist gleichzeitig auch Chef des Eigentümers des größten tschechischen Fernsehsenders, des privaten Kanals TV Nova. Doch zwischen TV Nova und Mediafax gebe es keine besondere Zusammenarbeit, betont Pavlína Malá:

„TV Nova ist für uns ein Kunde wie jede andere private oder öffentliche Mediengesellschaft, und es gibt auch keinen direkten Zusammenhang zwischen TV Nova und unserer Agentur. Aber die Reporter von TV Nova, wie auch von deren Internetportal tn.cz, sind in unserem System registriert und können versuchsweise unsere Nachrichten verwenden. Gegenwärtig wird auch an einem konkreten Preisvorschlag für Nova gearbeitet. Aber wie ich bereits erwähnt habe – für uns ist der Fernsehsender ein Kunde wie jeder andere und die Entscheidung, ob er unsere Dienste in Anspruch nehmen wird oder nicht, bleibt ihm vorbehalten.“

Mediafax bietet seine Dienste seit etwas mehr als einem Monat an. Werden dabei bereits alle journalistischen Bereiche abgedeckt, also nicht nur die klassischen Felder wie Inlands-, Wirtschafts-, oder Sportberichterstattung, sondern zum Beispiel auch Nachrichten aus dem Chronikbereich? Dazu Pavlína Malá:

„Wir sind als vollwertige Agentur angetreten. Das heißt, wir decken bei unserem Angebot alle Bereiche ab – die Inlands- und Auslandsberichterstattung, Sport, Kultur, Chronik, Regionen, Wirtschaft. Daran wird sich in Zukunft auch nichts ändern. Wir haben ungefähr drei Wochen, nachdem wir den Betrieb aufnahmen und unseren potentiellen Kunden gratis Zugang zu unserem Angebot gewährt haben, eine Analyse durchgeführt. Dabei ist herausgekommen, dass wir die meisten Nachrichten im Bereich des Sports veröffentlicht haben, gefolgt von Nachrichten aus den Regionen und aus der Wirtschaft. Der Sport stand deshalb so stark im Vordergrund, weil zu dem Zeitpunkt gerade die Fußball-Europameisterschaft stattfand. Wir bedienen aber sicherlich alle Nachrichtenfelder.“

Wie viele Journalisten sind gegenwärtig bei der Agentur Mediafax beschäftigt? Hören Sie dazu abschließend noch einmal die Pressesprecherin von Mediafax, Pavlína Malá:

„Das aktuelle Geschehen verfolgen 120 Reporter, Fotografen, Grafiker. Es handelt sich um erfahrene Leute, die früher im Print oder auch bei elektronischen Medien tätig waren. Wir verfügen zudem über ein Netz von regionalen Berichterstattern, die von 24 Orten im ganzen Land berichten. Gegenwärtig sind wir dabei, ein Netz von Mitarbeitern im Ausland aufzubauen, die in naher Zukunft aus mehreren Staaten auf der ganzen Welt Nachrichten liefern werden. Das Netz von Mediafax wird hoffentlich immer dichter.“