Presseschau: Terrorakte in den USA und der geplante Gegenschlag

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Die Terrorakte in den USA und der geplante Gegenschlag gegen den internationalen Terrorismus sind auch eine Woche nach der Tragödie Thema Nr. 1 in der tschechischen Presse. Markéta Maurová hat für Sie in den Zeitungen geblättert.

Die Tageszeitung Lidove noviny warnt davor, dass sich der Kampf gegen den Terrorismus unauffällig in die Beschränkung der Bürgerfreiheiten verwandeln könnte. Die tschechische Regierung wolle sich auf diejenigen konzentrieren, die den Terrorismus billigen. Dies sei einfacher als die Kontakte der Waffenexporteure zu untersuchen und Firmen hierzulande ausfindig zu machen, die Terroristen unterstützen. Ein anderer Kommentator desselben Blattes empfiehlt eine prinzipielle Lösung: keine Handelsbeziehungen mit den Ländern zu unterhalten, die den Terrorismus unterstützen oder dessen verdächtigt werden. "Dies würde jedoch bedeuten, die bisherige Handelspolitik zu ändern und sich mit kleineren Gewinnen zu begnügen. Und dazu wird nach dem Abklingen der heutigen Schrecken keiner bereit sein - weder die tschechische Regierung noch die EU noch die USA," so der Kommentator von Lidove noviny wörtlich.

Wie lässt sich die Lawine der Gewalt stoppen?, fragt das linksorientierte Blatt Pravo. Keinesfalls mit Verhandlungen oder Zugeständnissen an Terroristen. Die Lage sei nicht hoffnungslos - auf Dauer lasse sich vielleicht der soziale Abgrund zwischen Nord und Süd mit Initiativen zum Schuldenerlass etwas schließen. Nur mit solchen und ähnlichen Maßnahmen könne man tatkräftig das Böse an den Wurzeln packen.

"Der Krieg wird uns treffen", heißt der Titel des Kommentars in der Tageszeitung Mlada fronta DNES. Als die schlimmste Variante prophezeit dessen Autor, dass Prag das erleben könne, was in New York passierte. "Es klingt grausam, aber ein normaler Mensch kann seine Sicherheit vor dem Terrorismus kaum beeinflussen. Desto mehr müssen Politiker, Armee, Geheimdienste und Polizei die ernste Lage in Betracht nehmen. Trotz einiger Andeutungen scheint es bisher nicht, dass sie zur Kenntnis nehmen, dass sich dieses Land im Kriegszustand befindet."

Das Wirtschaftsblatt Hospodarske noviny bemerkt, dass die Emotionen in eine blinde Vergeltung münden. "Leider geschieht dies auch bei uns. Einige Politiker nutzen die Emotionen dazu, ihre Feinde zu brandmarken." Es gebe hier internationale Verbrecher und Rechtsextremisten, die bestraft werden müssen. "Es ist aber nicht möglich, auch normale Bürger in einen Sack mit diesen Elementen zu werfen, die den Terror nicht entzünden. Sie haben sich auch nicht dadurch schuldig gemacht, dass sie eine bisschen andere Meinung als der ein oder andere Politiker haben."