Professionelle Pflegeeltern betreuen seit einem Jahr tschechische Babys

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Pflegeeltern zu sein - seit beinahe einem Jahr gilt dies in Tschechien als Beruf. Durch das Gesetz über sozial-rechtlichen Schutz von Kindern, das im Januar 2013 in Kraft getreten ist, sind mehr als hundert professionelle Pflegeeltern hierzulande tätig; sie betreuen für eine gewisse Zeit Säuglinge. Außerdem haben sich auch die Bedingungen für klassische Pflegefamilien verbessert, die langfristig für Kinder sorgen.

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Seit einem Jahr betreuen professionelle Pflegeeltern tschechische Babys, deren Eltern sich nicht um sie kümmern können oder wollen. Die Pflegeeltern übernehmen die Arbeit von Kinderzentren, die hierzulande als Säuglingsheime bezeichnet werden. Insgesamt wurden schon etwa 100 Pflegeeltern zugelassen. Weitere zig Interessenten warten zurzeit auf eine Bewilligung.

„Im Idealfall bräuchten wir etwa 500 kurzfristige Pflegeeltern in Tschechien. Dennoch ist ihre Zahl derzeit wesentlich höher, als wir zuvor angenommen hatten“, sagt Kateřina Jirková vom Arbeits- und Sozialministerium.

Daniel Rychlík (Foto: ČT24)
Es sind meist sehr kleine Babys, die zu kurzfristigen Pflegeeltern kommen. Das Baby bleibt dann in der Regel nur ein paar Monate dort – bis es zurück zu seinen leiblichen Eltern kommen kann oder eine Adoptionsfamilie beziehungsweise eine langfristige Pflegefamilie gefunden wird. Im Mährisch-Schlesischen Kreis haben zum Beispiel 30 Kinder in diesem Jahr gewisse Zeit in dieser vorübergehenden Pflege verbracht, 25 davon befinden sich bereits in einer neuen Familie. Daniel Rychlík von der Sozialabteilung des Kreisamtes in Ostrava / Ostrau: „Diese Kinder haben den Vorteil, dass sie keinen einzigen Tag in einer Anstalt verbracht haben.“

Monika Stránská (Foto: ČT24)
Eine Bahnbrecherin in diesem Bereich ist Monika Stránská aus Nordböhmen. Sie hat zurzeit ein nur wenige Tage altes Baby, das von seinen biologischen Eltern abgelehnt wurde. Ihre eigenen Kinder sind bereits 24 und 12 Jahre alt. Vor sechs Jahren nahm sie zudem ein damals dreijähriges Mädchen in ständige Pflege. Außerdem hat sie sich für kurzes bereits um sieben neugeborene Kinder gekümmert:

„Die Babys brauchen die Liebe eines Menschen. Das kann ich ihnen geben.“

Foto: Kristýna Maková
Wie lange das jetzige Baby bei ihr bleibt, weiß sie noch nicht. Doch es werde nicht mehr als ein Jahr sein, so Monika Stránská:

„Wenn ich das Kind aus der Geburtsklinik bekomme, muss ich das so betrachten, dass ich ihm nur helfe. Nach mir kommen neue Eltern, und das ist sehr schön.“

Neben der Etablierung kurzfristiger Pflegeeltern hat das Gesetz auch die Bedingungen für klassische Pflegeeltern verbessert. Die Pflegefamilie Lexa aus Nordmähren kümmert sich um sieben Kinder. Mit dem neuen Gesetz sind sie zufrieden:

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„Wir erhalten jetzt mehr Leistungen vom Staat. Wenn wir früher ein Problem hatten und beraten werden wollten, mussten wir selbst nach den entsprechenden Experten suchen.“

Trotz der Einführung der vorübergehenden Pflege sind etwa 10.000 Kinder im Alter bis zu drei Jahren weiter in Kinderzentren untergebracht. Nach einer Berechnung der Liga für Menschenrechte kostet die Pflege dort aber etwa das Doppelte wie bei Pflegeeltern. Im Kinderzentrum liegen die Jahreskosten für ein Kind bei etwa 450.000 Kronen (17.000 Euro), in einer Pflegefamilie bei ungefähr 240.000 Kronen (8900 Euro). Die Arbeit der Pflegeeltern ist seit Anfang dieses Jahres als eigenständiger Beruf eingestuft, mit einer entsprechenden Entlohnung. Das Monatsgehalt liegt bei 24.000 Kronen (890 Euro), also knapp unter dem Durchschnittsgehalt hierzulande.