„Radio Prag ist uns wichtig“ – Kristina Larischová, tschechisches Außenministerium

Kristina Larischová (Foto: Archiv von Kristina Larischová)

Dass Radio Prag am Mittwoch feiert, hat auch Bedeutung für das tschechische Außenministerium. Denn der Sender ist eine der Stimmen Tschechiens in der Welt. Dazu ein Interview mit Kristina Larischová, Leiterin des Referats Öffentliche Diplomatie am Außenministerium.

Kristina Larischová  (Foto: Archiv von Kristina Larischová)
Frau Larischová, Radio Prag wird vom tschechischen Außenministerium finanziert. Welche Bedeutung hat der Sender für die Außendarstellung der Tschechischen Republik?

„Radio Prag wird, um das etwas genauer zu sagen, aus dem tschechischen Staatsbudget finanziert. Der Sender soll ja aufgrund des Rundfunk-Gesetzes dazu beitragen, ein positives Bild Tschechiens im Ausland zu zeichnen. Daher ist es selbstverständlich, dass das Außenministerium gemeinsam mit dem Tschechischen Rundfunk die Auslandssendungen garantiert. Soweit zur Finanzierung. In diesem Jahr feiern wir ja ein bedeutendes, rundes Jubiläum des Senders. Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen, Radio Prag zum 80. Geburtstag ganz herzlich zu gratulieren. Wir im Außenministerium halten Radio Prag für ein ganz wichtiges Element der öffentlichen Diplomatie unseres Landes. Der Sender spricht ein breitgefächertes Publikum im Ausland an, und genau daran liegt uns. Dass damit eine aktuelle Berichterstattung über das Geschehen in Tschechien in fünf Weltsprachen – Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Russisch – garantiert wird, hat aus der Sicht der Außendarstellung große Bedeutung. Und aus der Perspektive der tschechischen Außenpolitik ist zudem wichtig, dass auch die tschechischen Landsleute eine der Zielgruppen sind. Dazu zählen nicht nur die sogenannten Expats, die nach der politischen Wende ins Ausland gegangen sind, sondern auch die Emigranten oder Exilanten und ihre Kinder. Sie wollen vielleicht den Kontakt zu ihrer früheren Heimat aufrechterhalten, und daran ist auch uns im Außenministerium gelegen.“

Gebäude des tschechischen Außenministeriums | Foto: Archiv des tschechischen Außenministeriums
Sie haben es schon angesprochen: Wir sind dem öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunk angegliedert. Zugleich werden wir, wie gesagt, vom tschechischen Staat finanziert. Sehen Sie da ein Spannungsverhältnis?

„Das ist kein unübliches Modell, eine Mehrheit der EU-Länder betreibt Sendungen ins Ausland, und zwar im öffentlichen Interesse. Meist werden diese Sender durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkhäuser betrieben. Die finanzielle Sicherung von Radio Prag fließt aus dem Staatshaushalt durch das Budget des tschechischen Außenministeriums. Daraus ergibt sich, wie gesagt, eine gewisse Pflicht für das Außenministerium. Und zwar ist es die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass die Mittel der Steuerzahler im Einklang mit dem Gesetz und der Zielsetzung von Radio Prag verwendet werden. Um auf Ihre Frage zurückzukommen und klar zu antworten: Nein, ich sehe da eigentlich kein Spannungsverhältnis. Und ich denke, das entspricht auch den Modellen im Ausland.“

Mitarbeiter von Radio Prag  (Foto: Khalil Baalbaki,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Wenn man konkret die deutschsprachigen Länder nimmt: Welche Aufgaben kommen aus Ihrer Sicht der Berichterstattung unserer Redaktion von Radio Prag zu?

„Angesichts der Tatsache, dass Tschechien eng mit seinen deutschsprachigen Nachbarn verbunden ist, kommt natürlich der deutschsprachigen Redaktion eine besondere Stellung zu. Wenn man sich das außenpolitische Konzept Tschechiens anschaut, dann haben folgenden Themen eine Priorität: die Europäische Union, also die europapolitische Stellung des Landes, Zentraleuropa inklusive der Visegrad-Gruppe und die nachbarschaftlichen Beziehungen. Mit den deutschsprachigen Ländern verbindet uns ein dichtes Gewebe von wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Beziehungen. Außerdem teilen wir historische und soziale Erfahrungen, die uns in gewissem Umfang gemeinsam sind. Radio Prag vermittelt ein verständliches und – wie wir denken – ausgewogenes Bild des Geschehens und Lebens in Tschechien. Darunter verstehen wir auch, dass die Hörer eine gewisse Vorstellung davon erhalten, welches die tschechischen Positionen im europapolitischen und im außenpolitischen Bereich sind.“

Foto: Kristýna Maková,  Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag
Radio Prag ist mittlerweile vor allem ein Internetsender. Soll das so bleiben, oder gibt es Überlegungen, etwas daran zu ändern?

„Man muss realistisch sein. Die tatsächlichen Möglichkeiten, um den Sender technisch weiterzuentwickeln, sind durch das Budget beschränkt. Leider. Meines Erachtens ermöglichen Internet und Social Media, ein interessantes Zuhörerspektrum zu erreichen – zum Beispiel die tschechischen Expats der neuen Zeit oder potenzielle Besucher Tschechiens. Ich denke, dass sich Radio Prag künftig eher in diese Richtung weiterentwickeln dürfte. Der Sender besteht seit 1936, was beachtlich ist. Ich finde, es ist im öffentlichen Interesse, dass diese Tradition nicht nur fortgesetzt, sondern auch mit modernen Mitteln weiterentwickelt wird. Mit den technischen Mitteln meine ich das, was ich gerade erwähnt habe: Internet, soziale Medien, das ist die Richtung, die wir brauchen.“

Autor: Till Janzer
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