Radio Svobodna Evropa - 50. Jubiläum

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"Radio Svobodna Evropa", "Radio Freies Europa", wird am 1. Mai sein 50. Jubiläum begehen. Anlass genug für uns, sich dem bekannten Radiosender in diesem Schauplatz ausführlicher zu widmen. Liebe Hörerinnen und Hörer, am Mikrophon begrüßen Sie Jitka Mladkova und Olaf Barth.

Im Jahre 1949 wurde jener Ausschuss für Radio Freies Europa (RFE) gegründet, der den Sender vorbereitet und schließlich institutionalisiert hat. Die eigentlichen Sendungen in die ehemalige Tschechoslowakei begannen offiziell am 1. Mai 1951. Allerdings gab es schon seit 1950 sog. "Probesendungen", die von einem in Deutschland an der Grenze zur Tschechoslowakei platzierten LKW aus gesendet wurden. Es handelte sich um Aufnahmen von verschiedenen Programmen aus den USA. Seinen Sitz hatte RaFrEu ab 1951 in München. Seit 1995 ist das Hauptquartier von RFE in Prag. Die finanziellen Mittel stellte zunächst der Geheimdienst CIA und ab 1971 der amerikanische Kongress bereit.

Heute verfügt man über 24 Büros, die sich über 13 Zeitzonen in Mittel- und Osteuropa sowie Asien verteilen. Gesendet wird in 25 Sprachen, u.a. in Armenisch, Kirgisisch und Persisch.

Mehr über die Bedeutung des Senders RFE verrät uns der Direktor der tschechischen Sektion Pavel Pechacek:

"Ich denke, in den 50 Jahren seiner Existenz hat RaFrEu nicht nur für Ost- sondern auch für Mitteleuropa sehr viel geleistet. Die Radiostation war eigentlich eine Art Antwort auf den "eisernen Vorhang" und darauf, was sich in den 50 und 60er Jahren in Osteuropa ereignete und sie hat eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Totalitären Regimes gespielt. Die USA haben RaFrEu und später auch Radio Liberty gegründet. Mit RFE beabsichtigten sie, die in der CSSR damals stark zensierte und somit unwahre Berichterstattung mit dieser " freien Stimme" zu ersetzen ... Ein Beispiel für die Bedeutung des Senders: Ich kann mich z.B. erinnern, dass der Bruder von Vaclav Havel - Ivan Havel - 1988, als die CSSR offiziell aufgehört hat die Sendungen zu stören, sagte: " So, das ist nun wirklich der letzte Sargnagel für den Kommunismus ..." Ich denke also, dass RFE eine wichtige Rolle gespielt hat."

Lida Rakusanova, langjährige Mitarbeiterin von RFE, glaubte, wie sie selbst sagt, in den vielen Jahren, in denen sie in München für die Station arbeitete, eigentlich nie wirklich daran, dass sie den Fall des Regimes erleben würde. Wie man bei RaFrEu die Samtene Revolution 1989 dann schließlich doch erlebte, hat sie uns auch erzählt:

Der Direktor von RaFrEu, Pavel Pechacek, ergänzt:

"Ich möchte noch hinzufügen, dass das worüber ich bisher gesprochen habe, sozusagen der 1. Teil der Existenz von RaFrEu ist. Heute hat RFE eine neue Mission. Erstens sollen wir den osteuropäischen Ländern beim Aufbau von demokratischen Strukturen helfen, denn Demokratie ist nicht nur die pure Existenz von Institutionen, sondern es ist " eine harte Arbeit" . Zweitens soll RFE den osteurop. Ländern eine Orientierung in der marktwirtschaftlich geregelten Gesellschaft geben."

Anfang der neunziger Jahre zeichnete sich bereits ab, dass der US- Kongress die finanziellen Mittel für RaFrEu drastisch kürzen würde. So entstand die Idee aus dem teureren München in das kostengünstigere Prag umzuziehen. Und Direktor Pechacek erzählt weiter:

"Also habe ich bereits im März 1993 darüber mit Präsident Havel und Premierminister Klaus gesprochen. Die tschechische Seite zeigte tatsächlich großes Interesse an dem Umzug nach Prag. Einerseits war der Betrieb hier billiger, und andererseits hatte das auch aus professioneller Sicht große Vorteile: Plötzlich waren wir inmitten der Welt, in die wir gesendet haben ... Wir haben direkt darin gelebt und konnten somit deutlicher alle Probleme spüren, mit denen z.B. die Tschechische Republik in den 90er Jahren zu kämpfen hatte."

Seit 1995 sendet RaFrEu zusammen mit der sechsten Station des Tschechischen Rundfunks (Cro6). Die Idee zu dieser Verschmelzung hatte der damalige Direktor des Tschechischen Rundfunks, Vlastimil Jezek. An dem Programm der neuen Station - deren Chefredakteur Herr Pechacek gleichzeitig ist - beteiligten sich außerdem "Voice of america", die "Deutsche Welle" und BBC. Die Deutsche Welle stieg allerdings vor zwei Jahren - vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen - aus dem Projekt aus.

Wie das denn mit der Finanzierung der Station aussehe, wollte ich von Herrn Pechacek wissen:

"Die Sendungen, die RaFrEu vorbereitet und sendet, werden auch weiterhin vom amerikanischen Kongress finanziert. Wenn wir allerdings die gesamte Station "Cro6 " und nicht nur RFE betrachten, dann müssen wir sagen, dass sich an der Finanzierung der gesamten Station - RFE natürlich ausgenommen - der Tschechische Rundfunk beteiligt, denn "Cro6" ist ein Teil des Tschechischen Rundfunks. Ich finde, dass es hier zur Umsetzung einer sehr guten Idee kam: Wenn man das Know-how dieser verschiedenen Länder - also Amerika, Slowakei, Großbritannien und Deutschland - mit dem des Tschechischen Rundfunks zusammenbringt, dann hat es für letzteren den Vorteil, dass er bei der Produktion seiner Sendungen von einer ganzen Reihe ausländischer Stationen professionell unterstützt wird, die auf dem Gebiet der Politik und der Wirtschaft bereits langjährige Erfahrungen haben. Und auf der anderen Seite hilft der Tschechische Rundfunk diesen ausländischen Sendern, ihre eigenen Sendungen in Tschechien ausstrahlen zu können."

Die Zukunftsperspektiven für RaFrEu schätzt Direktor Pechacek durchaus positiv ein. In Sachen Kapitalismuserziehung besitzt RFE weiterhin sein sprichwörtliches Sendungsbewusstsein. Die 40 Jahre des totalitären Regimes in Mittel- und Osteuropa seien schließlich nicht über Nacht aus den Köpfen der Leute zu kriegen, meint der Direktor und führt weiter aus:

"Von einem "Gulaschsozialismus" plötzlich zum modernen Kapitalismus überzugehen, der auch noch funktionieren soll - das ist ein schwerer und langwieriger Prozess. Denn Tschechien hatte dieses System eigentlich das letzte und einzige Mal während der ersten Republik erlebt. Heute geht es zunächst einmal um die Etablierung der " politischen Kultur" und darum, dass wir die guten und richtigen Pläne und Wege auch tatsächlich realisieren und nicht von ihnen wieder abgehen. Und dass wir uns austauschen, wie sie es z. B. in Deutschland, Amerika, Großbritannien - also in den Ländern des entwickelten Kapitalismus - auf bestimmten Gebieten machen, damit Tschechien auch einige gut Beispiele sieht. Diese Erfahrungen können uns beim Aufbau der Demokratie behilflich sein."

Und zu den Feierlichkeiten am ersten Mai äußerte Herr Pechacek:

"Ich glaube, es wird tatsächlich eine große Feier werden, denn RFE existiert bereits 50 Jahre.

An den Feierlichkeiten werden neben Vaclav Havel, Petr Pithart, auch der bulgarische Präsident und eine Reihe weiterer wichtiger Persönlichkeiten aus der ganzen Welt teilnehmen."

Autoren: Olaf Barth , Jitka Mládková
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