Rallye Dakar: Tschechische Lkw-Streitmacht will wieder vorn mitfahren

Foto: isifa/ GettyImages Editorial

Jedes Jahr im Januar findet ein berühmtes internationales Motorsportrennen statt, das nur noch dem Namen nach mit Afrika zu tun hat: die Rallye Dakar. Seit fünf Jahren wird die als „letztes großes Rennabenteuer“ bezeichnete Rallye nämlich in Südamerika ausgefahren. Und seit 2008 ist es auch keinem tschechischen Rennfahrer mehr gelungen, an vergangene Erfolge anzuknüpfen. Auch nicht Aleš Loprais, dem Neffen des sechsfachen Siegers in der Lkw-Wertung, Karel Loprais. Im vorigen Jahr lag der junge Loprais endlich wieder auf Podestkurs, bis ihn ein schwerer Unfall aus dem Rennen warf. In diesem Jahr nimmt der 33-jährige Aleš und weitere tschechische Starter einen erneuten Anlauf.

Aleš Loprais (Foto: ČT)
Vor einem Jahr lagen Aleš Loprais und seine Besatzung mit ihrem Tatra nach acht Etappen auf dem zweiten Platz hinter dem Niederländer De Rooy. Sie hatten beste Chancen auf den Gesamtsieg im Lkw-Klassement, doch auf der neunten Etappe kam das Aus. Mechaniker Petr Almaši, der am Steuer saß, war wegen Übermüdung in den Sekundenschlaf gefallen. Als er aufwachte, schleuderte ihr Gefährt bereits, der Tatra überschlug sich und landete auf dem Kabinendach. Almaši und Loprais wurden schwer verletzt. Der Neffe von Dakar-Sieger Karel Loprais hatte sich unter anderem zwei Wirbel gebrochen, so dass einige schon sein Karriere-Ende befürchteten. Am Samstag aber war Aleš Loprais mit einem alterprobten Tatra-Fahrzeug in Lima erneut am Start – zur 35. Rallye Dakar.

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„Die Wirbel sind wieder sehr gut zusammengewachsen. Mein Rückgrat ist sogar in einem besseren Zustand als beim Start vor einem Jahr. Ich habe enorm trainiert, bin viel geschwommen und bin in den Händen eines ausgezeichneten Physiotherapeuten. Er begleitet mich auch in Südamerika. Für ein gutes Ergebnis haben wir uns maximal vorbereitet. Jetzt hoffen wir auch auf das nötige Glück.“

Damit Loprais und seiner Besatzung nicht das gleiche Malheur widerfährt wie im Vorjahr, haben sie auch zahlreiche Glücksbringer mit an Bord:

Foto: ČT
„Von meinen Eltern habe ich einen kleinen Maulwurf mit Schaufel bekommen. Er soll uns davor schützen, dass wir nicht im Wüstensand versinken. Von der Tante habe ich einen weißen Porzellan-Elefanten erhalten. Zudem haben wir ein Abbild des Heiligen Christopherus im Wagen, der ja der Patron aller Autofahrer ist. Alles können wir gar nicht im Rennauto mitführen, doch in unseren Begleitfahrzeugen nehmen wir das sicher mit.“

Zu Loprais´ schärfsten Widersachern auf eine vordere Platzierung zählen erneut die Niederländer und die Russen, die auf Iveco, Kamaz und Man unterwegs sind. Neben Loprais sind aber auch noch weitere fünf tschechische Lkw-Besatzungen im Rennen – drei auf Liaz und zwei auf Tatra. Obwohl diese Besatzungen zu zwei Teams – KM Racing und Czech Dakar – gehören, haben sie sich bereits vor der Tour versprochen, einander zu helfen. Der geistige Vater dieser Idee ist Tomáš Vratný. Er bezeichnet das Versprechen als Bonver-Dakar-Projekt und erklärt den Zweck:

Martin Kolomý (Foto: ČT 4)
„Martin Kolomý war im vergangenen Jahr als Siebter der bestplatzierte Tscheche der Rallye. Und das trotz aller Probleme, die er und seine Besatzung im Rennen hatten – einmal streikte die Technik, ein anderes Mal kippte sein Fahrzeug in den Sanddünen um. Er hat großes Potenzial, auch diesmal wieder in die Top Ten zu kommen. Aber wir müssen ihm dabei helfen. Die Rallye ist nämlich ein solch spezifisches Rennen, dass man die Taktik oft schon nach drei Etappen völlig umkrempeln muss.“

Foto: ČT 4
Bis zum Montag waren die ersten drei Etappen der diesjährigen Rallye Dakar bereits absolviert. Danach waren alle sechs tschechischen Lkw unter den besten 20 ihres Klassements platziert. Und Loprais als Zweiter wie auch Kolomý als Sechster hegen erneut Ambitionen auf eine Top-Platzierung am Ende der Tour.

Autor: Lothar Martin
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