Re-Use-Tage in Tschechien ermöglichen abgelegten Gegenständen ein zweites Leben

Möbelbank

Schon im zweiten Jahrgang finden in Tschechien ab Donnerstag die Re-Use-Tage statt. Damit sollen die Menschen motiviert werden, ausgediente Möbelstücke, Kleidung oder etwa Spielzeug nicht wegzuwerfen, sondern zum weiteren Gebrauch abzugeben.

„Dieser Stuhl zum Beispiel hatte ein ganz zerrissenes Polster, und die Sitzfläche war kaputt.“

Denisa Lešková zeigt auf einen hellbraunen Küchenstuhl. Sein schwarz-grüner Bezug sieht jetzt aus wie neu. Nach seinem Upcycling wird das Möbelstück nun im Geschäft „Store“ im Prager Stadtteil Holešovice wieder zum Verkauf angeboten.

Möbelbank | Foto: Tomáš Mařas,  Tschechischer Rundfunk

Lešková ist Mitinhaberin des „Store“. Seit der Eröffnung im vergangenen Jahr fänden immer mehr Menschen ihren Weg in das Geschäft, sagt sie. Die Kunden kaufen entweder etwas Nettes aus dem Angebot an Möbeln, Geschirr, Schmuck, Elektrogeräten sowie Kleidung – oder sie bringen aussortierte Gegenstände vorbei. Denisa Lešková:

„Das Prinzip unseres Ladens ist Recycling und Kreislaufwirtschaft. Das heißt, dass die Leute uns Dinge spenden, die sie selbst nicht mehr brauchen. Wir übernehmen die Gegenstände, so wie sie sind, oder unterziehen sie einem Upcycling. Dabei arbeiten wir sie um, geben ihnen eine ganz neue Funktion oder einfach einen höheren Mehrwert.“

Re-Use-Centren wie der „Store“, in denen aufbereitete Dinge aus zweiter Hand weiterverkauft werden, stehen nun in diesen Tagen im Fokus. An der Aktionswoche in Tschechien nehmen aber auch Möbelbanken teil, in denen gespendete Einrichtungsgegenstände an Bedürftige abgegeben werden. Dana Kalistová ist die Vorsitzende der Tschechischen Föderation der Möbelbanken und Re-Use-Centren. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagte sie am Donnerstagmorgen:

Foto: Kristýna Maková,  Radio Prague International

„Die Re-Use-Tage beginnen heute und enden am 30. April. Sie finden in ganz Tschechien statt. In dieser Woche können wir alle feiern und lernen, auf etwas andere Weise zu leben.“

Organisiert werden zum Beispiel Swaps, also Tauschbörsen für Kleidung, Bücher oder Pflanzen. Bei den ersten Re-Use-Tagen konnten 2024 mehr als 2,5 Tonnen Gegenstände vor der Müllhalde gerettet werden. Dies zu übertreffen, sei die Ambition in diesem Jahr, teilt Kalistová mit.

Dass der Trend zum Recyceln in Tschechien immer weiter ansteigt, belegen die Daten der Föderation. Im gesamten vergangenen Jahr wurden demnach in allen 19 Mitgliedseinrichtungen mehr als 560 Tonnen Material aus zweiter Hand angenommen. Weiter berichtet Eva Štibingerová, die Koordinatorin der Re-Use-Tage:

„Das sind etwa eine Viertel Million Gegenstände. Wenn wir das in Geld aufrechnen, konnten dem tschechischen Staat somit knapp 2,2 Millionen Kronen erspart werden, die nicht für die Müllabfuhr und Liquidierung aufgebracht werden mussten.“

Foto: Artificial Photography,  Unsplash,  CC0 1.0 DEED

2,2 Millionen Kronen sind etwa 88.000 Euro. Weiter informiert die Föderation, dass sie 2024 rund 6000 Menschen geholfen habe. Das Angebot vor allem der Möbelbanken wird demnach vorrangig von Senioren, Alleinerziehenden und Familien in Finanznot genutzt. Eine wichtige Rolle spielten diese Anlaufstellen auch nach dem Hochwasser im vergangenen September, indem die Betroffenen ihre vom Wasser beschädigte Wohnungseinrichtung auf diese Art teilweise ersetzen konnten.

Möbelbanken gibt es bisher in Prag sowie in den Kreisen Liberec, Ústí nad Labem, Plzeň / Pilsen und Mittelböhmen. Dana Kalistová betont aber, dass es noch weitere brauche:

„Wir haben wirklich große Pläne. Das Team unserer Föderation arbeitet zusammen mit den Verwaltungen und mit lokalen Organisationen daran, dass es in zwei Jahren in jedem Kreis eine Möbelbank geben wird.“

Auch das Netz an Re-Use-Centren soll Kalistová zufolge ausgeweitet werden. Mehr zur Kreislaufwirtschaft und den eigenen Möglichkeiten, weniger wegzuwerfen und mehr aufzubereiten, erfahren die Teilnehmer der Re-Use-Tage in Workshops, Vorträgen und Nachbarschaftstreffen zum Beispiel in Prag, Pilsen, Jihlava, Teplice oder auch Hluboká nad Vltavou. Das gesamte Programm (auf Tschechisch) findet sich unter reusedny.cz.