Regierung fördert Kindergruppen als Alternative zu Kindergärten

Foto: Arnošt Máče, Archiv des Tschechischen Rundfunks

So genannte Kindergruppen sollen in Tschechien einen Notstand beheben: Es fehlen nämlich jede Menge Kindergartenplätze. Für die Einrichtung dieser Gruppen und die Betreuung der Kleinen gelten weniger strenge Regeln als für einen klassischen Kindergarten. Ende Mai wurde diese Alternative von der Regierung verabschiedet. Nun kommt das Gesetz zur Behandlung ins Abgeordnetenhaus.

Foto: Arnošt Máče, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Der Mangel an Plätzen in Kindergärten ist mittlerweile ein gesellschaftliches Problem in Tschechien. Jedes Jahr sind Tausende Eltern und vor allem Frauen davon betroffen, die nach der Elternzeit wieder zur Arbeit gehen wollen. Im kommenden Schuljahr werden fast 60.000 Kindergartenplätze hierzulande fehlen. Die Gründung weiterer staatlicher Kindergärten ist für den Staat zu teuer. Private Kindergärten können sich wiederum viele Familien nicht leisten. Daher legt das Kabinett Nečas nun ein Gesetz über so genannte Kindergruppen vor, ihre Gründung und Leitung soll nicht nur einfacher sondern auch billiger sein als im Fall von Kindergärten. Die Kindergruppen könnten von Firmen, Vereinen, Behörden, Gemeinden oder Hochschulen betrieben werden, sagt die Ministerin für Arbeit und Soziales, Ludmila Müllerová:

Ludmila Müllerová (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Die Kindergruppe ist eine Alternative. Wir wollen nicht, dass sie die klassischen Kindergärten ersetzt. Die Auflagen sind selbstverständlich weniger streng als bei den Kindergärten.“

Die Kindergruppe hat nicht den Status einer Bildungseinrichtung. Daher müssen die Betreuer nicht so strenge Vorschriften bei ihrer Ausbildung und ihren Fachkenntnissen erfüllen. Auch die hygienischen Normen sind nicht so streng festgelegt wie bei Kindergärten. Ein weiterer Unterschied ist, dass Kinder bereits im Alter von einem Jahr in Kindergruppen aufgenommen werden können. Kindergärten stehen erst ab dem dritten Lebensjahr offen.

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Die Regierung will die Gründung der Kindergruppen zudem fördern. So soll der Betrieb dieser Einrichtungen steuerlich absetzbar sein. Aber auch die Eltern sollen die Gebühren abrechnen können. Das gelte dann auch für Kindergärten, fügte Müllerová hinzu. Die Kosten für einen Platz in Kindergruppen werden aber trotz allem nicht gering sein. Umgerechnet 200 Euro pro Monat könnten anfallen, anstatt 32 Euro im Kindergarten. Private Kindergärten kosten allerdings bis zu 800 Euro monatlich.

Das Gesetz über Kindergruppen kommt diese Woche zur Behandlung ins Abgeordnetenhaus. Dort hat es allerdings zahlreiche Kritiker. Die Opposition bemängelt, dass die Gruppen reine Kinderbetreuung bieten werden. Roman Sklenák ist bei den Sozialdemokraten für Sozialpolitik zuständig:

Roman Sklenák (Foto: Archiv des Abgeordnetenhauses)
„Die Kinder bekommen in diesen Kindergruppen nicht die Vorschulausbildung, die mit der Qualität von Kindergärten vergleichbar ist.“

Bei Firmen besteht hingegen großes Interesse an Kindergruppen. Dazu Šárka Drbová von Deloitte, die Unternehmensberatung hatte eine Umfrage durchgeführt:

„Mehr als 90 Prozent der Firmen interessieren sich für das neue Gesetz. Mehr als 71 Prozent der Firmen haben ihre Unterstützung für Eltern der Kinder im Vorschulalter zum Ausdruck gebracht.“

Die Kindergruppen sollen vor allem dazu beitragen, dass mehr Frauen mit kleinen Kindern beschäftigt werden. Die entsprechende Quote liegt hierzulande bei Frauen um 30 Jahre niedrig: Im Vergleich mit Ländern wie Frankreich oder Großbritannien sind es etwa 20 Prozent weniger.