Regionjournal

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Heute wollen wir Sie über mehrere Themen informieren. Aufgrund des verheerenden Hochwasser haben wir für Sie aktuell einen Bericht über den Aufbau der betroffenen Regionen vorbereitet, daneben haben wir aber auch Kunterbuntes aus dem regionalen Geschehen vorbereitet, da sich abgesehen von dem Hochwasser im Sommer in den tschechischen Regionen viel mehr tut als in kalten Wintermonaten. Gute Unterhaltung in den folgenden Minuten wünscht Ihnen Katrin Sliva und Dagmar Keberlova.

Hunderte von Menschen in Tschechien haben bei dem verheerenden Hochwasser in den letzten Tagen ihr Dach über dem Kopf verloren. Der Landwirtschaftsminister Jaroslav Palas sagte bei einer Pressekonferenz am vergangenen Sonntag, dass er noch nicht genau sagen könne, um wie viele Häuser es sich insgesamt handle, bestimmt aber um mehr als 200. Das Landwirtschaftsministerium habe für die betroffenen Gebiete den Bau von Familienhäusern vorbereitet. Mehr dazu der Landwirtschaftsminister Jaroslav Palas selbst:

"Neben der Hilfe, die das Ministerium für die regionale Entwicklung organisiert, haben wir zuzätzlich ein Projekt eingegliedert, das im Rahmen des Landwirtschaftsministeriums entstanden ist. Es handelt sich um das sog. Projekt "Die Häuser des Hochwassers". Er stellt die einzige Möglichkeit dar, wie man den betroffenen Menschen schnell Wohnraum bieten kann. In diesem Projekt gehen wir von den Erfahrungen aus, die wir bei den Überschwemmungen in Mähren im Jahre 1997 gesammelt haben. Die Gesellschaft "Wälder der tschechischen Republik" und die "Assotiation Montagehäuser" wird Häuser im Wert von 1,3 Millionen Kronen denjenigen Gemeinden bieten, die die Gründe vorbereiten. Der Bau eines Hauses dauert 14 Tage, die Baukapazität beträgt ca. 100 Häuser bis zum kommenden Winter. Das Ministerium für regionale Entwicklung wird aus seinen Fonds laut dem bisher noch nicht verabschiedeten Entwurf 1,1 Million Kronen für jedes Haus zur Verfügung stellen und die Gesellschaft "Wälder der Tschechischen Republik" werden materielle Hilfe leisten, also Holz für den Bau von Häusern. Dieses Projekt zusammen mit dem Antrag auf staatliche Hilfe sollte bis zum 15. 12. dieses Jahres vorgelegt werden."

Ob man allen vom Hochwasser betroffenen Menschen Hilfe garantieren können wird, bevor der Winter anbricht? Hierzu sagte der Landwirtschaftsminister Jaroslav Palas folgendes:

"Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es allen Bürgern Hilfe zusichern können, da die Baukapazität, wie bereits erwähnt, begrenzt ist, also 100 Häuser bis zum Anbruch des Winters und ich glaube, dass es eine bedeutende Hilfe für die betroffenen Bürger ist. Vor allem ist es eine schnelle Hilfe."

Diese speziellen Häuser würde der Staat bezahlen und sie dann den Gemeinden als Eigentum übergeben.


Bereits zum zehnten Mal hat in diesem Sommer das Festival Boskovice in der gleichnamigen mährischen Stadt stattgefunden. Das Festival hat schon eine lange Tradition und ist sehr bekannt. Sein Ziel ist, auf die Notwendigkeit der Rettung des jüdischen Viertels in Boskovice hinzuweisen. Der Bürgermeister der Stadt, Josef Dohnalek, sagte über das Festival für Radio Prag folgendes:

"Dieses Festival bringt eigentlich keinen beträchtlichen finanziellen Gewinn, das ist aber nicht wichtig. Das wichtigste ist, dass dabei an das jüdische Erbe und das, was nach ihm hier in Boskovice geblieben ist, erinnert wird."

Boskovice hatte vor dem Zweiten Weltkrieg eine bedeutende jüdische Kommune und es gab sogar Zeiten, wo in Boskovice, dass heute an die 11000 Bewohner zählt, über zwei Tausend Juden gelebt haben. Nach dem Holocaust blieben etwa 400 Hundert. Was geblieben ist, ist das jüdische Viertel, das in der kommunistischen Zeit zum Untergang verurteilt wurde. Heute wird es langsam renoviert und es ist ein lebendiger Teil der Stadt. Die Festivalbesucher konnten einen Friedhof und eine wunderschön renovierte Synagoge bewundern, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind, sagte Bürgermeister Dohnalek. Er lobte auch die Organisatoren, die Organisation Unijazz. Und woraus bestand das bunte Programm des Festivals? Beeindruckend ist, dass das Festival zum großen Teil von jungen Leuten veranstaltet wird, die sich der Rettung des jüdischen Viertels seit Jahren widmen. Das Festival findet jedes Jahr in der ganzen Stadt statt - unter anderem im Amphitheater des Freilichtkinos, in der Synagoge, auf der Burg, im Museum- so haben die Besucher auch die Möglichkeit, die nebenbei die Stadt kennen zu lernen. Auf dem Programm standen Konzerte verschiedener Stile, Theatervorstellungen, Filmvorführungen und Ausstellungen.


Ein weiterer Ausflug in die Regionen geht nach Nordböhmen zu den Landwirten, die der tschechische Präsident Vaclav Havel im Juli besucht hat. Präsident Havel hat drei nordböhmische Gemeinden der Tschechischen Republik besucht und versuchte dabei, die Befürchtungen der tschechischen Landwirte zu zerstreuen. Auf einem Seminar über die tschechischen ländlichen Gebiete sagte er vor den Landwirten, er glaube, dass die Tschechen die EU-Erweiterung nicht als eine Invasion von Vorschriften und Befehlen, die ihnen auferlegt werden, wahrnehmen sollten, sondern als eine Aufforderung zu eigener Kreativität und zur Entwicklung einer eigener Identität. Einige der anwesenden Landwirte warfen die Frage nach der Einführung der Produktionsbeschränkungen auf. Hierzu meinte Vaclav Havel, seiner Kenntnis nach wolle die EU auf dem Prinzip der Solidarität und einer gewissen Arbeitsteilung basieren, damit sie sinnvoll als Ganzes funktionieren würde. Noch ein weiteres Ziel hatte Havels Besuch. Dazu mehr von Michal Pospisil, dem Bürgermeister der Gemeinde Libceves, wo das Seminar stattfand:

"Zweck dieser Reise war auch, auf die Konferenz "Antlitz unseres Landes" hinzuweisen, die im Oktober unter Schirmherrschaft des tschechischen Präsidenten stattfinden wird. Dieses Seminar war eine Begleitveranstaltung dazu, auf dem Meinungen diskutiert wurden."

Der wichtigste Aspekt dieses Seminars war Michal Pospisil zufolge die Tatsache, dass zum ersten mal sowohl Bürgermeister vom Lande als auch Landwirte an einem Tisch zusammenkamen, um gemeinsam Probleme zu erörtern.


Noch ein sehr interessantes Ereignis aus den Regionen. Auf der ostböhmischen Burg Svojanov fand eine internationale Veranstaltung statt, die die bekannte Roma- Sängerin Ida Kelarova organisiert hatte. Ich bat Frau Kelarova, mir darüber mehr zu erzählen:

"Das wichtigste Ziel des Festivals ist, dass Roma und Nicht-Roma zusammenkommen, weil ich glaube, dass dies der einzige Weg zum besseren Zusammenleben zwischen den beiden Gruppen ist. Mit dem Festival möchte ich einen Raum zum diesem Treffen schaffen und ich will, dass Roma und Gadzo vor einer Zusammenkunft und einem Dialog keine Angst haben. Dass sie verstehen, dass die Hautfarbe nicht wichtig ist für die Kommunikation, sondern die Kommunikation selbst."

Eine der wichtigsten Sachen ist die Erziehung, so widmet sich Frau Kelarova bei dieser Veranstaltung vor allem Kindern und Studenten:

"Es ist ein zehntägiges Seminar, an dem 60 Studenten aus der ganzen Welt teilnehmen. Parallel dazu verläuft ein Kindercamp, wo die Situation die gleiche ist: die Hälfte der Kinder sind weiße und die Hälfte Roma, die sich daran gewöhnen müssen, sich gegenseitig öffnen zu können. Am Abend sind dann immer Konzerte von Roma-Musikgruppen und wir feiern alle gemeinsam."