Reisetipp von der New York Times: unbekanntes Altvatergebirge

Karlova Studánka (Foto: Archiv der Euroregion Praděd)

Vor etwa zwei Monaten brachten die tschechischen Medien die Nachricht, dass das Altvatergebirge von der New York Times als eines der attraktivsten Reiseziele der Welt empfohlen wurde. Konkret schaffte es der Kurort Karlova Studánka / Karlsbrunn, der im Altvatergebirge liegt, auf Platz 46 der Orte, die der Zeitung zufolge unbedingt einen Besuch wert sind.

Karlova Studánka (Foto: Archiv der Euroregion Praděd)
Das Altvatergebirge ist wahrscheinlich das letzte Gebirge in Tschechien, in dem man den ganzen Tag lang durch den Wald wandern kann, ohne jemandem zu begegnen. Dies sagt die Vizebürgermeisterin der Stadt Krnov / Jägerndorf, Renata Ramazanová, die sich in der Euroregion Praděd / Altvater engagiert. Wie kam es dazu, dass das Altvatergebirge als Reiseziel von der New York Times empfohlen wurde?

„Im Herbst vergangenen Jahres kam die amerikanische Journalistin Sarah Wildman zu Besuch nach Tschechien. Sie wandte sich an die Prager jüdische Gemeinde mit der Bitte um Hilfe, da sie nach den Spuren der ersten Liebe ihres Großvaters suchte. Der Großvater stammte aus Freiwaldau (Jeseník) und seine Freundin aus Troppau (Opava). Sarah Wildman reiste nach Jeseník, Opava und Brünn und forschte in den Archiven. Sarahs Großvater und seine Freundin Valerie Scheftel promovierten 1938 an der Universität in Wien. Sie waren beide Juden. Der Großvater bekam ein Visum für die USA, aber seine Freundin wollte nicht mit ihm reisen. Sie zog zuerst mit ihrer Mutter nach Berlin, von dort wurde sie nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Dies hat die Journalistin herausgefunden. Nach dem Studium in den Archiven wollte sich Sarah Wildman ein wenig entspannen. Da wurde ihr ein Besuch im Kurort Karlova Studánka empfohlen. Für sie war dies ein so tolles Erlebnis, dass sie nach der Rückkehr in die USA Karlova Studánka als Ort empfahl, den man unbedingt besuchen muss“, so Ramazanová.

Renata Ramazanová (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Renata Ramazanová bemüht sich seit Jahren, das nach ihrer Meinung unentdeckte Altvatergebirge den tschechischen, aber auch den ausländischen Touristen näherzubringen. Im Rahmen der Euroregion Praděd, zu der 72 tschechische und 34 polnische Gemeinden gehören, erschienen vor kurzem neue Reiseführer durch das Altvatergebirge. Dort führt ein imaginäres Mädchen Namens Viola die Touristen durch die Gegend, erzählt Renata Ramazanová:

„Der Name ist von einer zierlichen Blume abgeleitet, die in der Tschechischen Republik hauptsächlich im Altvatergebirge wächst. Es ist das Sudeten-Veilchen. Und diese Viola spielt die Rolle einer Reiseführerin sowohl auf unserer Webseite, als auch in allen Infomaterialen und Broschüren.“

Foto: Archiv der Euroregion Praděd
Es gibt zwei unterschiedliche Reiseführer für den Winter und den Sommer. Vor kurzem wurde zudem ein gemeinsamer Reiseführer für den Frühling und Herbst herausgegeben. Alle diese Büchlein über das Altvatergebirge stehen außer in Tschechisch auch in Deutsch, Englisch und Polnisch zur Verfügung.

Renata Ramazanová überlegt, künftig auch einen kleinen Band über die regionale Küche zusammenzustellen:

„Zusammen mit einer Kollegin aus dem Museum im polnischen Głubczyce, einer schlesischen Stadt, wo bis zum Zweiten Weltkrieg auch Tschechen, Deutsche und Juden lebten, habe ich alte Kochrezepte gesammelt, die früher für unsere Region typisch waren. Auch von deutschen Zeitzeugen haben wir einiges erfahren, aber keiner von uns kann die Gerichte kochen.“

Mehr über das aktuelle Geschehen im Altvatergebirge erfahren Sie auf dem Tourismusserver www.jeseniky-rodina.cz.