Requiem für 294 NS-Widerstandskämpfer und Opfer

Foto: ČT 24

Vor 70 Jahren wurden im KZ Mauthausen 264 tschechische Frauen und Männer hingerichtet. Sie waren Verwandte oder Helfer der Fallschirmspringer, die im Mai 1942 das Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich durchführten. Am Dienstag wurde im Prager Veitsdom ein Requiem für die hingerichteten tschechischen Widerstandskämpfer zelebriert.

Foto: ČT 24
Zu Beginn der Totenmesse wurden die 294 Namen der Hingerichteten vorgelesen. 264 Verwandte und Helfer der Heydrich-Attentäter wurden während eines einzigen Tags - am 24. Oktober 1942 - im KZ Mauthausen erschossen. Die anderen Widerstandskämpfer wurden dort im Januar 1943 und im Februar 1944 ermordet. Für jeden Einzelnen zündeten die Nachkommen und Verwandten vor dem Hauptaltar im Veitsdom eine Kerze an. Historiker Jan Stříbrný erinnerte dabei an die Verdienste der Ermordeten:

Jan Stříbrný (Foto: Archiv der Tschechischen Christlichen Akademie)
„Ohne diese 294 hingerichteten und viele anderen Patrioten wäre es den Fallschirmspringen nicht gelungen, ihre Aufgabe zu erfüllen. Für uns ist das ethische Vermächtnis dieser Leute wichtig. Denn als sie von den Widerstandskämpfern um Hilfe gebeten wurden, haben sie nicht danach gefragt, was sie davon hätten. Die Hingerichteten stammten aus verschiedenen Gesellschaftsschichten: Es waren unter ihnen beispielsweise Bauern, Arbeiter, Handwerker, Universitätsdozenten, Ärzte sowie Mitarbeiter verschiedener Wohltätigkeitsvereine und Kircheninstitutionen. Es waren Menschen verschiedener Glaubensbekenntnisse unter ihnen: Katholiken, Mitglieder der tschechoslowakischen Orthodoxen Kirche, Protestanten sowie Leute, die sich zum jüdischen Glauben bekannten. Wir sind froh, dass an diesem Gottesdienst auch Hinterbliebene der hingerichteten Widerstandskämpfer teilnehmen. Das zeigt, dass die Ideale, für die diese 294 Menschen starben, auch weiterhin leben.“

Dominik Duka (Foto: ČT 24)
Den Gottesdienst zelebrierte Kardinal Dominik Duka. Für das Requiem ließ der Prager Erzbischof das so genannte „böhmische Palladium“ in den Veitsdom bringen. Das Marienbild gilt seit dem Mittelalter als ein Schutzbild Böhmens. Kardinal Duka:

„Hoffentlich wird uns der jetzige Gottesdienst, bei dem das Palladium ausgestellt wird, helfen, mehr Respekt voreinander und Zusammengehörigkeit zu lernen.“

Das Requiem für die hingerichteten Widerstandskämpfer knüpft symbolisch an die Gottesdienste an, die seit dem Juni 1945 jedes Jahr im Prager Veitsdom für die gefallenen Fallschirmspringer feierlich begangen werden sollten. Die entstehende Tradition wurde jedoch schon 1948 durch das kommunistische Regime abgebrochen.