Rochen füttern und Elefanten beim Weiden zusehen: Zu Besuch im Zoo Zlín

Afrikanischer Elefant

Der Zoo im mährischen Zlín ist einer der meistbesuchten in Tschechien. Zu den Highlights zählen das Rochenstreichelbecken und die Jaguarfütterung. Demnächst wird in der Anlage eine Auffangstation für Löwen aus illegaler Haltung eröffnet. Tradition hat zudem die Auswilderung von Geiern.

Voliere für große Aras | Foto: ZOO Zlín

Ein Mittwochvormittag im Zoo von Zlín. Die Sonne scheint, eine Kindergartengruppe geht in Zweierreihen an den Volieren und Gehegen vorbei. Der Schwarzzügelibis begrüßt sie mit seinem kräftigen Geschrei. Im Zoo ist aber nicht nur die Kindergartengruppe unterwegs, sondern auch Karla:

„Es ist schönes Wetter, und wir haben heute unsere Enkelin dabei. Wir mögen den Zoo, sind schon mehrfach dagewesen, und geben hier gern unser Geld aus. Wir gehen immer dahin, wo es Jungtiere gibt – also zu den Löwen, und den jungen Tiger erkennen wir kaum noch. Eigentlich schauen wir uns alles an.“

Hana und ihr Sohn sind unter anderem wegen des Rochenbeckens in den Zoo gekommen. Und das sei auch eine der Hauptattraktionen sagt, Romana Mikešová, die Pressesprecherin des Tiergartens:

Oman-Kuhnasenrochen | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

„Für das Becken, das wir Rochenbucht nennen, sind wir wirklich berühmt. Es wurde vor elf Jahren eröffnet. Besonders ist, dass die Besucher die Rochen nicht nur streicheln, sondern auch füttern können. Das gibt es sonst nirgendwo anders in Europa.“

Beliebt bei den Besuchern sei aber auch das Jaguargehege, das europaweit das größte seiner Art ist:

„Die Besucher erwartet dort eine Überraschung. Wir füttern die Jaguare nämlich mit Fischen, die wir in einen See werfen. Unsere Gäste können den Tieren durch eine Glasscheibe zusehen, wie sie die Fische fangen und untertauchen. Das ist ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis.“

Die einzelnen Attraktionen im Zoo von Zlín sind nach Kontinenten aufgeteilt.

Buddha-Statue | Foto: ZOO Zlín

„Wir waren die ersten mit dieser Idee. Die Menschen können bei uns Afrika, Asien, Australien und Amerika an einem einzigen Tag bereisen. Sie lernen dabei nicht nur die jeweiligen Tiere kennen. Die einzelnen Kontinente sind auch durch zahlreiche ethnographische Gegenstände wie Statuen und weitere Kunstwerke vertreten.“

Privatführung, Drei-Gänge-Menü und Übernachtung

Der Zoo in der mährischen Kreisstadt unweit der slowakischen Grenze öffnete 1948 erstmals für die breite Öffentlichkeit seine Türen. Die Geschichte des Tierparks reiche aber noch weiter zurück, sagt Mikešová:

Die Grundlagen für den heutigen Zoo in Zlín wurden von Graf Joseph Karl Seilern gelegt | Foto: ZOO Zlín

„Alles begann schon 1930. Der damalige Inhaber des Areals und auch des Schlosses Lešná, das auf dem Gebiet des heutigen Zoos steht und auch besucht werden kann, war ein leidenschaftlicher Ornithologe. Er brachte exotische Tiere aus aller Welt hierher und eröffnete einen kleinen Privatzoo.“

Schloss Lešná | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

Seitdem hat sich einiges getan. Heute gehöre der Zoo in Zlín nicht nur zu den meistbesuchten Attraktionen der Region, sondern des gesamten Landes, so die Pressesprecherin:

„In Sachen Zoos belegen wir den zweiten Platz, gleich hinter Prag. Wir gehören außerdem zu den zehn meistbesuchten touristischen Orten in Tschechien. Jährlich kommen rund 800.000 Besucher zu uns.“

Wem ein gewöhnlicher Besuch der Anlage nicht reicht, der kann seinem Lieblingstier auf Wunsch aber noch näher kommen. So bietet der Zoo spezielle Programme an, bei denen man einen Tag lang den Pflegern eines Tieres über die Schultern schauen darf. Die Tickets dafür seien zwar nicht ganz günstig, die Nachfrage sei jedoch gewaltig, meint Mikešová. Und die Zoo-Mitarbeiterin verweist auf noch ein weiteres Angebot: Buchen kann man nämlich auch eine Übernachtung im Zoo – inklusive Privatführung und Drei-Gänge-Menü vor der Kulisse des Schlosses Lešná. Und wenn die Nacht hereinbricht, ist man mit der Tierwelt ganz allein auf dem Gelände…

Schutzstation für Löwen aus illegaler Haltung

Das größte Ausbauprojekt, das der Zoo derzeit voranbringt, ist das Areal Karibuni.

Romana Mikešová | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

„‚Karibuni‘ bedeutet auf Suaheli ‚willkommen‘. Das Gelände ist riesig und soll einmal 21 Hektar umfassen. Derzeit ist der Zoo 50 Hektar groß, wir bauen also sozusagen noch einmal eine Hälfte dazu. Thematisch wird sich hier alles um Afrika drehen.“

Es handele sich nicht nur um das größte Bauvorhaben in der Geschichte des Tierparks von Zlín, sondern auch generell um eines der umfangreichsten in Europa, so Mikešová. Fertiggestellt wurde bereits die neue Anlage für die Elefanten. Sie ist vier Hektar groß und bietet ausreichend Platz für die Herde, zu der auch der 2021 geborene Bulle Zyqarri gehört.

Im September dieses Jahres wird nun ein weiteres Highlight im Areal Karibuni eröffnet: die neue Schutz- und Zuchtstation für Löwen. Mikešová erklärt, warum sie benötigt wird:

„In den tschechischen Zoos gibt es insgesamt 61 Löwen. Bei Privatleuten leben allerdings 138 Löwen, was eine unfassbare Zahl ist. Viele leben in ungünstigen Bedingungen, also in kleinen Gehegen mit schlechter Ausstattung. Manche Menschen halten die Löwen auch komplett illegal. Selbst wenn der Staat sie beschlagnahmen wollte, hätte er derzeit keinen Ort, an dem er sie unterbringen kann.“

Kongolöwe | Foto: ZOO Zlín

Das soll sich mit der neuen Station ändern. Maximal wird sie zehn Exemplare beheimaten können, wobei ein Teil davon aus dem bisherigen Bestand des Zoos stammt.

Im Zuge der Ausbauphase wird aber nicht nur der neue Bereich für die Löwen errichtet, sondern es entstehen auch zwei Camps. Hier sollen künftig bis zu 200 Menschen übernachten können – so als wären sie mitten in Afrika:

„Die Lager werden aus mehreren Safarizelten mit eigenem Bad und einer sehr angenehmen Ausstattung bestehen. Wenn man auf der Terrasse sitzt, Kaffee trinkt, unter einem die Elefanten entlanglaufen und in der Nähe die Löwen brüllen, wird man sich wirklich fühlen wie in Afrika. Wir hoffen, das Angebot bald starten zu können.“

Nacht im Zoo Zlín | Foto: ZOO Zlín

Wiederauswilderung von Geiern

Neben der geplanten Schutzstation für Löwen setzt sich der Zoo in Zlín auch noch für weitere Tierarten ein. So werden Spenden für den Schutz des Breitmaulnashorns in Südafrika gesammelt. Mit Finanzmitteln wird auch die Rettung des Okapis im Kongo unterstützt. Die Projekte spielen sich aber ebenso vor der Haustür ab, so hat der Zoo etwa Steinkäuze und Gartenschläfer in der Natur Mährens ausgesetzt.

Gänsegeier | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

Im Fokus der Tierschützer stehen zudem die Geier. Im Zoo in Zlín haben sieben Arten ihr Zuhause. Vladimír Daněk ist seit 15 Jahren Vogelzüchter und seit über einem Jahrzehnt im Tiergarten von Zlín angestellt. Was fasziniert ihn an den Geiern?

„Die Monumentalität dieses Vogels, seine riesige Kraft und dass er relativ intelligent ist. Die Tiere erkennen uns Menschen und reagieren darauf, wenn wir Pfleger sie füttern oder die Brutstätten vorbereiten.“

Fütterung der Geier | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

In Zlín werden die Aasfresser seit 1994 gezüchtet. In freier Wildbahn hingegen werden sie immer seltener.

Vladimír Daněk | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

„Der rasante Rückgang in der Natur hängt nicht nur damit zusammen, dass die Biotope verschwinden. Die Geier werden auch durch Arzneimittel gefährdet, die Tieren verabreicht werden, die sie wiederum fressen. Auch auf Düngemittel reagieren sie empfindlich. Und dann ist da noch die wachsende Population des Menschen. Infrastruktur und Stromleitungen stellen eine Gefahr für die Tiere dar und tragen dazu bei, dass sie teils vom Aussterben bedroht sind.“

Die Tierexperten beteiligen sich deshalb am Schutz der Vögel – zum einen im Rahmen des Projekts Vulpro in Südafrika, zum anderen mit der Initiative Green Balkans.

„Wir haben schon 20 Geier auf dem Balkan ausgesetzt. Zuvor wurden sie natürlich mit Sendern versehen, damit wir wissen, wo sie sich aufhalten und wie es ihnen geht. Ein großer Erfolg und eine große Freude für uns ist, dass die von uns aufgezogenen Tiere nun schon genistet und sich vermehrt haben.“

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