Roma organisieren Bürgerwehren

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In Svitavy, wo vor etwas über einer Woche ein Roma von einem Skinhead erstochen wurde, hat die Polizei am Montag verstärkte Kontrollen u.a. zum besseren Schutz der Roma vor rassistischen Übergriffen angekündigt. In einigen anderen Städten Tschechiens wollen sich die Roma nicht auf die Polizei verlassen, sondern selbst etwas zu ihrem Schutz beitragen. Hören Sie einen Bericht von Olaf Barth.

In Karlovy Vary/Karlsbad kündigten die Roma eines überwiegend von ihnen bewohnten Stadtviertels an, eine eigene Wachmannschaft zusammenzustellen. Diese Aktion ist die Folge der in letzter Zeit zunehmenden rassistischen Attacken seitens der dortigen Skinheads. Vladislav Bily, der Vorsitzende der Karlsbader Bürgervereinigung, nennt die Aufgaben der Wächter:

"Wir haben abgesprochen, dass sie einfach die drei, vier betroffenen Häuser bewachen. Sie haben Handys dabei und wenn sich etwas tut, sollen sie die Polizei rufen, damit diese dann Ruhe und Ordnung wiederherstellt."

Ähnliches im Sinn haben auch die Roma in der mährischen Metropole Ostrau, die schon seit Wochen mit der Polizei wegen einer eigenen Wachtruppe verhandelten. Diese nun in Eigenregie organisierten Ordnungshüter sollen nicht nur Anzeichen von rassistischen Angriffen, sondern auch solche Fälle melden, in denen Roma der Zutritt zu Gaststätten oder anderen Lokalitäten verweigert wird. Dazu erklärt der Vorsitzende der Roma Bürgerinitiative, Mikulas Horvath:

"Wir haben ständig Angst um unsere Familien und unser Leben. Also haben wir - die hiesigen Romavertreter - uns dazu entschieden, mittels solcher Wachleute, die Situation in Ostrau zu beobachten und zu dokumentieren. Diese Beobachter werden also z.B. nachts mit der Straßenbahn durch Ostrau fahren, vollkommen unbewaffnet natürlich, lediglich um festzuhalten, wie man sich hier den Roma gegenüber verhält."

Jan Jarab, Menschenrechtsbeauftragter der tschechischen Regierung, meint, dass zwar einerseits bewaffnete Bürgerwachen gesetzeswidrig sein, unbewaffnete andererseits aber Übergriffe wohl kaum verhindern könnten. Denn, so Jarab weiter:

"Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie solche Wachmänner in der Lage sein sollen, Angriffe von Seiten der Skinheads zu verhindern. Zumal diese Angriffe eher spontaner Natur sind."

Bleibt also nur zu hoffen, dass es der Polizei im Falle eines Falles gelingt, rechtzeitig an Ort und Stelle zu sein. Nützlich dafür wären sicherlich verstärkte Polizeistreifen in den gefährdeten Stadtvierteln, so wie es die Romavertreter schon seit geraumer Zeit fordern.

Autor: Olaf Barth
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