Romawachen in Ostrau

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Am Mittwoch machte sich die erste Roma-Patrouille auf ihren Weg durch Ostraus Straßen. Wie bereits angekündigt sind diese Wachleute keineswegs bewaffnet, sondern eher mit Schreibzeug, Fotoapparat und Handy ausgestattet. Olaf Barth berichtet.

Das vornehmliche Ziel der Wachen ist es, zu beobachten wie die sogenannten weißen Bewohner Ostraus auf Angehörige der Roma Minderheit reagieren - wie sie ihnen begegnen. Festhalten will man alle Arten von Diskriminierungen und Übergriffen gegen Roma. Also vor allem auch rassistische Beschimpfungen oder diskriminierende Maßnahmen in Gaststätten, Kinos usw.

Die Fälle sollen sorgfältig dokumentiert und wenn nötig, zur Anzeige gebracht werden. So hat man das mit der Ostrauer Polizei abgesprochen. Wenn man irgendwelche Anzeichen von Straftaten entdecken würde, werde man sofort die Polizei verständigen, versichert der Ostrauer Chef der Roma Bürgerinitiative, Mikulas Horvath.

Man werde auch keine Marken oder sonstige Kennzeichnungen tragen, sondern lieber möglichst unauffällig agieren, schon allein wegen der Skinheads, ergänzt der Romavertreter. Die Angst vor den Skins ist in den sog. Ostrauer Romavierteln Vitkovice und Privoz überall zu spüren. Wenn Horvath und sein Gefolge auftauchen, verschwinden viele der Roma in ihre Häuser. Wegen den Foto- und Filmkameras der Presseleute, die die Romavertreter begleiten. Weil sie Angst haben, Angst auf den Bildern in Zeitungen und Fernsehen von den Skinheads erkannt zu werden, wie Horvath erklärt.

Und eine Romafrau erzählt: "Wie haben Angst zum Marktplatz zu gehen, wir haben Angst zum Arzt zu gehen. Es ist gut, dass sie uns nun bewachen."

Wie lange das sein so wird, steht aber noch nicht fest. Mikulas Horvath meint:

"Die jetzige Aktion soll eigentlich bis Freitagnachmittag dauern. Bis dahin sollten wir alle Strafanzeigen zusammenhaben. Übers Wochenende werden wir entscheiden, ob das weiterhin Sinn macht und wir schließen derzeit nicht aus, dass wir die Aktion nächste Woche fortsetzen werden."

Wie auch immer die Ergebnisse der Beobachtungen aussehen werden, eins dürfte schon jetzt sicher sein: Sie werden für weiteren Diskussionsstoff sorgen.

Autor: Olaf Barth
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