Rusalka-Plakate im Wandel der Zeit: Von Theaterzetteln bis zu Reels

„Rusalka“ ist die bekannteste Oper von Antonín Dvořák. Plakate zu unterschiedlichen Rusalka-Aufführungen von der Premiere im Jahr 1901 bis heute werden in der aktuellen Ausstellung in der Dvořák-Gedenkstätte in Vysoká u Příbrami gezeigt. Sie veranschaulicht, wie sich die Werbung für Theatervorstellungen entwickelt hat: von einfachen Theaterzetteln über künstlerisch geprägte Plakate bis hin zu kurzen Videos in den sozialen Netzwerken.

Die Gemeinde Vysoká u Příbrami liegt etwa 60 Kilometer südwestlich von Prag. Der Ort mitten in der Natur ist bekannt vor allem dank Antonín Dvořák. Der Komponist machte ihn nämlich für mehr als zwei Jahrzehnte zu seinem Sommersitz. Er und seine Familie hielten sich immer von Frühling bis Herbst dort auf. Dvořáks Landhaus befindet sich heute im Besitz der Nachkommen des Musikers und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Dennoch gibt es seit 1963 in Vysoká die sogenannte Antonín-Dvořák-Gedenkstätte. Das Museum ist im Schloss am Rande des Dorfes untergebracht, das einst Dvořáks Schwager, Graf Václav Kaunitz, gehörte.

Antonín Dvořák mit seiner Familie und Freunden in Vysoká | Foto: J. V. Sládek,  e-Sbírky,  Nationalmuseum,  CC BY-NC-ND 4.0 DEED

Vojtěch Poláček hat vor dreieinhalb Jahren die Leitung der Antonín-Dvořák-Gedenkstätte übernommen, mit dem Ziel, das schlafende Museum zu neuem Leben zu erwecken. Seitdem wurden rund ein Dutzend Ausstellungen dort veranstaltet. Manche wiesen auf mehr und weniger bekannte Kapitel aus dem Leben von Antonín Dvořák hin, bei anderen wurden Kunstwerke präsentiert, die sich von dessen Musik inspirieren ließen. Aber auch darstellende Kunst wird in der Gedenkstätte intensiv gepflegt. Obwohl Vysoká eine kleine und ziemlich abgelegene Gemeinde ist, und das Schloss mitten in einem Park an ihrem Rande steht, haben die dortigen Konzerte und Veranstaltungen bereits ihr Publikum gefunden:

„Am wichtigsten ist, dass es uns allmählich gelingt, unseren Besucherkreis aufzubauen. Die Besucherzahlen steigen schrittweise. Wir haben einige regelmäßige Konzertzyklen ins Leben gerufen. Im Schlosspark werden mittlerweile schon zwei Opernvorstellungen regelmäßig aufgeführt, und zwar ‚Rusalka‘ und ‚Die Teufelskäthe‘. Auch dieses Jahr können wir dazu einladen.“

Schlösschen Vysoká | Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

Rusalka auf Schritt und Tritt

Villa Rusalka | Foto: Petr Veber,  Tschechischer Rundfunk

„Rusalka“ ist die meistgespielte und bekannteste Oper Antonín Dvořáks. In Vysoká wird vielerorts an die Wassernixe und das Märchen erinnert, das von Rusalkas unglücklicher Liebe erzählt und von ihrem gescheiterten Versuch, in der Menschenwelt zu leben. Das Landhaus im Dorf, das Dvořák einst bewohnte, heißt heute „Villa Rusalka“. Im Schloss rufen grünliche Tapeten gleich beim Betreten die Stimmung eines märchenhaften Wasserreiches hervor. Im Schlosspark wurde vor drei Jahren die Tradition von Open-Air-Aufführungen der Oper wiederbelebt. Eine der Wanderrouten führt zum sogenannten Rusalka-See, einer kleinen und dunklen Wasserfläche im nahe gelegenen Wald. Am Ufer befindet sich ein Gedenkstein aus dem Jahr 1954 sowie der Torso einer Eiche, unter der Dvořák auf seinen Spaziergängen gerastet haben soll. Und um Rusalka dreht sich auch die aktuelle Ausstellung im ersten Stock des Schlosses. Gestaltet wurde sie von der Kuratorin des Museums, Pavla Váňová Černochová.

„Man kann etwa 25 Plakate sehen, die sich auf die berühmteste Oper von Antonín Dvořák beziehen. Wir haben die Plakate chronologisch geordnet, beginnend mit der Uraufführung der ‚Rusalka‘ im Jahr 1901. Damals gab es allerdings kein Plakat, sondern einen Theaterzettel mit Informationen über diese Vorstellung im Nationaltheater in Prag. Wir haben hier Plakate aus dem ganzen 20. Jahrhundert. An ihnen lässt sich sehen, wie sich tschechoslowakische, tschechische, aber auch einige ausländische Plakate entwickelt haben – bis zu ganz kreativen Formen in den 1960er Jahren. Und dann kommen wir zur Gegenwart, zum Schluss der Ausstellung und eigentlich auch zum Schluss der Plakate selbst. Denn sie sind heute kein bedeutender Teil der Werbung mehr, sondern es werden soziale Medien und Netzwerke genutzt.“

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

Werbung für Theatervorstellungen

Die Plakate sind ein wichtiges Dokument der Kulturgeschichte. Der Museumsleiter und Theaterwissenschaftler Vojtěch Poláček ergänzt:

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

„1901 dominierten die sogenannten Theaterzettel. Sie fielen grafisch nicht besonders auf und zeigten hauptsächlich den Text. Der Theaterzettel bezog sich auf eine konkrete Vorstellung und war etwas zwischen einem Plakat, einem Theaterprogramm und der Besetzungsliste. Für die Werbegrafik war die Zwischenkriegszeit von Bedeutung, damals kamen kommerzielle Theater mit ihren Stars auf. Die Opern wurden jedoch in großen Theaterhäusern aufgeführt, in denen weiterhin Theaterzettel verwendet wurden.“

Auch Poláček nennt die 1960er Jahre als eine wichtige Epoche für die Entwicklung von Theaterplakaten:

„Damals entstanden die sogenannten Theater der kleinen Formen, also Kleinbühnen, an denen oft auch bildende Künstler tätig waren. Dank ihrem Einfluss wurde auch die Werbegrafik der großen Theaterhäuser aufgefrischt.“

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

Mittlerweile trete auf den Plakaten das Inszenierungskonzept der jeweiligen Aufführung stärker in den Vordergrund, so der Experte:

„In den 1960er Jahren prägte der bildende Künstler und seine Vorstellung, die mit der Aufführung nicht so eng verbunden war, das Plakat. Heute ist das Plakat ein Teil der Aufführung und spiegelt ihre Regie- und Bühnenpoetik wider. Aber selbstverständlich haben wir auch neue Mittel. Über die sozialen Netzwerke erhalten die möglichen Zuschauer und Besucher etwa Fotografien und Materialien zu dem, was hinter den Kulissen geschieht. Es wird über alle möglichen Kanäle, etwa mit Videos und Aufnahmen auf sozialen Netzwerken, für die Vorstellung geworben.“

Frau, Wasser, Nacht

Pavla Váňová Černochová | Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

Wenn man sich in der Ausstellung umschaut, sieht man, dass auf den Bildern eine Frauenfigur beziehungsweise die Figur der Rusalka dominiert. Pavla Váňová Černochová fährt fort:

„Ja natürlich. Das bedeutendste Thema der Plakate, genauso wie der Oper, ist die Frau. Die Frau, die sich nach etwas sehnt, die eine Änderung in ihrem Leben will und braucht. Sie ist bereit, dafür vieles zu opfern. Das Hauptthema ist die Liebe. Die meisten Plakate sind emotional sehr aufgeladen. Es sind Frauengesichter und Frauenfiguren. Und es gibt auch weitere Motive, die zur Rusalka gehören, also der Mond und die Natur, das Wasser, die Nacht und der Wald.“

Können Sie einige der Plakate hervorheben, die besonders interessant sind?

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

„Meist sind es Reproduktionen, also heutige Drucke älterer Plakate. Aber wir haben hier auch einige Originale. Zum Beispiel das des tschechischen Grafikers Josef Flejšar für das Nationaltheater aus den 1960er Jahren. Aber auch für den Film ‚Rusalka‘, der 1964 hierzulande gedreht und dann in die ganze Welt geschickt wurde. Die Plakate für diesen Film von Regisseur Kašlík stammen aus Kuba und Ungarn. Das ungarische Plakat ist eigentlich auch ein Original aus den 1960er Jahren. Es ist ein grünes Plakat mit dem Gesicht einer Frau und Collagen aus Spitzenmustern ist.“

Unterscheiden sich die ausländischen Plakate von den tschechischen oder tschechoslowakischen?

„Ich glaube nicht so sehr. Es gibt die Phase der 1960er Jahre, in der sowohl die ausländischen als auch die tschechoslowakischen Plakate kreativ und künstlerisch interessant sind. Und dann kam wieder die Zeit, in der der graphische Aspekt überwog, in den1990ern waren sie dann eher abstrakt. Dann gibt es noch die heutigen Plakate, die stark mit digitalen Medien zu tun haben. Wir haben hier etwa zwei Plakate aus dem Jahr 2015. Sie hängen nebeneinander und sehen ganz ähnlich aus, wobei das eine aus der Oper in Minnesota in den USA stammt und das andere aus der kleinen Stadt Chudenice in Westböhmen.“

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

Demnächst im Museum: Dvořáks Tag in Vysoká

Die Rusalka-Plakate werden bis Ende April im ersten Stock des Schlosses gezeigt. Danach werden sie von einer Ausstellung abgelöst, die im vergangenen Jahr für Polen entstanden ist. Vojtěch Poláček:

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

„Es ist eine Ausstellung, die anlässlich der Lebensjubiläen von Antonín Dvořák und Bedřich Smetana im vergangenen Jahr entstanden ist. Es sind Werke zeitgenössischer polnischer Künstler aus Opole. Sie haben sich von der Musik der beiden tschechischen Komponisten inspirieren lassen und auf ganz moderne Weise darauf reagiert.“

Und der Museumsleiter lädt auch zur Hauptausstellung der Saison ein, die im Mai eröffnet wird.

„Sie heißt ‚Ein Tag in Vysoká‘ und wird den Tagesablauf von Antonín Dvořák hier im Dorf zeigen. Vom frühen Morgen, wenn er aufstand und Vogelgesang hörte, über seine Spaziergänge, Besuche bei seinem Schwager, Graf Kaunitz, Teilnahme an den Gottesdiensten in den Kirchen der Umgebung bis hin zu abendlichen Treffen im hiesigen Gasthaus.“

Foto: Markéta Kachlíková,  Radio Prague International

Die Antonín-Dvořák-Gedenkstätte ist dienstags bis sonntags geöffnet. Und zwar bis Ende März von 10 bis 15 Uhr, vom April bis Juni von 10 bis 16 Uhr und in den Ferienmonaten Juli und August von 10 bis 17 Uhr.

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