Sammeln per Spenden-SMS: Die Hilfsorganisation Adra Tschechien wird 20

Foto: Archiv Adra

Die Hilfsorganisation Adra gehört zu den drei großen Wohltätigkeitsverbänden in Tschechien. Adra steht für Adventist Development and Relief Agency. Es ist eine nichtstaatliche Organisation, die von der evangelischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten getragen wird. Weltweit bestehen rund 120 Länderorganisationen, die aber unabhängig voneinander operieren. In Tschechien feierte Adra am Mittwoch 20-jähriges Bestehen.

Foto: Archiv Adra
Die tschechische Adra ist relativ jung. Die erste dieser Hilfsorganisationen entstand bereits 1956 in den USA. In Tschechien wollten die Adventisten nach der politischen Wende ebenfalls wohltätig sein, sie gründeten daher am 29. Mai 1992 einen Ableger. Ihr Engagement konzentrierte sich zunächst auf die Hilfe für Bosnien während des Balkankonflikts. Der tschechische Adra-Gründer Rudolf Reitz erinnert sich:

„Unsere erste Fahrt führte nicht nach Sarajevo, sondern nach Zagreb, wo sich bereits Hunderte von Flüchtlingen aufhielten. Sie waren mit Zügen gekommen und erzählten, dass die Soldaten, ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg, zum Beispiel eine schwangere Frau, um keine Mühe mit ihr zu haben, ausgesondert und erschossen hatten. Die Dinge, die sie berichteten, waren sehr hart.“

Jitka Chánová
Die Hilfe für Bosnien blieb zunächst weiter der Arbeitsschwerpunkt. Erst allmählich kamen weitere Aufgabenbereiche hinzu. Jitka Chánová leitet das Freiwilligenzentrum von Adra im südböhmischen České Budějovice / Budweis:

„Am Anfang hatte Adra ein völlig anderes Gesicht als heute. Der Schwerpunkt lag auf der Hilfe für das Ausland, vor allem in Kriegsgegenden. Es wurden also Spendensammlungen initiiert, es wurden Pakete mit Hygiene-Artikeln und Kleidung zusammengestellt. Nach und nach wurden aber Zentren für die Arbeit im Inland gegründet. Ausgangspunkt war die Hilfe beim Hochwasser.“

Gemeint ist das verheerende Hochwasser im Sommer 1997 in Mähren. Adra organisierte 140 Tonnen Hilfsmittel wie Medikamente, Trinkwasser und Kleidung, Freiwillige halfen bei den Aufräumarbeiten. Zudem beriet die Organisation die Hochwasseropfer dabei, ihre Häuser wieder trockenzulegen. So begann das innertschechische Engagement, das danach weiter ausgebaut wurde und heute vor allem aus mehreren langfristigen Projekten besteht. So hilft Adra alten, kranken und obdachlosen Menschen.

2005 gehörte die Hilfsorganisation zu den Mitbegründern einer speziellen Spendenform: der Spenden-SMS, auch DMS genannt. Das Kürzel leitet sich von Donors Message Service ab. Jan Bárta ist der heutige Leiter von Adra Tschechien:

„Die DMS hat sich bei der Tsunami-Hilfe ab dem 26. Dezember 2004 durchgesetzt. Die tschechischen Mobilfunkanbieter einigten sich angesichts der Katastrophe auf diese Möglichkeit. Die Nachricht lief dann über das Fernsehen. Und noch in derselben Nacht erhielten wir mehrere Millionen Kronen Spenden per DMS. Die Gesamtsumme lag dann bei rund 50 Millionen Kronen.“

Haiti (Foto: Europäische Kommission)
Diese Summe entspricht heute rund zwei Millionen Euro. Ähnlich hoch lag auch die Zahl der Spenden-SMS, die die Tschechen abschickten. Denn eine Mobilfunknachricht ergab rund einen Euro Spendengeld.

DMS-Nachrichten sind bis heute eine der Möglichkeiten, Adra bei der Arbeit zu unterstützen. Sie eignen sich am ehesten in Katastrophenfällen. Doch Bárta möchte in Zukunft mehr regelmäßige Spender ansprechen, auch um längerfristige Projekte in armen Ländern zu sichern. Derzeit helfen über Adra zum Beispiel tschechische Agrarfachleute in einer Gebirgsregion auf Haiti bei der Verbesserung der Landwirtschaft, in Bangladesh werden die Kinder von zehn Schulen unterstützt und in Thailand den Flüchtlingen aus Burma das ABC des Unternehmertums beigebracht.