Schach-Großmeister Rausis und der Toiletten-Betrug

Foto: Steve Buissinne, Pixabay / CC0

Der Fall hat die Schach-Welt erschüttert. Igors Rausis, ein Spieler mit tschechischem Pass, hat bei einem Turnier in Straßburg mit seinem Smartphone betrogen. Auf der Toilette suchte er im Internet nach geeigneten Spielzügen. Der Welt-Schachverband hat ihn nun für sechs Jahre gesperrt. Dem gebürtigen Ukrainer lettischer Abstammung wurde auch der Großmeistertitel aberkannt.

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Igors Rausis  (Foto: Mt7,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0)
Bis auf Platz 53 der Weltrangliste hat es Igors Rausis in den vergangenen Jahren gebracht. Für einen Spieler jenseits der 50 ist das ziemlich erstaunlich, denn eigentlich kommt da der Leistungsknick.

Rausis ist zuletzt sowohl in der tschechischen Schach-Extraliga für Frýdek-Místek angetreten, als auch in der zweiten Deutschen Bundesliga Süd für den SC Emmendingen aus Südbaden. Im Juli wurde er jedoch in Straßburg beim Betrug erwischt. Rausis musste vermeintlich auf die Toilette und nahm sein Smartphone mit. Auf der geschlossenen Schüssel hockend, holte er sich illegale Hilfe von einer Schachsoftware. Dies zeigt ein Foto, das ein weiterer Spieler machte. Ermittler des Weltverbandes Fide fanden das Handy später auf der Toilette. Gegenüber den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagte der 58-jährige Rausis:

„Ich habe einen Fehler gemacht, und das habe ich auch zugegeben. Die Leute sagen jedoch: einmal betrogen, immer betrogen. Das stimmt aber nicht.“

Konkret sagte Rausis, er habe seit 2015 unerlaubte technische Hilfe genutzt. Beim Erwerb seines Großmeistertitels im Jahr 1992 habe es hingegen noch gar keine Smartphones gegeben. Trotzdem hat die Fide ihm diesen Titel aberkannt – und dazu eben das sechsjährige Startverbot bei Turnieren.

Illustrationsfoto: Nick Cooper,  Flickr,  CC BY-NC-SA 2.0
Der wundersame Aufstieg des Schach-Seniors begann 2013. Beständig erhöhte Igors Rausis seine sogenannte Elo-Zahl, das ist die Wertungszahl, die die Spielstärke angibt. Zuletzt kratzte er sogar an der Marke von 2700, also der absoluten Weltspitze. Viele Beobachter haben die Verbesserung auch auf Rausis` Taktik zurückgeführt, bei offenen Turnieren gegen schlechtere Spieler anzutreten. Doch beim tschechischen Verband hatte man den Altmeister schon länger im Verdacht. Nachdem der Betrug in Straßburg aufgeflogen war, sagte Verbandspräsident Martin Petr:

„Ich gebe das offen zu: Meiner Ansicht nach waren die Kontrollen in der Extraliga und anderen Turnieren hierzulande in der Vergangenheit nicht ausreichend. Und das bedrückt mich.“

Michal Konopka  (Foto: Gerhard Hund,  Wikimedia Commons,  CC BY 3.0)
Das sechsjährige Startverbot bedeutet definitiv das Karriereende für Igors Rausis. Dieses hatte er im Übrigen schon im Juli verkündet, nachdem er aufgeflogen war.

In der Schach-Welt müssen nun aber die Scherben zusammengekehrt werden. Michal Konopka ist Manager der tschechischen Nationalmannschaft:

„Der Fall hat das Schach als solches beschädigt, er war sicher nicht gerade die gewünschte Art der Reklame. Und er fällt auch negativ zurück auf unseren Sport in Tschechien. Denn in allen ausländischen Medien wurde geschrieben, dass es sich um einen tschechischen Spieler handelt, auch wenn er lettische Wurzeln hat.“

Der Schachklub Beskydská šachová škola aus Frýdek-Místek, für den Rausis gespielt hat, gilt im Übrigen als der beste im Land. Er hat den Betrüger gleich im Juli schon ausgeschlossen.

Autor: Till Janzer
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