Schule für slawische Studien

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Von: Bettina Schlener und Jitka Mladkova

Prag, Brno, Olomouc sind die Standorte tschechischer Universitäten, die traditionsgemäß in den Sommermonaten die sogenannte Schule für slawische Studien veranstalten. Zu einem mehrwöchigen Studienaufenthalt kommen Studenten oder, einfach gesagt, Lernwillige, die ihre Tschechisch-Kenntnisse und überhaupt Kenntnisse tschechischer Realien vertiefen bzw. erweitern, oder - aus welchen Gründen auch immer - ihren ersten Kontakt mit dem Land, seiner Kultur und Sprache erst sozusagen vor Ort erleben wollen. Allein in Prag kamen diesmal zum mittlerweile 45.Jahrgang der Schule für slawische Studien rund 180 Teilnehmer aus 38 Ländern der ganzen Welt zusammen, ähnlich war es auch in Brno und Olomouc. In dieser Woche geht ihr Studienprogramm zu Ende, nach Hause nehmen sie aber viele Erinnerungen mit. So auch Bettina Schlener aus München, frischgebackene Absolventin der Schule für slawische Studien in Brno. Radio Prag hat sie nach ihren Eindrücken befragt:

"Halbpension, Doppelzimmer - hört sich nach Urlaub an, ist aber keiner. Im Gegenteil. Vier Wochen Sommerschule in Brno sind keine Erholung, schon gar nicht bei tropischen Temperaturen. Doch heute Abend bei der Abschlussfeier wird alles vergessen sein. Was bleibt ist das, was wir gelernt haben, und auch die Müdigkeit wird uns noch länger verfolgen, selbst wenn wir schon alle zu Hause sind - in Frankreich, Korea, Spanien, Bulgarien, Kanada, Norwegen, Polen und Deutschland. Tschechisch-Studenten haben miteinander gelernt, gelebt und Bier getrunken. Die Verständigung war nicht immer einfach. Während die Fortgeschrittenen ihr Tschechisch unter Beweis stellten, war für die Anfänger Englisch der Schlüssel zur Kommunikation. Nicht selten wurden zwei oder drei Sprachen miteinander gemixt. Auch pantomimische Fähigkeiten war von Nutzen und auch einige Wörter Spanisch habe ich gelernt von meiner "spolubydlici", meiner Mitbewohnerin im Wohnheim. Sie bezeichnet unseren Brno-Aufenthalt als "peacefull", friedlich. Friedlich schon, denke ich, aber anstrengend.

Jeden Vormittag, sogar samstags, Sprachkurse, danach Vorlesungen, zumindest für diejenigen, die etwas davon verstehen. Nach dem Essen in der Mensa erwarten uns Phonetikkurse, Spezialseminare oder Gespräche und abends zweimal wöchentlich tschechische Filme. An Langeweile war nicht zu denken, zumal auch Brno erkundet werden musste. Ausflüge standen ebenfalls auf dem Programm: Telc, die Tropfsteinhöhlen des Mährischen Karstes, die Beskiden mit dem Wallachischen Freilichtmuseum und natürlich Prag. Alles haben wir gesehen, wenigstens diejenigen, die den Ausflug nicht geschwänzt und stattdessen daheim gelernt und sich ausgeruht haben. Nun, der Unterricht effektiv, die Organisation perfekt. Bleibt noch das Essen. Ich habe meine geliebten Mehlspeisen vermisst. Dagegen Kartoffeln, ich kann sie nicht mehr sehen. Ich werde Zwetschkenknödel machen, wenn ich wieder in München bin."

Autoren: Jitka Mládková , Bettina Schlener
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