Vom Tschechischen fasziniert: Sommer-Sprachschule in Olmütz

Foto: Hannah Illing

84 Teilnehmer aus mehr als 20 Ländern nehmen dieses Jahr an der Letní škola im mährischen Olomouc / Olmütz teil. Wie in anderen Sommerschulen hierzulande pauken die Schüler dort einen ganzen Monat lang jeden Vormittag freiwillig tschechische Grammatik, Vokabular und Aussprache. Die Sommerschule bietet aber noch mehr als nur Unterricht: Nachmittags gibt es Vorlesungen über die tschechische Kultur oder Workshops.

Foto: Hannah Illing
Sechs Schüler sitzen in Kurs Nummer sieben der Letní škola in Olmütz und wiederholen Grammatik. An diesem Vormittag steht der Instrumental auf dem Lehrplan, der siebte und letzte Fall der tschechischen Sprache. Aus Frankreich, Deutschland und aus Vietnam stammen die Schüler, alle haben sie ein Ziel: in den Sommerferien ihr Tschechisch zu verbessern. Petra Knápková ist Lehrerin an der Sommerschule:

„Die Letní Škola ist auch etwas Besonderes, weil sie im Sommer stattfindet. Der Unterricht ist keine Pflicht, die Studenten kommen, weil sie wollen. Sie verbringen auch oft ihren Urlaub oder ihre Ferien hier. Der Zugang ist deshalb ganz anders, als wenn man die Studenten während des Jahres unterrichtet oder im Kurs hat.“

Foto: Hannah Illing
Die meisten Teilnehmer der Letní škola sind Studierende, die osteuropäische Sprachen lernen oder ein Auslandssemester in Tschechien verbringen werden. Doch es gibt auch ältere Schüler, die in ihrem Heimatland schon lange einen Beruf ausüben und Tschechisch als Hobby lernen. Die Schüler eint vor allem eines: die Faszination für die tschechische Sprache. Kunstgeschichtsdoktorandin Maria Obenaus aus Berlin lernt schon seit zehn Jahren Tschechisch, und zwar aus gutem Grund:



Eiichi Sato und Maria Obenaus (Foto: Hannah Illing)
„Ich komme ursprünglich aus Dresden. Ich bin als Kind und Jugendliche oft mit meinen Eltern in Tschechien gewesen, vor allem im Riesengebirge. Wir waren jedes Jahr dort Skifahren oder auch im Herbst einfach mal eine Woche wandern. Deshalb ist mir Tschechien sehr nahe. Ich habe mich während meiner Schulzeit geärgert, dass ich in der Schule zwar Englisch und Französisch gelernt habe, mich aber nicht mit den Menschen unterhalten konnte, die in meiner Nähe wohnen. Deswegen habe ich eine große Motivation, die Sprache zu lernen.“

Auch der Japaner Eiichi Sato lernt Tschechisch mit großem Enthusiasmus. Er nimmt bereits zum siebten Mal an der Letní škola teil und kommt immer wieder gerne nach Olmütz. Ihm gefällt vor allem das Rahmenprogramm: Die Schüler können unter anderem einen Filmklub besuchen, außerdem gibt es Polka-Unterricht und Wochenendausflüge.

„Ich mag Olmütz und die Letní škola sehr gerne. Hier gibt es nämlich auch noch ein Zusatzprogramm, zum Beispiel einen Theaterworkshop oder einen Tanzabend. Das interessiert mich sehr“, sagt Eiichi Sato.

Olmütz (Foto: Hannah Illing)
Kein Wunder, dass Sato nicht genug von Olmütz bekommt. In der barocken Altstadt reiht sich ein pittoreskes Häuschen an das nächste, und die Dreifaltigkeitssäule gegenüber dem Rathaus gehört zum Weltkulturerbe. Der Reiseführer Lonely Planet hat die Stadt im Jahr 2012 sogar zu „Europas heimlichem Juwel“ gekürt. Die Schüler der Letní škola studieren mittendrin, im knapp 300 Jahre alten ehemaligen Jesuitenkonvikt.

Dort gucken die Schüler von Kurs Nummer sieben inzwischen ein kurzes Video aus der TV-Show „Etikette“ des tschechischen Journalisten Ladislav Špaček. Mit typisch tschechischem Humor zeigt Špaček, wie Bewerber sich im Vorstellungsgespräch auf keinen Fall verhalten sollten. Vielleicht keine schlechte Vorbereitung für die Studenten: Sollten sie hierzulande später einmal nach einem Job suchen, wissen sie wenigstens schon, worauf sie achten müssen.