Skisport-Weltcup in Liberec: Bauer „opfert“ seine Ski für Podestplatz

Lukáš Bauer (Foto: CTK)

Es sollte der Höhepunkt werden der diesjährigen Wintersport-Saison in Tschechien – die Weltcuprennen der Skilangläufer und Nordisch Kombinierten in Liberec / Reichenberg. Doch da es in der nordböhmischen Kreisstadt am Fuße des Jeschken seit Wochen nicht geschneit und auch kaum gefrostet hat, musste sehr viel improvisiert werden. Die Rennen fanden statt, wenn auch in einer stark verknappten Ausführung.

Demonstrierende Naturschützer in Liberec (Foto: ČTK)
„Pfui, dem unsinnigen Skiareal“, mit diesem und ähnlichen Sprechchören äußerte eine Schar von Naturschützern am Samstag ihren Unmut über das funkelnagelneue Langlaufareal im Reichenberger Stadtteil Vesec. Da sich die moderne Strecke, eigens für die Skisport-WM im kommenden Jahr errichtet, nur in rund 450 Meter Seehöhe befindet, lag hier kein Schnee in diesen viel zu milden Wintertagen. Da die Weltcup-Wettbewerbe der Skilangläufer und Nordisch Kombinierten aber auch als WM-Generalprobe dienen sollten, haben die WM-Organisatoren um Ex-Skilangläuferin und Olympiasiegerin Kateřina Neumannová den Schnee ankarren lassen – mit Dutzenden Lkw-Fuhren aus den höher gelegenen Regionen des Isergebirges, die zum Großteil in einem Naturschutzgebiet liegen. Deshalb also auch der verständliche Unmut der Umweltschützer. Kateřina Neumannová aber konnte nach den mehrmaligen „Nacht- und Nebel-Fahrten“ zur Schneegewinnung erleichtert festhalten:

Foto: ČTK
„Wir können eine, in Anführungszeichen Zwei-Kilometer-Strecke sicherstellen. Sie wird allerdings um ein paar Meter kürzer sein.“

Das 15-km-Langlaufrennen der Herren war so in Wirklichkeit nur 11,4 km und der 10-km-Lauf der Damen nur 7,6 km lang. Es war aber nicht die verkürzte Streckenlänge, sondern ein anderer Grund, der Lukáš Bauer, dem im Männer-Weltcup führenden Tschechen, dann in der Loipe zu schaffen machte:

„Die Strecke sah vom Profil her nicht so aus, als wenn sie so anstrengend sein könnte. Aber ich habe vorausgesagt, dass die Kombination von Alt- und Kunstschnee die Sache schwierig machen könnte, was sich dann auch gezeigt hat. Auch ich habe dann schon nach zirka zwei Runden gespürt, wie die Kräfte sehr schnell nachlassen. Ja, es war ein harter Kampf.“

Lukáš Bauer (Foto: ČTK)
Aber er hat sich ausgezahlt. Denn mit seinem zweiten Platz im verkürzten 15-km-Rennen hat Bauer seinen Vorsprung im Gesamtweltcup weiter ausbauen können – auf 353 Punkte zum Zweiten, dem Deutschen René Sommerfeldt. Allerdings musste Bauer dafür auch ein großes Opfer bringen: seine Fischer-Ski mit der Glücksnummer „Sieben“ waren nach dem Rennen nicht mehr zu gebrauchen. Der Grund: Auf der ohne Neuschnee nur notdürftig präparierten Strecke hatte Steine und Geröll die Gleitfläche seiner Ski zerkratzt. Wer also bei den Weltcup-Wettbewerben in Vesec und am Jeschken als Athlet etwas gewinnen oder als Zuschauer erleben wollte, der musste an der gewohnten Qualität mehrere Abstriche machen. Ein in Liberec angereister Skisportfan aus Österreich aber war durchaus angetan von den Bemühungen der Organisatoren:

„Es gefällt mir gut hier, und alles ist auch gut organisiert.“

Neben dem Skisport standen am zurückliegenden Wochenende aber ebenso Fußball und Eishockey hierzulande hoch im Kurs. Zum einen, weil die höchste Fußball-Liga des Landes in ihre Rückrunde startete, und zum anderen, weil die Eishockey-Extraliga ihre ersten Play-off-Teilnehmer ermittelte. Mit Budweis, Slavia Prag, Liberec, Karlsbad, Litvínov, Sparta Prag, Znojmo und Třinec stehen acht von zehn Teilnehmern seit Sonntag fest.

Autor: Lothar Martin
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