Spannungen zwischen Weißrussland und Tschechien nach Verhaftung eines tschechischen Diplomaten

Pavel Krivohlavy (Foto: CTK)
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Es erinnert an die dunkelsten Zeiten des Kalten Krieges, was sich zurzeit zwischen Weißrussland und der Tschechischen Republik abspielt: Ein Mitarbeiter der tschechischen Botschaft in Minsk war unter dubiosen Umständen und ohne Rücksicht auf seine diplomatische Immunität festgenommen und des Landes verwiesen worden. Die Anschuldigungen passen in das System des Lukaschenko-Regimes. Thomas Kirschner mit Einzelheiten.

Pavel Krivohlavy (Foto: CTK)
Vorgeworfen werden dem tschechischen Diplomaten Pavel Krivohlavy sexuelle Kontakte zu minderjährigen Jungen. Nach einer kurzen Haft wurde er daher von weißrussischen Behörden des Landes verwiesen. In Tschechien wird der Vorfall vor allem als Provokation verstanden, wenngleich man die Anschuldigungen untersuchen will. Der Sprecher des Außenministeriums Vit Kolar stellte jedoch klar, dass das Vorgehen der Weißrussen in krassem Kontrast zu den diplomatischen Gepflogenheiten steht.

"Wenn jemand solche Informationen hat, dann muss er ich an die Strafverfolgungsbehörden oder die Polizei wenden, denn in diesem Fall handelt es sich um eine Straftat."

Auffällig war, dass das weißrussische Fernsehen bereits wenige Tage nach der Festnahme Krivohlavys eine Sendung zu dem Fall ausstrahlte, bei dem auch angebliche jugendliche Sexualpartner des tschechischen Diplomaten befragt wurden, ohne dass die Authentizität der Angaben allerdings überprüfbar war. Ein unabhängiger Gutachter werde dieses Material niemals zu Gesicht bekommen, meint die in Prag lebende kritische weißrussische Journalistin Natallia Sudliankov. Der Film ist für sie ein Beleg, dass die Aktion von langer Hand vorbereitet war. Die versuchte Diskreditierung westlicher Diplomaten entspreche jedenfalls der Strategie des Lukaschenko-Regimes:

Vit Kolar (links) und Pavel Krivohlavy (Foto: CTK)
"Ich glaube, der wirkliche Grund, warum er des Landes verwiesen wurde - und warum dies in so einer Weise geschah - liegt darin, dass Lukaschenko eine Politik der Dämonisierung betreibt, die sich gegen die westlichen Länder und ihre Diplomaten richtet. Er hält den weißrussischen KGB, also den Geheimdienst dazu an, den Menschen im Land zu zeigen, dass die westlichen Diplomaten die weißrussischen Mädchen zu Prostituierten machen, dass sie nur Homosexualität ins Land bringen und dergleichen mehr."

In Tschechien gilt der weißrussische Präsident Lukaschenko als unerwünschte Person; schon zum Nato-Gipfel 2002 in Prag hatte die Regierung ihm das Einreisevisum verweigert. Außenminister Cyril Svoboda bemüht sich daher im aktuellen Fall nicht mehr um diplomatische Ausdrucksweise:

"Die Tschechische Republik kritisiert schon seit langem das Lukaschenko-Regime in Weißrussland. Wir unterstützen die Opposition, und daran kann auch dieser Fall nichts ändern. Die Behauptungen der weißrussischen Seite sind nicht glaubwürdig. Aus der Vergangenheit wissen wir alle noch, wie Informationen manipuliert und unliebsame Personen diskreditiert werden, kurz, welche Methoden in nicht-demokratischen Regimen verwendet werden."