Sparta Prag Krösus im tschechischen Fußball

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Nach der in dieser Woche erfolgten Festnahme und polizeilichen Anhörung des Vorsitzenden des Böhmisch-Mährischen Fußballverbandes, Frantisek Chvalovský, ist die Sportart Nummer 1 im Lande ein wenig ins Zwielicht geraten. Doch auf dem Prüfstand steht nicht die Finanzierung des tschechischen Fußballs, sondern die nebenerwerbliche Geschäftstätigkeit des obersten Fußballbosses. Wie die hiesigen Vereine wirtschaften und in welchen Größenordnungen sich ihre Budgets bewegen, dazu ein Beitrag von Lothar Martin.

Der tschechische Fußball hat in Europa einen guten Ruf. Stars wie Pavel Nedved, Jan Koller oder Ausnahmetalent Tomás Rosický sorgen im Ausland zumeist für positive Schlagzeilen. Doch wie sieht es im Inland aus? Wie finanzieren sich die hiesigen Vereine eigentlich?

Einer, der es wissen muss, ist der Präsident des AC Sparta Prag Vlastimil Kostál. Nicht zuletzt deshalb, weil es ihm gelang, seit seiner Amtsübernahme vor gut anderthalb Jahren eine Schuldenlast von umgerechnet 50 Millionen Mark beim Rekordmeister des Landes abzubauen. Letzter und größter Baustein im Entschuldungskonzept war der 25-Millionen-Transfer von Rosický zu Borussia Dortmund im Januar, dank dem der Traditionsverein nun wieder schuldenfrei seine Zukunft planen kann. Mit welchem Budget kann Sparta dabei aufwarten? Dazu Kostál: Wie wir vom Sparta-Boss erfahren, setzt sich das Budget zu je einem Drittel aus Spielerverkäufen, aus Sponsoren- und Fernsehgeldern und aus den in der Champions League gemachten Einnahmen zusammen. Die 45 Millionen Mark, die aus den Spielerverkäufen der letzten neun Monate erzielt wurden, dienten zur Schuldentilgung und für Neueinkäufe. Auch die Einnahmen im Sponsorenbereich können sich laut Kostál sehen lassen: Vollkommen unzufrieden hingegen äußerte sich der 43-jährige Frontmann des Prager Renommierclubs zu den Fernsehgeldern. Je nach Vorjahresplatzierung und Bonus werden jährlich zwischen 5 und 15 Millionen Kronen an die Erstligavereine ausgeschüttet, was internationalen Maßstäben kaum gerecht wird, so Kostál: Sparta Prag kann daher die höchsten Spielergehälter im Lande auch nur deshalb zahlen, weil sich die Mannschaft diese durch die ständige Qualifikation an der Champions League quasi selbst verdient. Für tschechische Verhältnisse verdient ein Sparta-Kicker aber wirklich gut: Zum Vergleich: Die Spieler in den anderen Vereinen, wo das Jahresbudget zwischen 30 und 60 Millionen Kronen liegt, verdienen zwischen drei- und fünftausend Mark im Monat. Daher genießt Sparta hierzulande den Ruf, der FC Bayern Tschechiens zu sein. Aber mit diesem Ruf kann man gut leben.