Speerwerferin Špotáková komplettiert in Zürich ihre Titelsammlung

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)

Wenn in den letzten sieben, acht Jahren eine internationale Meisterschaft in der Leichtathletik ausgetragen wurde, dann konnten sich die tschechischen Sportfans stets auf eine Disziplin besonders freuen: das Speerwerfen der Frauen. Denn in dieser Disziplin dominiert seit dieser Zeit die tschechische Weltrekordhalterin Barbora Špotáková. Die 33-jährige Athletin aus Jablonec nad Nisou / Gablonz gewann seit 2006 je dreimal Gold und Silber, ein EM-Titel war indes noch nicht dabei. Das hat sich am Donnerstag geändert.

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)
Bei der Leichtathletik-EM in Zürich hat Barbora Špotáková ihrer großartigen Erfolgsbilanz nun auch diesen Triumph hinzugefügt. Sie gewann das Finale mit der Siegerweite von 64,41 Meter. Von dieser Leistung war sie allerdings nicht sonderlich angetan:

„Ich spüre eine gewisse Zufriedenheit, aber so richtige Freude kommt nicht bei mir auf. Die hätte ich gewiss, wenn ich wesentlich weiter geworfen hätte, denn in dieser Saison habe ich in jedem Wettkampf ohne Mühe über 66 Meter geschafft. Und jetzt auf einmal hat es nicht geklappt. Darüber bin ich nicht erfreut, aber über den Titel natürlich schon.“

Jan Želený (Foto: Ivana Roháčková, ASC Dukla, Archiv der Armee der Tschechischen Republik)
Špotákovás Trainer ist seit Jahren der dreifache Olympiasieger Jan Železný. Auf der Tribüne des Stadions im Züricher Letzigrund aber verzweifelte diesmal auch der erfahrene Železný, als er mit ansehen musste, wie sich sein Schützling im Wettkampf quälte. Nach dem passablen Auftakt mit 62,86 Meter gelang Špotáková nämlich gleich dreimal in Folge kein Wurf mehr über 60 Meter. Das habe sie auch nervös gemacht, sagte die Tschechin:

„Ich habe alles Mögliche probiert, denn auf einmal lief bei mir nichts mehr zusammen. Ich habe eine andere Anlaufbahn genommen, es mit weniger Anlauf probiert, doch nichts klappte. Vor dem fünften Durchgang habe ich mir dann gesagt, dass dies vielleicht schon meine letzte Europameisterschaft sein könnte. Also habe ich meine letzten Kräfte zusammengenommen und die 64,41 Meter geworfen. Da war ich froh.“

Linda Stahl, Barbora Špotáková und Tatjana Jelača (Foto: ČTK)
Das konnte die junge Mutter auch, die die vergangene Saison aufgrund ihrer Babypause ausgesetzt hatte. Denn mit diesem Wurf schob sie sich nicht nur an der lange Zeit führenden Deutschen Linda Stahl vorbei, sondern auch an Tatjana Jelaca. Die junge Serbin hatte direkt vor ihr mit 64,21 Meter einen neuen Landesrekord geworfen – eine Weite, die Špotáková offenbar noch einmal anstachelte:

„Auf jeden Fall. Ich habe ihre Weite sofort gekontert und ihr danach auch dafür gedankt, dass mich das angespornt hat.“

Dank dieser einen Energieleistung hat Barbora Špotáková ihre Goldsammlung nun endlich komplettiert: Nach zwei Olympiasiegen und einem WM-Titel bestieg sie nun auch den europäischen Thron. Und diesen Titel hat sie sogar ihrem großen Trainer voraus – Jan Železný konnte nämlich seinen insgesamt sechs Goldmedaillen, die er bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften holte, nie die europäische Krone beifügen.

Anežka Drahotová (Foto: ČTK)
Einen tollen Einstand in ihre noch junge Karriere feierte am Donnerstag auch die tschechische Geherin Anežka Drahotová. Über 20 Kilometer wurde sie Dritte hinter der Siegerin Elmira Alembekowa aus Russland und der Zweiten Ljudmila Oljanowska aus der Ukraine. Auf Silber fehlte der 19-jährigen Tschechin im Ziel nur eine Sekunde. Drahotová stellte indes mit 1:28:08 Stunden einen neuen Landesrekord auf.

„Rückblickend muss ich sagen, dass es mich schon sehr ärgert, den zweiten Platz noch knapp verloren zu haben, denn im Rennen habe ich sogar mit dem Sieg geliebäugelt. Diesmal aber hat es noch nicht geklappt, zumal am Ende auch meine Ferse schmerzte. Doch letztlich bin ich froh über die Medaille.“

Autor: Lothar Martin
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