Starke Krone lässt Tschechen billiger urlauben - Anzahl der Hausmänner nimmt zu

Ein Großteil der tschechischen Unter- und Arbeitnehmer nimmt sich in den Sommermonaten Juli und August wohlverdienten Urlaub. Immer mehr Tschechen zieht es dabei ins Ausland, und das aus gutem Grund: Denn die tschechische Währung ist so stark wie nie zuvor! Warum das so ist, und weshalb Hypermärkte, Windkraftanlagen und anderes mehr voll im Trend liegen, das erfahren Sie im Wirtschaftsmagazin von und mit Lothar Martin.

Ups and downs in der tschechischen Wirtschaft

In Tschechien gibt es die meisten Hypermärkte in Mitteleuropa pro Kopf der Bevölkerung. Auf eine Million Einwohner entfallen nahezu 19 Verkaufsmärkte. Zum Vergleich: In der Slowakei sind es derer 16, in Polen nicht einmal ganze sechs. Gegenwärtig kauft rund 36 Prozent der tschechischen Bevölkerung in diesen Hypermärkten ein. Das geht aus einer Studie der Gesellschaft ACNielsen hervor. Nach Meinung des Ökonomen der Gesellschaft Cyrrus Jan Prochazka ist der tschechische Markt damit in seinem Angebot übersättigt. Nichtsdestotrotz will sich die Tschechische Post diese attraktiven Standorte jetzt immer mehr zu nutzen machen und das Netz ihrer Zweigstellen auf die Hypermärkte erweitern. Zu den Vorzügen dieser Ausweitung sagte Postsprecher Ivo Mravinac:

"Vorteile gibt es eine ganze Reihe, vor allem aber ist der Service komfortabler. Wenn der Kunde nämlich in den Hypermarkt zum Einkaufen fährt, dann weiß er auch, dass die jeweilige Poststelle an Arbeits- und Samstagen auch geöffnet hat, und zwar bis spät in den Abend hinein. Außerdem weiß er, dass er mit seinem Auto gut parken kann, und er muss auch keine Sorge dafür tragen, sich wie bei einem Gang zu seiner Stammpost eventuell von der Arbeit befreien zu müssen."

Dieser Trend ist jedoch nur einer von mehreren, die man derzeit in Tschechien beobachten kann. Auch in der Energiewirtschaft machen sich langsam aber sicher alternative Formen der Energiegewinnung breit, und zwar die Solar- und die Windenergie. Besonders die letztere Form befindet sich im Aufwind, wie ein aktuelles Beispiel aus dem Landkreis Liberec / Reichenberg verdeutlichen soll. Zwar hat auch die Windenergie nicht nur Freunde, doch die Verfechter dieser Art der Energiegewinnung lassen sich durch die zu erwartenden Widerstände vor Ort nicht mehr so schnell entmutigen. Zum neuesten Projekt einer Windkraftanlage in der Region Frydlant / Friedland sagte Linda Futerova von der Presseabteilung des Landkreises:

"Während der Stadtrat von Friedland zur Errichtung einer Windkraftanlage im nahe gelegenen Schönwald eine ablehnende Haltung hat, sind wir zu einer anderen Meinung gelangt. Wir haben ein Expertengutachten zur Umweltverträglichkeit anfertigen lassen. Und aus diesem Gutachten geht hervor, dass am vorgesehenen Standort eine Windkraftanlage mit einer Gesamthöhe von 100 Metern auch was die Lärmbelästigung betrifft akzeptabel sei."

Wenn sich die Vorstellungen der Landkreisvertreter schließlich durchsetzen sollten, dann werde, so Linda Futerova, die neue Windkraftanlage noch bis Ende des Jahres fertig gestellt und somit neue Energie gewinnen.

Hinter die Fassade geschaut

Die tschechische Krone verbuchte in den zurückliegenden zwölf Monaten die größten Kursgewinne unter allen Weltwährungen. Urlauber aus Tschechien, die in diesem Sommer ins Ausland reisen, erhalten für ihr Geld den Euro um sechs Prozent und den US-Dollar sogar um 13,4 Prozent billiger als noch im Juli vorigen Jahres. Im Ranking der am stärksten an Wert zulegenden Währungen liegt die tschechische Krone damit unangefochten auf dem ersten Platz, denn sowohl der südkoreanische Won als auch der thailändische Baht folgen erst mit großem Abstand. Unter den Top ten der Weltwährungen mit dem stärksten Zuwachs befinden sich außerdem nur noch zwei weitere europäische Währungen - die Schwedische und die Slowakische Krone. Das ergaben die Analysen der Agentur Bloomberg, die am Montag in der tschechischen Tageszeitung "Hospodarske noviny" veröffentlicht wurden.

Den Finanzexperten zufolge wird die Tschechische Krone auch in den kommenden Monaten weiter an Wert zulegen, allerdings in einem geringeren Tempo als bisher, und zwar zwei bis drei Prozent jährlich. Dann würde sie im Jahr 2010, wenn die Tschechische Republik vermutlich den Euro einführen wird, den Prognosen zufolge mit einem Kurs von 26 bis 26,50 Kronen je Euro gehandelt werden. Bis dahin ist es sicher noch ein langer Weg, aber von dieser Entwicklung profitieren schon heute vor allem die reichsten Bürger des Landes zwischen Erzgebirge und Beskiden. Denn ihre Zahl hat im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Einer Erhebung der Gesellschaft Capgemini and Merrill Lynch (mery lyntsch) zufolge wurden im Jahr 2005 in Tschechien nahezu 13.000 Dollar-Millionäre registriert. Hierbei ist anzufügen, dass sich in dieser Zahl nur jene Personen befinden, die im vergangenen Jahr über ein frei verfügbares Kapital von einer Million Dollar verfügt haben. Andere Besitzstände wie Immobilien, Autos oder andere Besitztümer sind darin nicht einmal berücksichtigt. Und wie der Generaldirektor von Capgemini, Patrik Horny, zu ergänzen weiß, fehlen in dieser Erhebung sogar noch einige Tschechen:

"In unserer Untersuchung wurden nur Person en berücksichtigt, die in der Tschechischen Republik einen dauerhaften Wohnsitz haben oder die über ein Konto verfügen, das aufgrund aller Informationen und Reports von internationalen Organisationen einsehbar ist."

In den unteren Einkommensschichten sind es aber mittlerweile auch in Tschechien längst nicht mehr einzig und allein die Männer, die in den gemeinsamen Haushalt den größeren Kapitalanteil einbringen. Nein, auch in Tschechien nimmt die Anzahl der Männer zu, die aufgrund ihres niedrigeren Einkommens den Haushalt führen und sich entsprechend intensiver um die Kinder kümmern. Waren es im Landkreis Olomouc / Olmütz zum Beispiel im Jahr 2003 gerade einmal 107 junge Väter, die den Kinderbetreuungsurlaub nahmen und den damit verbundenen Elternzuschuss kassierten, so ist ihre Anzahl nun - drei Jahre später - um 55 Prozent gestiegen. Die Analytikerin Maria Dvorakova erklärt, warum das so ist und welche Altersgruppe unter den Hausmännern am stärksten vertreten ist:

"In 50 Prozent dieser Fälle nimmt die ökonomische Situation der Familie Einfluss auf die Entscheidung der Familie, das heißt, die Kindesmutter hat ein deutlich besseres Einkommen vor Steuern als ihr Partner. In den weiteren Fällen verfügten beide Elternteile in etwa über das gleiche Einkommen oder beide Eltern waren völlig ohne Einkommen. Die Altersgruppe, der dieser Elternzuschuss dabei am häufigsten gewährt wurde, waren Männer der Geburtenjahrgänge 1970 bis 1979, das heißt Männer, die heute zur Gruppe der 30-Jährigen gehören."

Bei all den neuen Trends und Entwicklungen kann einer leider nicht mehr Einfluss nehmen, der in den vergangenen Jahren zu den bedeutendsten Volkswirtschaftlern des Landes zählte - der Nestor der tschechischen monetären Ökonomie Frantisek Vencovsky. Denn der anerkannte Kenner der Geschichte der tschechischen Wirtschaft und Mitbegründer der tschechischen Währungspolitik ist am vergangenen Mittwoch nach langer schwerer Krankheit im Alter von 83 Jahren verstorben. Für seine volkswirtschaftlichen Leistungen ist Vencovsky im Jahr 2003 mit der staatlichen Auszeichnung "Für Verdienste um den Staat" geehrt worden. In seiner langen und erfolgreichen Tätigkeit war Vencovsky unter anderem auch ein Berater des Gouverneurs der Tschechischen Nationalbank. Im hohen Alter hat er in den zurückliegenden Jahren noch an der Hochschule für Ökonomie in Prag gewirkt und darüber hinaus auch die Zusammenarbeit mit weiteren Hochschulen gepflegt. Seine weisen Ratschläge wird man in der tschechischen Wirtschaft der Gegenwart wohl schon etwas vermissen.