Start einer neuen Antidrogenkampagne

kampan_dropin1.jpg

Drogenkonsum, Drogensucht - ein Problem, das mit der Öffnung der Grenzen vor 13 Jahren auch in die damalige Tschechoslowakei Einzug hielt und im Laufe der Zeit an Dimension gewann. Jitka Mladkova berichtet im folgenden Beitrag über eine neue Antidrogenkampagne in Tschechien:

Recht beunruhigend ist die Situation bei den Jugendlichen, zu deren Lifestyle der Drogenkonsum schon seit Jahren gehört, Tendenz steigend. Wie dem jüngsten Jahresbericht des staatlichen Zentrums für Monitoring von Drogensucht zu entnehmen ist, liegt Tschechien in diesem Bereich an der Spitze der zehn EU-Kandidatenländer. Gerade den Jugendlichen, doch im Prinzip der ganzen tschechischen Öffentlichkeit gilt eine ungewöhnlich breit angelegte mediale Antidrogenkampagne, die in dieser Woche startet.

"Ich will euch etwas über Drogen sagen", sagen in einem Filmclip drei Personen, genauer ihre innere Stimme, doch für alle drei gibt es ein Aber, warum sie das nicht tun. Ein junger Mann schafft es nicht mehr, er liegt schon tot auf dem Fußboden einer Toilette, eine Prostituierte wird gerade von einem Kunden zur Arbeit genötigt, und hinter dem Dritten schließen sich in dem Moment die Gefängnistore: Erst in ein paar Jahren, sagt er.

In etwa 90 Prozent aller tschechischen Kinohäuser wird dieser eine knappe Minute lange Clip vor jedem Spielfilm zwei Monate lang laufen, außerdem wird er auch im Fernsehen gezeigt. Dieselben Bilder sollen aber auch in Tageszeitungen bzw. auf Plakaten zu sehen und auf dreißig Tausend Postkarten zu kaufen sein. Jan Faflik, Geschäftsführer der Agentur Masina, die diese Drogenabschreckungskampagne entwickelt hat, bestreitet kategorisch, dass man hiermit auf eine Art "Schocktherapie" gesetzt hat:

"Es ging uns keineswegs um eine Schocktherapie. Wir wollten eher Emotionen wecken," sagt Faflik. Seiner Meinung nach nehmen die Menschen das Drogenproblem als etwas wahr, was sie gar nichts angeht. Jeder, der Drogen nimmt, gilt bereits als ein schmutziger Junkie, sagt Faflik und erläutert, dass man mit der Kampagne die Öffentlichkeit davon überzeugen will,...

"... dass es tatsächlich jedem passieren kann, meinem Sohn, meinem Freund, kurzum jedermann aus meinem Umfeld."

Der Erlös der Kampagne der erst vor kurzem gegründeten Agentur Masina, die eine ganze Reihe von Firmen und Institutionen - man höre und staune - ohne Honoraranspruch für das Projekt an Land gezogen hat, soll auf das Konto der Präventionsprogramme der gemeinnützigen Gesellschaft "Drop in" gehen, die sich seit 1991 außer im Präventionsbereich auch in verschiedenen Hilfsprojekten für Drogensüchtige engagiert. Ihr Leiter, Dr. Jiri Presl, hat die Initiative der erwähnten Agentur sehr begrüßt. Über die staatliche Drogenpolitik hingegen äußert er sich sehr kritisch. Nachdem seiner Meinung nach noch Mitte der 90er Jahre Interesse und Sorge von Seiten des Staates zu verzeichnen gewesen seien, tue dieser jetzt immer weniger.

"Das ist so ein totales Desinteresse, wie ich es seit Jahren nicht erlebt habe", sagte Presl kurz und bündig an die Adresse des Staates!.